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Ableger bilden – Anleitung

Ein Ableger ist ein junges Bienenvolk, das du gezielt aus einem bestehenden Wirtschaftsvolk formst, indem du Brutwaben, Bienen, Futter und Pollen entnimmst und in eine eigene Behausung umsiedelst. Das Kernprinzip ist schnell erklärt: Du nimmst einem starken Volk einen Teil seiner Substanz weg und gibst diesem Teil die Chance, sich zu einem eigenständigen Volk mit eigener Königin zu entwickeln. Damit hast du eines der wichtigsten Werkzeuge der Imkerei in der Hand, denn das Ablegerbilden entscheidet über Vermehrung, Gesundheit und die Ruhe an deinem Bienenstand.

Warum solltest du dir diese Mühe machen? Weil ein Ableger gleich mehrere Probleme auf einmal löst. Du beugst dem Schwarmtrieb vor, du vermehrst deine Völker planvoll statt dem Zufall zu überlassen, du gleichst Winterverluste aus, und du schaffst dir mit der entstehenden Brutpause eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Varroabehandlung. Kaum eine andere Maßnahme im Bienenjahr bringt dir so viel auf einmal. Genau deshalb gehört das Ablegerbilden für jeden Imker, der über das erste Lehrjahr hinaus ist, zum festen Handwerk.

In diesem Ratgeber gehe ich mit dir Schritt für Schritt durch, was ein Ableger genau ist, wann du ihn bildest, was du dafür brauchst und wie du die wichtigsten Ableger-Arten sauber durchführst. Ich zeige dir außerdem, wie das junge Volk zu einer Königin kommt, wie du es aufstellst und pflegst, wie du die brutfreie Phase für die Milbenbekämpfung nutzt und wie du das Jungvolk sicher über den Winter bringst. Wenn du gerade erst einsteigst, lies vorher gern unseren Beitrag Imkern für Anfänger, dort findest du die Grundlagen zur Völkerführung.

Was ist ein Ableger und wie grenzt er sich vom natürlichen Schwarm ab?

Ein Ableger ist die vom Imker gesteuerte Vermehrung eines Volkes, während der Bienenschwarm die natürliche Vermehrung ist, bei der die alte Königin mit rund der Hälfte der Bienen den Stock verlässt. Der entscheidende Unterschied liegt in der Kontrolle: Beim Ableger bestimmst du Zeitpunkt, Stärke und Zusammensetzung, beim Schwarm bestimmt das Volk.

Beim natürlichen Schwarm zieht das Volk zunächst Schwarmzellen, dann geht die begattete Altkönigin mit einem Großteil der Flugbienen ab und hängt sich als Traube in einen Baum, bevor sie eine neue Behausung sucht. Für dich als Imker ist das mit Verlust und Aufwand verbunden, denn ein entwichener Schwarm ist erst einmal weg, und ein eingefangener Schwarm kostet dich Zeit und Nerven. Der Ableger dreht dieses Prinzip um: Du nimmst dem Volk gezielt Bienen und Brut ab, bevor es selbst auf die Idee kommt zu schwärmen. Das Ergebnis ist dasselbe, nämlich ein zusätzliches Volk, aber du behältst die Fäden in der Hand.

Ein weiterer Punkt: Der Schwarm besteht überwiegend aus Flugbienen und der Altkönigin, ist also ein Volk mit sofortiger Sammelkraft, aber ohne Brut. Ein Ableger kann je nach Art genau umgekehrt aufgebaut sein, nämlich vor allem aus Brut und jungen Bienen ohne Königin. Aus diesem Baukastenprinzip ergeben sich die verschiedenen Ablegertypen, die ich dir weiter unten erkläre. Wenn du die Terminologie rund um den Schwarm noch vertiefen willst, hilft dir das Glossar weiter.

Warum solltest du überhaupt Ableger bilden?

Ableger sind das Schweizer Taschenmesser der Betriebsweise: Sie beugen dem Schwarmtrieb vor, vermehren deine Völker, ersetzen Verluste und erzeugen eine brutfreie Phase für die Varroabekämpfung. Du schlägst mit einer Maßnahme also gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe, und das macht das Ablegerbilden so unverzichtbar.

Der erste Grund ist die Schwarmvorbeugung. Ein Volk gerät im Mai in Schwarmstimmung, wenn es zu eng wird und zu viele junge Ammenbienen ohne Beschäftigung im Stock sitzen. Nimmst du diesem Volk rechtzeitig Brutwaben mit ansitzenden Bienen weg, entlastest du das Brutnest, gibst den Ammenbienen wieder Arbeit und senkst den Schwarmdruck spürbar. Das ersetzt nicht die wöchentliche Schwarmkontrolle, aber es nimmt viel Spannung aus dem Volk.

Der zweite Grund ist die planmäßige Völkervermehrung. Statt darauf zu hoffen, dass ein Schwarm hängen bleibt, produzierst du dir gezielt so viele Jungvölker, wie du brauchst, sei es zur Bestandsvergrößerung, als Reserve oder zur Abgabe. Wer regelmäßig überzählige Jungvölker hat, kann diese auch verkaufen; wie ein fertiger Ableger aussieht, siehst du in unserem Angebot unter Ableger kaufen.

Der dritte Grund ist der Verlustausgleich. Jeder Imker verliert Völker, sei es durch Winterausfall, durch Weisellosigkeit oder durch Krankheit. Wenn du im Sommer zwei bis drei Ableger mehr bildest, als du eigentlich brauchst, hast du im Frühjahr einen Puffer und musst nicht jedes Jahr neu zukaufen. Der vierte Grund schließlich ist die Varroa-Brutpause: In einem frisch gebildeten, brutfreien Ableger sitzt der überwiegende Teil der Varroamilben offen auf den Bienen und ist damit leicht zu erreichen. Diese Phase nutzt du für eine hochwirksame Behandlung, mehr dazu weiter unten.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um einen Ableger zu bilden?

Die klassische Ablegerzeit liegt zwischen Mai und Anfang Juli, also in der Phase mit langem Tag, warmem Wetter und laufender Tracht. In dieser Zeit sind die Völker stark, die Bienen ziehen zügig neue Königinnen nach, und das Jungvolk hat genug Saison vor sich, um sich vor dem Winter zu einer schlagkräftigen Einheit zu entwickeln.

Warum gerade dieses Fenster? Weil drei Faktoren zusammenkommen müssen: ausreichend Brut und Bienen im Spendervolk, mildes Wetter für den Bau und für die Begattungsflüge einer jungen Königin, und noch genug Zeit bis zum Herbst. Bildest du zu früh, etwa im April, sind die Völker oft noch nicht stark genug, und die Königinnenaufzucht scheitert an kühlen Nächten. Bildest du zu spät, etwa Ende Juli oder im August, fehlt dem Jungvolk die Zeit, um genug Winterbienen aufzuziehen und ausreichend Futter einzulagern.

Ein Blick auf die Trachtpflanzen in deiner Region hilft bei der Feinplanung. Wo Raps, Obst und später Linde oder Wald für Nachschub sorgen, kannst du früher und großzügiger ablegern, weil das Spendervolk den Verlust schnell wieder aufholt. In trachtarmen Lagen bist du zurückhaltender und fütterst konsequenter. Als Faustregel gilt: Bis etwa sechs bis acht Wochen vor der geplanten ersten Varroabehandlung im Spätsommer kannst du Ableger bilden, danach wird es für ein durchwinterungsfähiges Jungvolk knapp. Wer sich die Termine im Jahr genauer ansehen will, findet in unserem Beitrag Varroabehandlung im Sommer einen guten Überblick über den späteren Behandlungsrhythmus.

Welche Voraussetzungen muss das Spendervolk erfüllen?

Das Spendervolk muss stark, gesund und frei von Brutkrankheiten sein und sollte mindestens sieben bis acht gut besetzte Waben aufweisen, davon einen breiten Block verdeckelter Brut. Nur ein kräftiges Volk verkraftet die Entnahme, ohne selbst einzubrechen, und nur aus gesunder Brut wird ein gesundes Jungvolk.

Achte besonders auf die Gesundheit. Aus einem Volk mit Verdacht auf Amerikanische Faulbrut oder mit auffälligem Kalkbrutbefall bildest du keinen Ableger, weil du die Erreger sonst in dein neues Volk und über den Stand verteilst. Kontrolliere die Brut auf ein geschlossenes, gleichmäßiges Muster und wirf einen kritischen Blick auf die Varroabelastung, denn was du an Milben mitgibst, entwickelt sich im Jungvolk weiter. Ein Volk, das ohnehin schon eine hohe Milbenlast trägt, ist ein schlechter Spender.

Für die reine Vermehrung wählst du am besten deine sanftmütigsten und wabenstetigsten Völker als Spender, denn Eigenschaften wie Sanftmut und geringer Schwarmtrieb vererben sich zum Teil weiter. Wenn du die Königinnenaufzucht ernsthaft betreiben willst, lohnt sich ein Blick auf gezielte Zuchtmethoden und passendes Gerät im Bereich Königinnenzucht. Für den Einstieg genügt es aber vollkommen, wenn du deine besten Wirtschaftsvölker als Grundlage nimmst.

Welches Material und welche Ausrüstung brauchst du?

Für einen Ableger brauchst du eine eigene Behausung, Rähmchen mit Mittelwänden oder ausgebaute Waben, Futter und dein übliches Handwerkszeug am Stand. Am komfortabelsten arbeitest du mit einem eigens dafür gedachten Kasten, der dem Jungvolk ein an seine Größe angepasstes Volumen bietet.

Als Behausung eignet sich ein spezieller kleiner Kasten aus unserem Sortiment an Ablegerkästen, in dem das Jungvolk in einem überschaubaren Raum sitzt und die Waben gut besetzt hält. Alternativ nimmst du eine normale Zarge aus dem Bereich Bienenkästen und engst sie mit einem Schied ein. Wichtig ist, dass das Volumen zur Volksstärke passt, denn ein zu großer Raum kühlt aus und lädt zu Räuberei ein. Der Ableger soll seine Waben dicht besitzen können. Eine gute Behausung ist immer eine dichte, gut belüftbare Bienenbeute im Maß, das zu deinen übrigen Völkern passt.

An Waben brauchst du eine Mischung: Brutwaben aus dem Spendervolk, mindestens eine Futter- und Pollenwabe und je nach Ableger-Art auch leere Rähmchen zum Ausbauen. Halte dafür einen kleinen Vorrat an bestückten Rähmchen und Mittelwänden bereit. An Werkzeug gehören Stockmeißel, Abkehrbesen und ein Gerät zur Beruhigung der Bienen dazu; einen zuverlässigen Smoker und weiteres Grundgerät findest du im Sortiment der Imkerwerkzeuge. Und weil du beim Ableger häufig in fremden Völkern wühlst und die Bienen ihrer Königin beraubst, ist eine ordentliche Imkerbekleidung mehr als nur eine Wohlfühlfrage. Für die spätere Versorgung brauchst du außerdem Bienenfutter und für die schonende Anfütterung schwacher Einheiten einen Futterteig.

Wie bildest du einen Brutableger Schritt für Schritt?

Der Brutableger ist die einfachste und sicherste Methode für Einsteiger: Du entnimmst dem Spendervolk zwei bis drei Waben mit verdeckelter Brut samt ansitzenden Bienen, eine Futterwabe und stellst das Ganze in eine neue Behausung. Aus einer der mitgegebenen Waben mit jüngsten Larven zieht sich das Volk anschließend selbst eine neue Königin.

So gehst du konkret vor. Wähle an einem warmen, flugstarken Tag zur Mittagszeit dein Spendervolk. Suche zunächst die Königin und stelle sicher, dass sie im Spendervolk bleibt, denn sie darf keinesfalls versehentlich in den Ableger wandern. Entnimm dann zwei bis drei Waben mit vorwiegend verdeckelter Brut, auf denen auch jüngste Rundmaden und Eier sitzen, mitsamt den daraufsitzenden jungen Bienen. Ergänze eine gut gefüllte Futter- und Pollenwabe und stelle die Waben mittig in den Ableger, außen begrenzt durch ein Schied oder eine leere Wabe. Weil viele der ansitzenden Flugbienen zurück ins alte Volk fliegen, schüttelst du zur Sicherheit noch die Bienen von ein bis zwei weiteren Brutwaben in den Ableger.

Verschließe die Behausung, verenge das Flugloch auf wenige Zentimeter, damit sich die kleine Einheit gegen Räuber verteidigen kann, und bringe den Ableger möglichst an einen mindestens drei Kilometer entfernten Stand, dazu gleich mehr. Die Bienen merken nach kurzer Zeit, dass ihnen die Königin fehlt, und beginnen aus den jüngsten Larven Weiselzellen nachzuschaffen. Etwa nach neun Tagen kontrollierst du kurz, ob mehrere schön ausgebaute Nachschaffungszellen vorhanden sind, und lässt das Volk danach für gut drei Wochen in Ruhe, damit die junge Königin schlüpfen, sich begatten und in Eilage gehen kann.

Wie funktioniert der Sammelbrutableger aus mehreren Völkern?

Der Sammelbrutableger ist die kräftige Variante des Brutablegers: Du entnimmst Brutwaben nicht nur aus einem, sondern aus mehreren Spendervölkern und stellst daraus eine starke Einheit auf einmal zusammen. So entsteht sofort ein schlagkräftiges Jungvolk, das du zusätzlich hervorragend zur Varroasammlung nutzen kannst.

In der Praxis nimmst du von drei bis fünf deiner Wirtschaftsvölker je ein bis zwei verdeckelte Brutwaben mit ansitzenden Bienen und vereinigst sie in einer Zarge. Weil die Bienen aus verschiedenen Völkern stammen, gibst du sie am besten zeitgleich zusammen und lässt den frisch gebildeten Sammelableger ein paar Stunden verschlossen an einem kühlen Ort stehen, bevor du das Flugloch öffnest, damit sich der Volksgeruch angleicht. Da alle Waben verdeckelte Brut tragen, wandert praktisch die gesamte Milbenlast der Spendervölker mit dieser Brut in den einen Kasten. Genau das kannst du dir zunutze machen.

Sobald die Brut ausgelaufen ist und das Volk brutfrei dasteht, führst du eine gezielte Varroabehandlung durch und fängst so einen erheblichen Teil der Milben mehrerer Völker in einer einzigen Einheit ab. Anschließend beweiselst du den Sammelbrutableger mit einer jungen Königin oder lässt ihn nachschaffen. Diese Methode verbindet die Vermehrung mit einer echten Gesundheitsmaßnahme für den ganzen Stand und ist deshalb bei fortgeschrittenen Imkern sehr beliebt.

Wie erstellst du einen Kunstschwarm oder Fegling?

Beim Kunstschwarm, auch Fegling genannt, bildest du ein Volk allein aus Bienen ohne Brut, indem du die Bienen von mehreren Waben in einen Behälter fegst oder schüttelst und diesen bienenstarken Klumpen wie einen künstlichen Schwarm behandelst. Das Ergebnis kommt einem natürlichen Schwarm am nächsten und ist eine ideale Grundlage für ein gesundes Jungvolk.

Für einen Kunstschwarm brauchst du etwa ein bis anderthalb Kilogramm Bienen, das entspricht ungefähr den Bienen von sechs bis acht gut besetzten Brutwaben. Du fegst diese Bienen in eine Kunstschwarmkiste oder einen ähnlichen Behälter, ohne Brutwaben mitzunehmen. Die Königin des Spendervolkes bleibt dabei zurück; dem Kunstschwarm setzt du entweder gleich eine begattete Bienenkönigin in einem Käfig zu oder du hängst ihm später eine reife Weiselzelle bei. Vor dem Einlogieren stellst du den Kunstschwarm kühl und dunkel für einige Stunden bis zu einem Tag, damit sich die Bienen aus den verschiedenen Waben zu einer Traube zusammenfinden und den Sammelgeruch verlieren.

Der große Vorteil des Kunstschwarms liegt in der Bienengesundheit: Weil er komplett brutfrei startet, sitzt die gesamte Milbenlast auf den Bienen und ist sofort mit einer einzigen Behandlung erreichbar. Du logierst den Kunstschwarm auf frische Mittelwände ein, fütterst kräftig an, damit die Bienen zügig bauen, und hast so nach kurzer Zeit ein sauberes, milbenarmes Jungvolk auf frischem Wabenwerk. Diese Methode ist damit nicht nur Vermehrung, sondern auch eine der elegantesten Sanierungsmaßnahmen überhaupt.

Was sind Flugling, Zwischenableger und Saugling?

Flugling, Zwischenableger und Saugling sind Sonderformen, bei denen du dir das Flugverhalten der Bienen oder die Position am Stand zunutze machst. Sie eignen sich vor allem, wenn du am selben Standort arbeitest und keinen zweiten, weit entfernten Aufstellort hast.

Beim Flugling machst du dir zunutze, dass Flugbienen immer an ihren angestammten Platz zurückkehren. Du stellst eine leere Behausung mit einigen Brut- und Futterwaben an den alten Standplatz und rückst das ursprüngliche Volk daneben oder wegseite. Alle heimkehrenden Flugbienen fliegen in die Behausung am alten Platz, sodass dort ein Volk aus lauter Flugbienen entsteht, während im weggerückten Volk die junge Brut und die Königin verbleiben. Der Flugling ist sofort sammelstark, aber ohne Königin und muss beweiselt werden.

Der Zwischenableger nutzt dasselbe Prinzip, wird aber direkt über dem Muttervolk gebildet, getrennt durch einen dichten Zwischenboden mit eigenem, nach hinten gerichtetem Flugloch. Er ist praktisch, wenn der Platz knapp ist, weil beide Einheiten übereinander auf derselben Standfläche stehen. Beim Saugling schließlich hängst du einem weisellosen oder schwachen Ableger überwiegend offene Brut zu, um Ammenbienen aus den Nachbarvölkern anzulocken beziehungsweise die Pflege der Brut zu sichern; der Ableger saugt sozusagen Pflegekraft an. Für Einsteiger sind Brutableger und Kunstschwarm die verlässlichere Wahl, doch es lohnt sich, diese Sonderformen zu kennen, weil sie dir am Stand viel Flexibilität geben. Eine kompakte Übersicht über die Systematik der Ableger findest du auch im Fachartikel von bienen&natur.

Wie kommt der Ableger zu einer Königin?

Für die Beweiselung hast du drei Wege: Du setzt eine bereits begattete Königin zu, du gibst eine reife Weiselzelle bei, oder du lässt das Volk sich aus jüngsten Larven selbst eine Königin nachschaffen. Am schnellsten und sichersten geht es mit einer zugesetzten begatteten Königin, am günstigsten mit der Nachschaffung.

Setzt du eine begattete Königin zu, gewinnst du am meisten Zeit, denn das Volk kommt sofort in geordnete Eilage und du überspringst die riskanten Wochen der Aufzucht und Begattung. Wichtig ist, die Königin im Zusetzkäfig zuzuhängen und sie erst nach ein bis zwei Tagen freilaufen zu lassen, wenn die Bienen sie ruhig belagern und nicht mehr aggressiv am Käfig zerren. So verhinderst du, dass sie abgestochen wird. Junge, begattete Königinnen bekommst du aus eigener Zucht oder du greifst auf Bezugsquellen zurück, wie du sie unter Bienen kaufen findest.

Gibst du eine reife, schlupfbereite Weiselzelle bei, ist das günstiger und funktioniert gut, wenn du selbst nachziehst oder einer Zuchtserie folgst. Achte darauf, dass der Ableger zum Zeitpunkt der Zellenzugabe sicher weisellos ist, sonst wird die Zelle abgerissen. Der dritte Weg, die Nachschaffung, ist der klassische Weg des Brutablegers: Du gibst dem Volk eine Wabe mit jüngsten Larven mit, und die Bienen bauen daraus mehrere Nachschaffungszellen. Diese Königin ist zwar aus einer etwas älteren Larve gezogen als bei der gezielten Zucht, für ein einfaches Jungvolk aber völlig ausreichend. Kontrolliere nach etwa drei bis vier Wochen, ob Stifte und junge Brut vorhanden sind, denn erst das ist der Beweis, dass die junge Königin begattet in Eilage gegangen ist.

Wo und wie stellst du den Ableger auf?

Ein Ableger, dem du Flugbienen mitgegeben hast, muss mindestens drei Kilometer vom Spendervolk entfernt aufgestellt werden, sonst fliegen dir diese Bienen an ihren alten Standort zurück und das Jungvolk verliert seine Stärke. Steht dir kein zweiter Standort zur Verfügung, wählst du eine Ablegerform, die überwiegend mit jungen, noch nicht orientierten Bienen arbeitet.

Die berühmte Drei-Kilometer-Regel beruht auf dem Flugradius der Sammlerinnen. Innerhalb dieser Distanz finden erfahrene Flugbienen zuverlässig zurück, jenseits davon orientieren sie sich neu und bleiben im Ableger. Wenn du also einen klassischen Brutableger mit ansitzenden Bienen bildest, bring ihn an einen entfernten Stand, etwa zu einem befreundeten Imker oder auf einen zweiten Bienenplatz. Nach zwei bis drei Wochen, wenn die alten Flugbienen ohnehin verstorben sind und nur noch junge, am neuen Ort orientierte Bienen im Volk sitzen, kannst du den Ableger auch wieder zurückholen.

Steht dir das nicht zur Verfügung, arbeitest du mit Verstellen am selben Platz oder mit einem Kunstschwarm, den du einige Zeit einsperrst, sodass sich die Bienen neu orientieren. In jedem Fall gilt: Verenge das Flugloch auf wenige Zentimeter, denn ein kleines Volk kann eine breite Öffnung nicht gegen Räuberei verteidigen. Stelle den Ableger an einen ruhigen, halbschattigen Platz mit trockenem Untergrund und leichtem Windschutz. Achte darauf, dass die Bienen in erreichbarer Nähe eine Wasserquelle finden, denn gerade junge Völker brauchen Wasser zur Kühlung des Brutnestes und zum Verdünnen des Futters.

Wie versorgst du den frischen Ableger richtig?

Ein frischer Ableger muss gefüttert werden, weil ihm die Flugbienen und damit die Sammelkraft fehlen und er zugleich Waben ausbauen soll. Gib ihm zum Start eine gut gefüllte Futterwabe mit und füttere je nach Trachtlage mit dünnerem Sirup oder Zuckerwasser in kleinen, regelmäßigen Portionen nach.

Die Fütterung erfüllt beim Ableger zwei Aufgaben. Erstens ersetzt sie die fehlende eigene Sammelleistung, zweitens regt sie den Wabenbau an, denn Bienen bauen nur, wenn Nektar oder Futter fließt. Reiche das Futter in kleinen Gaben, damit die Bienen nicht das ganze Brutnest mit Futter verstopfen und der Königin kein Platz zum Stiften bleibt. Bei ganz schwachen oder frisch beweiselten Einheiten ist ein Futterteig praktisch, weil er langsam und ohne Räubereigefahr aufgenommen wird und keine hektische Fütterungsstimmung auslöst. Für die größeren Gaben in der Aufbauphase und später zur Einfütterung nutzt du klassisches Sirupfutter.

Wichtig ist, dass du beim Füttern kleiner Völker vorsichtig bist, denn nichts lockt Räuberbienen so sehr an wie tropfendes oder offen stehendes Futter. Füttere abends, verschütte nichts vor dem Flugloch und halte das eingeengte Flugloch klein. Kontrolliere in den ersten Wochen, ob das Volk zusetzt, also ob sich die Futterversorgung, die Brut und die Wabenbesetzung stimmig entwickeln. Ein Ableger, der hungert, baut nicht und zieht keine ordentliche Königin nach.

Wie pflegst du das Jungvolk in den Folgewochen?

In den ersten drei bis vier Wochen brauchst du vor allem Geduld, danach kontrollierst du gezielt auf Eilage und erweiterst den Wabensitz, sobald das Volk die vorhandenen Waben dicht besetzt. Zu häufiges Stören in der Aufzuchtphase schadet, zu spätes Erweitern bremst die Entwicklung.

Nach dem Bilden lässt du dem Brutableger Zeit, denn die junge Königin braucht rund drei bis vier Wochen von der Nachschaffung bis zur Eilage. Öffne das Volk in dieser Phase nicht unnötig, ein kurzer Blick nach etwa neun Tagen auf die Weiselzellen genügt. Der erste wirklich wichtige Kontrolltermin ist die Weiselprobe nach gut drei Wochen: Findest du Stifte, also frisch gelegte Eier, und junge offene Brut, ist die Königin in Ordnung. Findest du nichts oder nur Drohnenbrut in Arbeiterzellen, ist etwas schiefgegangen, und du musst nachbeweiseln oder das Völkchen auflösen.

Läuft die Königin gut, erweiterst du dem Wachstum entsprechend. Gib nach und nach neue Rähmchen mit Mittelwänden dazu, damit das Volk bauen und das Brutnest ausdehnen kann, und erweitere den Raum erst dann, wenn die vorhandenen Waben gut besetzt sind. Ein häufiger Anfängerfehler ist, dem kleinen Volk zu früh zu viel Raum zu geben, den es nicht wärmen kann. Wenn der Ableger im Laufe des Sommers zu einem starken Volk herangewachsen ist, kannst du ihn später sogar mit einem Honigraum versehen oder ihn im Folgejahr voll als Wirtschaftsvolk führen. Wie die spätere Ernte abläuft, liest du in unserem Beitrag Honigernte Schritt für Schritt.

Wie behandelst du die Varroa im brutfreien Ableger?

Die brutfreie Phase kurz nach dem Auslaufen der mitgegebenen Brut ist der ideale Zeitpunkt für eine Varroabehandlung, weil dann fast alle Milben offen auf den Bienen sitzen und keine verdeckelte Brut sie schützt. Eine einzige Behandlung mit einer organischen Säure erreicht in diesem Moment einen sehr hohen Wirkungsgrad.

Bei einem Brutableger dauert es etwa drei Wochen, bis die zuletzt verdeckelte Brut ausgelaufen ist und bevor die junge Königin selbst nennenswert verdeckelte Brut erzeugt hat. In diesem kurzen Fenster steht das Volk praktisch brutfrei da. Nutze diesen Zeitpunkt für eine Behandlung, wie sie für brutfreie Einheiten üblich ist, etwa mit einer verträglichen organischen Säure in der zugelassenen Dosierung. Beim Kunstschwarm ist das noch einfacher, weil er von Anfang an brutfrei startet und du gleich am ersten oder zweiten Tag behandeln kannst, bevor überhaupt neue Brut verdeckelt ist.

Diese frühe Behandlung im Jungvolk ist Gold wert, denn ein milbenarm gestartetes Volk kommt viel gesünder in den Spätsommer und in den Winter. Vernachlässigst du sie, schleppst du die Milben, die mit der Brut in den Ableger gewandert sind, ungebremst mit und hast im Herbst ein Problem. Halte dich immer an die zugelassenen Mittel und Dosierungen und dokumentiere deine Behandlung. Wie sich die Sommerbehandlung in den Gesamtrhythmus einfügt, beschreibt unser Beitrag Varroabehandlung im Sommer im Detail; grundsätzliche Informationen zur Milbe hältst du am besten stets präsent. Ein bewährtes Hilfsmittel zur laufenden Bauerneuerung und Milbenkontrolle im Wirtschaftsvolk ist übrigens der Drohnenrahmen, der die Milben in der Drohnenbrut abfängt.

Wie winterst du das Jungvolk sicher ein?

Ein Ableger ist durchwinterungsfähig, wenn er im Spätsommer mindestens fünf bis sechs gut mit Bienen besetzte Waben umfasst, eine gesunde junge Königin besitzt, ausreichend Winterfutter eingelagert hat und milbenarm ist. Fehlt eine dieser Bedingungen, vereinigst du besser rechtzeitig zwei schwache Einheiten zu einem starken Volk.

Für die Einwinterung fütterst du das Jungvolk im August und September auf sein Wintergewicht auf. Ein kleines, aber vitales Volk braucht weniger absolutes Futter als ein großes Wirtschaftsvolk, du musst aber trotzdem konsequent füttern, weil der Ableger im Sommer kaum eigene Vorräte anlegen konnte. Gib das Futter in mehreren Portionen, damit die Bienen es sauber einlagern und verdeckeln. Achte darauf, dass genügend Pollen für die Aufzucht der Winterbienen vorhanden ist, denn nur langlebige, gut versorgte Winterbienen bringen das Volk sicher über die kalte Jahreszeit.

Enge das Volk auf die Wabenzahl ein, die es dicht besetzen kann, entferne überzählige leere Waben und sorge für eine trockene, gut belüftete Behausung mit Mäuseschutz am Flugloch. Ein zu großer Raum ist im Winter genauso schädlich wie zu wenig Futter. Wer im Zweifel ist, ob ein einzelner kleiner Ableger den Winter schafft, vereinigt lieber zwei schwache Ableger und wintert ein sicheres Volk ein, statt zwei zittrige zu riskieren. Alle Details zur Vorbereitung auf den Winter findest du in unserem Beitrag Bienenvolk einwintern. Eine sehr fundierte, kostenlose Anleitung zur Jungvolkbildung samt Terminen bietet zudem das Merkblatt der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau.

Welche typischen Anfängerfehler solltest du vermeiden?

Die häufigsten Fehler beim Ablegerbilden sind ein zu schwaches Startvolk, das versehentliche Mitnehmen oder Zurücklassen der Königin am falschen Ort, ein zu großer Raum, unterlassene Fütterung und die vergessene Varroabehandlung. Fast alle Rückschläge lassen sich auf einen dieser Punkte zurückführen.

Der Klassiker ist der zu kleine Ableger. Wer aus Sorge um das Spendervolk nur eine einzige Brutwabe entnimmt und kaum Bienen dazugibt, bekommt ein Völkchen, das die Brut nicht wärmen kann, langsam zieht und im Herbst zu schwach ist. Lieber einen ordentlichen Ableger bilden als drei kümmerliche. Der zweite häufige Fehler betrifft die Königin: Entweder wandert sie unbemerkt in den Ableger, sodass das Spendervolk plötzlich weisellos dasteht, oder man vergisst zu prüfen, ob der Ableger überhaupt jüngste Larven zum Nachschaffen hat. Suche die Königin bewusst und kontrolliere die mitgegebenen Waben auf Eier und jüngste Maden.

Weitere typische Fehler: der Ableger wird am selben Stand aufgestellt und leer geflogen, weil die Flugbienen zurückkehren; das Flugloch bleibt weit offen und das schwache Volk wird ausgeräubert; es wird nicht oder unregelmäßig gefüttert, sodass der Bau stockt; und die Varroabehandlung in der brutfreien Phase wird verpasst. Auch übermäßige Kontrolle schadet, denn jedes Öffnen stört die empfindliche Phase der Königinnenaufzucht. Wenn du diese Punkte im Kopf behältst und dem jungen Volk Ruhe, Wärme, Futter und eine gesunde Umgebung gibst, ist der Weg zum starken Jungvolk gut vorgezeichnet. Der richtige Umgang mit dem Schwarmgeschehen und ein sauberer Blick auf jede Bienenwabe gehören dabei zur Routine.

Häufige Fragen zum Ablegerbilden

Wie viele Ableger kann ich einem starken Volk entnehmen?

Einem wirklich kräftigen Wirtschaftsvolk mit zehn oder mehr gut besetzten Waben kannst du in der Hauptsaison ein bis zwei Brutwaben für einen Ableger entnehmen, ohne es zu schwächen, und diese Entnahme im Abstand von zwei bis drei Wochen sogar wiederholen. Achte aber immer darauf, dass das Spendervolk stark und leistungsfähig bleibt und noch genug Brut für seine eigene Entwicklung behält.

Muss ich immer eine Königin kaufen?

Nein. Der einfachste Brutableger schafft sich seine Königin selbst aus jüngsten Larven durch Nachschaffung, du musst also nichts zusetzen. Eine gekaufte oder selbst gezüchtete begattete Königin beschleunigt aber die Entwicklung deutlich und ist sinnvoll, wenn du Zeit sparen oder gezielt gute Genetik einbringen möchtest.

Wie erkenne ich, ob der Ableger weiselrichtig ist?

Der sichere Beweis sind frische Stifte und junge offene Brut in einem gleichmäßigen Muster, meist drei bis vier Wochen nach dem Bilden. Siehst du nur Drohnenbrut in Arbeiterzellen, viele bucklige Zellen oder gar keine Eier, stimmt etwas nicht, und du solltest zeitnah eine Königin zusetzen oder das Volk mit einem weiselrichtigen vereinigen.

Was mache ich, wenn der Ableger weisellos bleibt?

Bleibt ein Ableger nach der üblichen Frist ohne Königin, hast du zwei gute Optionen: Du setzt eine begattete Königin oder eine reife Weiselzelle zu, oder du vereinigst das Völkchen über Zeitungspapier mit einem anderen, weiselrichtigen Volk. Ein weiselloses Volk längere Zeit sich selbst zu überlassen führt zu Drohnenbrütigkeit und ist nicht mehr zu retten.

Kann ich einen fertigen Ableger einfach kaufen?

Ja, gerade für den Einstieg oder zum schnellen Bestandsaufbau ist der Kauf eines fertigen Ablegers eine gute Möglichkeit, weil du ein bereits weiselrichtiges, entwickeltes Jungvolk bekommst. Passende Angebote und Behausungen findest du in unserem Imkereisortiment sowie im Bereich rund um den Bienenkauf; achte beim Kauf auf einen Gesundheitsnachweis und eine junge Königin.

Wann darf ich mit dem ersten Honig vom Ableger rechnen?

In seinem ersten Sommer arbeitet der Ableger vor allem an sich selbst und liefert in der Regel keinen Ertrag. Wenn du ihn gut über den Winter bringst, steht er im folgenden Frühjahr als vollwertiges Volk da und kann dann seine erste richtige Honigernte bringen. Geduld im ersten Jahr zahlt sich also im zweiten Jahr aus.

Fazit

Ableger bilden ist eine der lohnendsten Fertigkeiten in der Imkerei: Du beugst dem Schwarmtrieb vor, vermehrst deine Völker planvoll, gleichst Verluste aus und nutzt die brutfreie Phase für eine hochwirksame Varroabehandlung. Mit einem starken, gesunden Spendervolk, dem richtigen Zeitpunkt zwischen Mai und Juli, passender Behausung aus dem Sortiment der Bienenkästen und einer konsequenten Versorgung mit Futter gelingt dir der Aufbau eines kräftigen Jungvolks zuverlässig.

Fang mit dem einfachen Brutableger an, sammle Erfahrung mit der Weiselprobe und dem Erweitern, und taste dich dann an Kunstschwarm, Flugling und Sammelbrutableger heran. Achte auf die Klassiker unter den Fehlern, gib dem jungen Volk Wärme, Ruhe und Futter, und behandle es früh gegen die Varroa. Wenn du magst, findest du in der frei zugänglichen Darstellung bei Wikipedia noch einen kompakten Überblick über die verschiedenen Methoden. Mit etwas Übung wird das Ablegerbilden zu einem festen, entspannten Bestandteil deines Bienenjahres, und dein Bienenstand wächst gesund und stabil mit dir mit.

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