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Bienenvolk einwintern

Ob deine Bienen im nächsten Frühjahr wieder stark aus dem Winter kommen, entscheidest du nicht im März, sondern jetzt: Ein Bienenvolk richtig einzuwintern ist die wichtigste Weichenstellung des ganzen Imkerjahres. Wer im Spätsommer und Herbst die drei großen Stellschrauben – gesunde, zahlreiche Winterbienen, ausreichend eingelagertes Winterfutter und ein möglichst milbenarmes Volk – sauber bedient, hat die Überwinterung praktisch schon gewonnen. Wer dagegen zu spät füttert, die Varroamilbe unterschätzt oder das Volk zugig und feucht stehen lässt, riskiert genau die Winterverluste, über die viele Anfänger im Februar klagen.

In diesem Ratgeber gehen wir Schritt für Schritt durch, was Einwintern konkret bedeutet, wann du damit anfangen musst, wie viel Futter dein Volk wirklich braucht, wie du Auffütterung und Restentmilbung sinnvoll verzahnst und wie du den Wintersitz herrichtest. Alle Angaben beziehen sich auf die Westliche Honigbiene unter mitteleuropäischen Bedingungen. Du bekommst außerdem einen klaren Praxis-Fahrplan, die häufigsten Anfängerfehler und einen FAQ-Block für die Fragen, die jedes Jahr wiederkommen.

Was bedeutet es, ein Bienenvolk einzuwintern?

Einwintern heißt, ein Bienenvolk so vorzubereiten, dass es die brutfreie kalte Jahreszeit ohne Tracht, ohne Flugwetter und ohne dein Zutun mehrere Monate überlebt und im Frühjahr gesund und stark wieder durchstartet. Es ist kein einzelner Handgriff, sondern ein Bündel aufeinander abgestimmter Maßnahmen von etwa Ende Juli bis in den Dezember hinein.

Drei Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, und sie hängen eng zusammen. Erstens die Winterbienen: Das Volk muss genügend langlebige Winterbienen bilden, die die Wintertraube tragen. Zweitens das Futter: Es muss so viel energiereiches Winterfutter im Stock lagern, dass die Traube bis zur ersten Frühjahrstracht durchkommt. Drittens die Gesundheit: Vor allem die Varroamilbe muss so weit reduziert sein, dass sie die Winterbienen nicht schon im Herbst schädigt. Fehlt einer dieser drei Bausteine, nützen die anderen beiden wenig.

Wichtig zu verstehen: Einwintern beginnt nicht mit dem ersten Frost, sondern direkt nach der letzten Honigernte. Wer den Zusammenhang zwischen Honigernte, Auffütterung und Milbenbehandlung kennt, versteht auch, warum diese Arbeiten zeitlich so dicht aufeinanderfolgen.

Warum sind Winterbienen so entscheidend für die Überwinterung?

Eine Sommerbiene lebt nur etwa vier bis sechs Wochen – sie verschleißt beim Sammeln und Brutpflegen. Die im Spätsommer und Frühherbst schlüpfenden Winterbienen dagegen können mehrere Monate alt werden. Sie legen körpereigene Eiweißreserven im sogenannten Fettkörper an, drosseln ihren Stoffwechsel und haben eine einzige große Aufgabe: das Volk bis ins Frühjahr zu tragen und dann die erste Frühjahrsbrut aufzuziehen.

Genau hier liegt der Knackpunkt beim Einwintern. Winterbienen entstehen aus der Brut des Spätsommers. Ist diese Brut von der Varroamilbe geschädigt, schlüpfen geschwächte, kurzlebige Bienen mit verkürzter Lebensdauer und schwachem Immunsystem – oft unsichtbar, denn sie sehen zunächst normal aus. Ein solches Volk kann im November noch stark aussehen und im Januar trotzdem zusammenbrechen. Deshalb ist die Sommer- und Herbstbehandlung gegen Varroa kein Nebenschauplatz, sondern integraler Bestandteil des Einwinterns.

Sobald es kälter wird, ziehen sich die Bienen zur Wintertraube zusammen. Am kühlen Rand sitzen dichter gepackte Bienen als Isolierschicht, im warmen Kern erzeugen sie durch Muskelzittern Wärme und rücken regelmäßig nach. Die Traube wandert im Lauf des Winters langsam entlang der Futtervorräte nach oben und hinten. Wie dieses Zusammenspiel im Detail abläuft, beschreibt anschaulich das Portal landwirtschaft.de. Für dich als Imker heißt das vor allem eines: Die Wintertraube muss ihr Futter erreichen können, ohne bei Kälte weite Wege über leere Waben zurücklegen zu müssen.

Wann muss man ein Bienenvolk einwintern?

Die Einwinterung ist ein Prozess über mehrere Wochen, kein Stichtag. Grob gilt für Mitteleuropa dieser Fahrplan: direkt nach der letzten Schleuderung im Juli/August die erste Varroabehandlung starten, parallel oder unmittelbar danach mit der Auffütterung beginnen, die Hauptfütterung möglichst bis Mitte September abschließen und die abschließende Winterbehandlung gegen Varroa dann im brutfreien Volk zwischen etwa Ende November und Ende Dezember durchführen.

Warum so früh mit der Fütterung? Weil die Bienen das flüssige Futter noch verarbeiten, eindicken und verdeckeln müssen, und das gelingt nur, solange es warm genug ist und noch genügend jüngere Bienen da sind. Fütterst du zu spät, bleibt das Futter offen und dünn in den Waben, kann gären und wird nicht sauber eingelagert. Zu früh und zu üppig wiederum verengt das Brutnest, wenn die Königin eigentlich noch Winterbienen anlegen soll. Das richtige Timing ist deshalb ein Balanceakt: Erst wenn die Spätsommerbrut für genügend Winterbienen gesorgt hat, wird das Futternest aufgefüllt.

Regionale Unterschiede sind erheblich: In milden Weinbauklimaten verschiebt sich alles etwas nach hinten, in rauen Mittelgebirgs- und Höhenlagen entsprechend nach vorn. Orientiere dich weniger am Kalender als an deinem Standort, am Trachtende und am Zustand deiner Völker. Die Bayerische Landesanstalt fasst die typische Reihenfolge der Herbst- und Winterarbeiten kompakt zusammen und ist ein guter Abgleich für deinen eigenen Plan.

Wie viel Winterfutter braucht ein Volk – und womit füttert man?

Als Faustregel braucht ein normal starkes Wirtschaftsvolk auf Zander- oder Deutsch-Normalmaß je nach Region und Betriebsweise etwa 15 bis 20 Kilogramm Winterfutter, gerechnet als eingelagertes, verdeckeltes Futter. Kleinere Einheiten wie Ableger brauchen entsprechend weniger, sehr große Völker eher mehr. Wichtiger als die exakte Zahl ist, dass am Ende ein geschlossener Futterkranz über und neben der Wintertraube sitzt.

Zum Auffüttern eignen sich fertige Winterfuttersirupe auf Basis von Saccharose beziehungsweise invertierten Zuckern, die die Bienen leicht aufnehmen und sauber einlagern. Alternativ lässt sich klassisch mit selbst angerührtem Zuckerwasser füttern, üblich ist ein Verhältnis von etwa 3:2 bis 1:1 (Zucker zu Wasser) im Verlauf der Fütterung. Für die späte Ergänzung oder Notfütterung, wenn es schon kühler ist, greifst du besser zu Futterteig, weil die Bienen Fondant auch bei niedrigeren Temperaturen noch aufnehmen können.

Füttere in wenigen großen Gaben statt in vielen kleinen Portionen – das reduziert Unruhe und beugt der gefürchteten Räuberei vor. Gib das Futter abends, halte den Stock dicht, kleckere nichts daneben und verenge bei schwachen Völkern das Flugloch. So verhinderst du, dass fremde Bienen und Wespen das offene Futter wittern und das Volk überfallen. Ein Smoker hilft dir, ruhig und zügig zu arbeiten, damit die Kästen nicht unnötig lange offenstehen.

Kontrolliere das Auffüttern über das Gewicht. Wer eine Stockwaage nutzt, sieht die Futteraufnahme direkt an der Gewichtszunahme und weiß genau, wann genug eingelagert ist. Ohne Waage hilft die klassische Kippkontrolle: Hebst du die Beute hinten an, muss sie sich deutlich schwer anfühlen. Ist ein Volk am Ende der Fütterung zu leicht, wird nachgefüttert – lieber jetzt als im Januar an einem verhungerten Volk zu stehen.

Welches Winterfutter ist das richtige?

Beim Winterfutter geht es darum, den Bienen einen möglichst leicht verdaulichen Energievorrat zu geben, der über Monate lagerfähig bleibt und die Bienen im Darm nicht belastet. Reiner Haushaltszucker als Zuckerwasser ist die klassische, günstige und bewährte Variante. Fertige Sirupe nehmen dir das Anrühren ab, sind hygienisch abgefüllt und werden von den Bienen zügig eingetragen – sie sind die üblichen Gebinde für die Auffütterung.

Worauf es ankommt: Das Futter muss möglichst wenig unverdauliche Bestandteile enthalten. Anders als Menschen können Bienen im Winter nicht abkoten, wenn sie wollen – sie halten den Kot in der Kotblase zurück und entleeren ihn erst beim Reinigungsflug an milden Tagen. Futter mit hohem Anteil schwer verdaulicher Zucker oder mit Verunreinigungen führt zu einer überfüllten Kotblase und im schlimmsten Fall zur Ruhr, einer massiven Verschmutzung des Stocks. Deshalb ist Melasse, brauner Zucker oder minderwertiger Zucker als Winterfutter ungeeignet.

Fondant beziehungsweise Futterteig spielt seine Stärke bei der späten Ergänzung und im Notfall aus: Er trocknet nicht ein, kann direkt über den Sitz gelegt werden und wird auch bei kühlen Temperaturen aufgenommen, wenn flüssiges Futter längst nicht mehr geht. Für die Hauptauffütterung im Spätsommer ist dagegen Flüssigfutter erste Wahl, weil die Bienen es besser eindicken und großflächig einlagern. Eigenen Honig als Winterfutter zu verwenden ist zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber riskant – er kann kristallisieren, Krankheitserreger enthalten und ist für die Vermarktung schlicht zu schade.

Warum ist Feuchtigkeit gefährlicher als Kälte?

Viele Anfänger sorgen sich vor allem um die Kälte und packen ihre Beuten dick ein. Das eigentliche Problem im Winter ist jedoch die Feuchtigkeit. Die Bienen verbrauchen Futter und erzeugen dabei Wärme, Kohlendioxid und Wasserdampf. Dieser Wasserdampf muss aus der Beute abgeführt werden, sonst kondensiert er an kalten Flächen und tropft im ungünstigsten Fall auf die Wintertraube zurück. Nasse Bienen frieren, Schimmel breitet sich auf den Randwaben aus, und das Volk schwächelt.

Die Lösung ist eine ausreichende Belüftung statt einer luftdichten Abdichtung. Ein offener Gitterboden oder ein leicht geöffneter Boden lässt die feuchte Luft abziehen. Der Deckel sollte so sitzen, dass sich darunter kein Kondenswasser sammelt. Wärmedämmung von oben kann sinnvoll sein, weil sie ein Kondensieren direkt über der Traube verhindert – seitliche und untere Abdichtung dagegen schadet meist mehr, als sie nützt. Merke dir: Ein trockener, gut belüfteter Kasten bringt ein Volk sicherer durch den Winter als ein warm eingepackter, in dem sich Nässe staut.

Warum gehört die Varroabehandlung zum Einwintern?

Die Varroamilbe ist in Mitteleuropa die häufigste Ursache für Winterverluste. Sie vermehrt sich in der verdeckelten Brut und schädigt die heranwachsenden Bienen – ausgerechnet in dem Zeitfenster, in dem die wertvollen Winterbienen entstehen. Deshalb ist die Milbenbekämpfung untrennbar mit dem Einwintern verbunden und läuft in zwei Etappen.

Die Sommerbehandlung erfolgt direkt nach der letzten Ernte, solange das Volk noch brütet. Bewährt hat sich hier Ameisensäure, weil sie als einziges zugelassenes organisches Mittel auch in die verdeckelte Brut wirkt. Wie du diese erste Behandlung praktisch durchführst, haben wir ausführlich im Ratgeber Varroabehandlung im Sommer beschrieben. Ergänzend über die Saison hinweg reduziert das Ausschneiden der Drohnenbrut den Milbendruck.

Die Restentmilbung – die eigentliche Winterbehandlung – kommt später und ist der letzte große Handgriff des Einwinterns. Sie wirkt nur zuverlässig, wenn das Volk brutfrei ist, was in normalen Jahren zwischen Ende November und Ende Dezember der Fall ist. Dann wird meist Oxalsäure eingesetzt, klassisch als Träufelbehandlung in die Wintertraube oder per Sprüh- beziehungsweise Verdampfungsverfahren. Weil die Milben ohne Brut alle auf den Bienen sitzen, erreicht die Behandlung im brutfreien Zustand die höchste Wirksamkeit. Kontrolliere vorher über die Windel den natürlichen Milbenfall, damit du weißt, ob und wie dringend behandelt werden muss.

Wie stark muss ein Volk für den Winter sein?

Nur ein ausreichend starkes Volk kann eine tragfähige Wintertraube bilden und genug Wärme erzeugen. Ein Volk, das im Oktober nur noch wenige Wabengassen besetzt, hat es schwer: Die Traube ist zu klein, verliert zu viel Wärme und kann bei anhaltender Kälte das Futter nicht mehr erreichen. Als grobe Orientierung sollte ein Volk beim Einwintern mehrere gut besetzte Wabengassen stark sein.

Schwache Völker wintert man deshalb selten einzeln ein. Sinnvoller ist es, zwei schwache Einheiten rechtzeitig im Spätsommer zu vereinigen, sodass eine überwinterungsfähige Einheit entsteht. Das ist fast immer erfolgreicher, als zu hoffen, dass ein Kümmerer allein durchkommt. Prüfe vor dem Vereinigen aber unbedingt die Gesundheit und dass eine leistungsfähige Königin vorhanden ist – ein weiselrichtiges, gesundes Volk ist die Grundvoraussetzung. Anzeichen für Probleme im Volksgefüge, etwa rund um Schwarmstimmung im Vorjahr, solltest du bis zum Herbst längst geklärt haben.

Wie richtet man den Wintersitz her?

Wenn Futter und Milbenbehandlung stimmen, geht es um die Beute selbst. Das Ziel: ein trockener, ruhiger, mäusesicherer Sitz, in dem die Wintertraube ihr Futter erreicht. Beginne damit, die Waben zu ordnen. Die Futterwaben gehören so angeordnet, dass die Traube sie von unten und seitlich erreicht und im Winter kontinuierlich nach oben ins Futter wandern kann. Alte, dunkle Brutwaben, die du im Frühjahr ohnehin ausmustern willst, kannst du im Zuge der Wabenhygiene jetzt schon herausnehmen.

Verenge den Sitz auf so viele Waben, wie die Bienen wirklich besetzen. Ein zu großer Raum kühlt aus und muss unnötig mitgeheizt werden. Bei vielen Betriebsweisen wird der ehemalige Honigraum im Herbst abgenommen, sodass das Volk kompakt im Brutraum sitzt. Schotte überflüssigen Leerraum mit einem Schied ab.

Setze ein Mäusegitter oder einen Fluglochkeil mit engem Spalt vor das Flugloch, sobald die Bruttätigkeit nachlässt und die Nächte kühler werden. Mäuse suchen im Herbst warme Quartiere und richten in einem Bienenstock großen Schaden an. Achte zugleich auf Luftaustausch und gegen Staunässe: Ein leicht geöffneter oder gitteroffener Boden hilft, Feuchtigkeit abzuführen. Nicht die Kälte tötet Winterbienen, sondern meist die Kombination aus Nässe, Schimmel und Milbenschäden. Passendes Imkerwerkzeug wie Stockmeißel und Fluglochkeile gehört hier in die Grundausstattung, ebenso robuste Imkerbekleidung für die letzten Eingriffe an kühlen Tagen.

Der Standplatz selbst sollte windgeschützt, sonnig-ruhig und leicht erhöht stehen, damit keine Kaltluft-Seen und keine Staunässe entstehen. Sichere die Deckel gegen Herbststürme mit einem Spanngurt oder Stein. In manchen Regionen ist außerdem ein Spechtschutz sinnvoll, weil Grün- und Buntspecht im Winter Beuten aufhacken. Achte darauf, dass die Wintertraube stets Kontakt zum Futter behält – das ist der wichtigste Grundsatz beim Herrichten des Wintersitzes.

Einwintern in verschiedenen Beutensystemen

Die Grundprinzipien des Einwinterns gelten für jede Bienenbeute – gesunde Winterbienen, ausreichend Futter, wenig Milben, trockener Sitz. Im Detail unterscheidet sich die Umsetzung aber je nach System. In der weit verbreiteten Magazinbeute wintert man häufig auf einer Zarge ein: Der Honigraum wird abgenommen, das Volk sitzt kompakt im Brutraum, und die Futterwaben umschließen die Traube. Bei zweiräumiger Überwinterung sitzt die Traube meist unten und wandert in die obere Futterzarge.

In großvolumigen Beuten wie der Dadant-Beute bleibt das Volk in seinem großen Brutraum, und es kommt besonders darauf an, den Sitz mit Schieden auf die besetzten Waben zu verengen. In Trog- und Hinterbehandlungsbeuten wird seitlich abgeschiedet. Unabhängig vom System solltest du die Futterwaben nie so anordnen, dass die Traube im Winter über eine leere Wabe hinweg zum nächsten Futter wandern müsste – bei strengem Frost gelingt ihr das nicht, und sie verhungert dann trotz vollem Nachbarfach. Passende Zargen, Böden und Schiede findest du im Bereich Bienenkästen.

Wie wintert man Ableger und Jungvölker ein?

Ableger und im Sommer gebildete Jungvölker brauchen dieselbe Aufmerksamkeit wie Wirtschaftsvölker, nur in kleinerem Maßstab. Weil sie weniger Bienen haben, ist ihre Wintertraube kleiner und verliert schneller Wärme – ein gut entwickelter Ableger mit junger, legefreudiger Königin kann das aber ausgleichen, weil junge Königinnen oft länger in Brut bleiben und viele Winterbienen anlegen.

Achte bei kleinen Einheiten besonders auf drei Dinge: einen konsequent verengten Sitz, damit die geringe Bienenmasse nicht in einem zu großen Raum auskühlt; eine an die Größe angepasste, aber vollständige Futterversorgung, denn auch ein kleines Volk darf im Februar nicht verhungern; und eine saubere Varroabehandlung, weil gerade junge Völker empfindlich auf Milbenschäden reagieren. Sehr schwache Ableger vereinigst du besser rechtzeitig, statt sie auf gut Glück allein einzuwintern.

Bienenvolk einwintern – Schritt für Schritt in der Praxis

Schritt 1 – Nach der Ernte aufräumen: Nimm nach der letzten Schleuderung die Honigräume ab und kontrolliere den Sitz. Jetzt beginnt die Einwinterung, nicht erst im Oktober.

Schritt 2 – Sommerbehandlung gegen Varroa: Starte umgehend die erste Milbenbehandlung im noch brütenden Volk, in der Regel mit Ameisensäure. Kontrolliere den Behandlungserfolg über den Milbenfall.

Schritt 3 – Auffüttern: Beginne parallel oder direkt danach mit der Fütterung. Gib das Winterfutter in wenigen großen Portionen, abends und dicht, bis das Zielgewicht erreicht ist. Späte Ergänzungen als Futterteig.

Schritt 4 – Volk beurteilen und ggf. vereinigen: Schwache, aber gesunde Einheiten rechtzeitig zusammenlegen. Weiselrichtigkeit sicherstellen.

Schritt 5 – Wintersitz herrichten: Waben ordnen, Sitz verengen, Leerraum abschieden, Mäusegitter setzen, für Trockenheit und Belüftung sorgen, Deckel sichern.

Schritt 6 – Gewicht und Ruhe kontrollieren: Prüfe per Kippkontrolle oder Stockwaage, dass genug Futter eingelagert ist, und lass das Volk dann in Ruhe.

Schritt 7 – Restentmilbung im brutfreien Volk: Führe die abschließende Winterbehandlung mit Oxalsäure durch, sobald das Volk brutfrei ist, meist im späten November oder Dezember. Damit ist das Volk eingewintert.

Was ist über den Winter noch zu tun?

Nach der Restentmilbung gilt der eherne Grundsatz: Ruhe bewahren. Jedes unnötige Öffnen kostet Wärme und stört die Wintertraube. Deine wichtigste Aufgabe ist die Gewichtskontrolle von außen. Hebe die Beute an ruhigen Tagen vorsichtig hinten an oder lies das Gewicht an der Waage ab. Nimmt das Gewicht stärker ab als erwartet, kann im Notfall mit Futterteig direkt über dem Sitz nachgefüttert werden – ohne die Traube auseinanderzureißen.

An milden, sonnigen Wintertagen machen die Bienen Reinigungsflüge, um ihre Kotblase zu entleeren. Das ist ein gutes Zeichen und kein Grund zum Eingreifen. Kontrolliere den Flugbetrieb aus der Distanz, halte das Flugloch frei von toten Bienen und Schnee und prüfe nach Stürmen, ob Deckel und Beute noch sitzen. Erst im ausgehenden Winter, wenn es die Temperaturen zulassen, beginnt mit der Futterkontrolle und der Reizung die nächste Saison – der Übergang aus dem Winter ist ein eigenes Kapitel, das im Ratgeber Imkern für Anfänger im Jahresüberblick eingeordnet wird.

Die häufigsten Fehler beim Einwintern

Zu spät gefüttert: Wird die Hauptfütterung zu weit in den Herbst geschoben, können die Bienen den Sirup nicht mehr sauber eindicken und verdeckeln. Das Futter bleibt dünn, gärt und taugt nicht als Winterreserve.

Varroa unterschätzt: Der klassische und teuerste Fehler. Ein Volk, das im Oktober prächtig aussieht, aber verseucht ist, bricht mitten im Winter zusammen. Ohne konsequente Sommer- und Winterbehandlung geht die Rechnung nicht auf.

Zu wenig oder falsch gerechnetes Futter: Wer das Gewicht nicht kontrolliert, verschätzt sich leicht. Lieber einmal zu viel als ein verhungertes Volk.

Zu großer, feuchter Sitz: Ein nicht verengter, zugiger oder staunasser Sitz kostet Wärme und fördert Schimmel. Trockenheit und Kompaktheit sind wichtiger als vermeintliche Wärmedämmung.

Mäuseschutz vergessen: Ein einziges fehlendes Mäusegitter kann ein ganzes Volk ruinieren.

Zu viel Kontrolle: Ständiges Öffnen im Winter stört die Traube und bringt keinen Nutzen. Nach der Restentmilbung wird von außen kontrolliert, nicht von innen.

Häufige Fragen zum Einwintern von Bienenvölkern

Wann ist ein Volk fertig eingewintert? Sobald die Hauptfütterung abgeschlossen, der Wintersitz hergerichtet, das Mäusegitter gesetzt und die Restentmilbung im brutfreien Volk durchgeführt ist. In normalen Jahren ist das gegen Ende Dezember der Fall.

Wie viel Futter braucht ein Volk über den Winter? Je nach Region und Betriebsweise etwa 15 bis 20 Kilogramm eingelagertes Winterfutter für ein normal starkes Wirtschaftsvolk; Ableger deutlich weniger.

Kann ich mit Honig einfüttern? Davon ist abzuraten. Fremder Honig kann Krankheitserreger übertragen, und der eigene Honig ist zu wertvoll und für die lange Überwinterung nicht ideal geeignet. Nutze für die Wintereinfütterung dafür vorgesehenes Bienenfutter.

Muss ich die Beute im Winter dämmen? Eine gesunde Wintertraube kommt mit Kälte gut zurecht. Wichtiger als Dämmung sind Trockenheit, Belüftung und ein kompakter Sitz. Übertriebene Abdichtung kann sogar schaden, weil sie die Feuchtigkeit einschließt.

Warum sitzen im Winter tote Bienen vor dem Flugloch? Ein gewisser Abgang ist völlig normal – alte Bienen sterben, und die verbleibenden tragen sie hinaus oder sie fallen aus der Traube. Nur ungewöhnlich viele Tote oder ein völlig verstopftes Flugloch sind ein Warnsignal.

Was hat die Tracht mit dem Einwintern zu tun? Eine gute Spättracht kann das Auffüttern erleichtern, aber auch das Brutnest verengen. Wer sein Trachtangebot kennt und passende Trachtpflanzen im Umfeld hat, kann die Fütterung darauf abstimmen.

Fazit: Einwintern entscheidet über das Bienenjahr

Ein Bienenvolk einzuwintern ist kein Hexenwerk, aber es verlangt Sorgfalt und das richtige Timing. Sorge für gesunde, zahlreiche Winterbienen, indem du die Varroamilbe konsequent bekämpfst. Fülle rechtzeitig genug Winterfutter auf und kontrolliere es über das Gewicht. Richte einen trockenen, kompakten, mäusesicheren Wintersitz her und schließe mit der Restentmilbung im brutfreien Volk ab. Danach gilt: Ruhe bewahren und nur von außen kontrollieren. Wer diese Schritte beherzigt, legt im Herbst das Fundament für ein starkes, vitales Volk im nächsten Frühjahr – und genau das ist das Ziel jeder erfolgreichen Überwinterung.

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