Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Imkern

Oxalsäure-Winterbehandlung Schritt für Schritt

Oxalsäure-Winterbehandlung Schritt für Schritt

16 Min. Lesezeit

Die Oxalsäure-Winterbehandlung ist die wichtigste Varroabehandlung des ganzen Jahres – und gleichzeitig die, bei der die meisten Fehler passieren. Die Kernaussage vorweg: Oxalsäure wirkt nur auf die Milben, die frei auf den Bienen sitzen, nicht auf die, die unter verdeckelten Zelldeckeln in der Brut verborgen sind. Deshalb bringt die Behandlung nur dann die gewünschten 90 bis 95 Prozent Wirkung, wenn dein Volk zum Behandlungszeitpunkt komplett brutfrei ist. Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wann der richtige Moment ist, wie du die Varroamilbe mit der richtigen Dosierung triffst, welche Anwendungsform zu dir passt und wie du dabei sicher arbeitest.

Wenn du gerade erst mit der Bienenhaltung beginnst, lohnt sich vorab ein Blick in unseren Einstiegsratgeber Imkern für Anfänger, damit die Fachbegriffe in diesem Text sitzen. Für alle anderen gilt: Nimm dir diesen Ablauf ernst, denn die Winterbehandlung entscheidet darüber, mit welcher Milbenlast dein Volk ins Frühjahr startet.

Was ist die Oxalsäure-Winterbehandlung überhaupt?

Die Oxalsäure-Winterbehandlung ist die abschließende, chemisch-organische Varroabehandlung im Jahresverlauf. Sie wird in der brutfreien Zeit im späten Herbst oder frühen Winter durchgeführt und soll die Zahl der überlebenden Milben so weit senken, dass das Volk mit einer möglichst kleinen Restpopulation in die neue Saison geht. Fachlich spricht man hier von der Restentmilbung – also dem gezielten Beseitigen der letzten noch vorhandenen Milben.

Oxalsäure ist eine organische Säure, die natürlicherweise in vielen Pflanzen vorkommt, etwa in Rhabarber, Sauerklee und Spinat. Für die Bienenhaltung wird sie als zugelassenes Tierarzneimittel eingesetzt. Die Säure wirkt als Kontaktgift auf die Milben: Sie greift die empfindlichen Saugwerkzeuge und die äußere Hülle der Varroamilbe an, während die Bienen bei korrekter Dosierung weitgehend verschont bleiben. Wichtig zu verstehen ist, dass Oxalsäure keine Tiefenwirkung hat. Sie dringt nicht in die verdeckelte Brut ein. Jede Milbe, die zum Behandlungszeitpunkt in einer verdeckelten Brutzelle sitzt, überlebt – und das kann über die Hälfte der gesamten Milbenpopulation sein, wenn noch Brut vorhanden ist.

Die Winterbehandlung ergänzt die Varroabehandlung im Sommer, bei der meist mit Ameisensäure gearbeitet wird. Beide Behandlungen gehören untrennbar zusammen: Die Sommerbehandlung schützt die wertvollen Winterbienen, die das Volk durch die kalte Jahreszeit tragen, und die Winterbehandlung räumt am Ende des Bienenjahres auf. Fällt eine der beiden Behandlungen aus oder wird sie zu spät durchgeführt, bricht die Milbenlast im folgenden Jahr durch.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Winterbehandlung?

Der richtige Zeitpunkt ist die brutfreie Phase im späten Herbst oder frühen Winter – in Mitteleuropa meist zwischen Ende November und Ende Dezember, in milden Jahren auch erst Anfang Januar. Entscheidend ist nicht das Datum im Kalender, sondern der Zustand des Volkes: Es muss vollständig brutfrei sein. Erst dann sitzen praktisch alle Milben auf den erwachsenen Bienen und sind für die Oxalsäure erreichbar.

Als guter Anhaltspunkt gilt eine Behandlung einige Tage nach dem ersten länger anhaltenden Kälteeinbruch. Sinken die Temperaturen über mehrere Tage in den Frostbereich, stellen viele Königinnen die Eiablage ein, und die vorhandene Brut schlüpft nach und nach aus. Nach etwa drei Wochen ohne Neueiablage ist ein Volk in der Regel brutfrei. Behandelst du zu früh, wenn noch verdeckelte Brut vorhanden ist, verschenkst du einen großen Teil der Wirkung. Behandelst du sehr spät, hatten die wenigen überlebenden Milben länger Zeit, sich auf den Winterbienen zu vermehren – die Schädigung des Volkes ist dann bereits weiter fortgeschritten.

Für die eigentliche Anwendung sollte es zudem kühl sein. Ideal sind Temperaturen um den Gefrierpunkt bis wenige Grad darüber, denn dann sitzen die Bienen dicht in der Wintertraube zusammen und die aufgeträufelte Lösung verteilt sich optimal über den Trauben-Rand. An einem milden, sonnigen Tag mit regem Flugbetrieb solltest du dagegen nicht behandeln.

Wie erkenne ich, dass mein Volk wirklich brutfrei ist?

Die sicherste Methode ist der direkte Blick: Ziehst du bei einer kurzen Kontrolle einzelne Mittelwaben und findest keine verdeckelten Brutzellen und keine Stifte, ist das Volk mit hoher Wahrscheinlichkeit brutfrei. Diese Kontrolle sollte so kurz und schonend wie möglich sein, damit die Wintertraube nicht unnötig auskühlt. Wer die Völker nicht öffnen möchte, orientiert sich an der Wetter- und Volksentwicklung: Nach einer längeren Kälteperiode und etwa drei brutfreien Wochen kann man von Brutfreiheit ausgehen.

Ein indirekter Hinweis liefert auch der natürliche Milbenfall. Legst du eine Bodeneinlage ein und zählst über mehrere Tage, wie viele Milben herunterfallen, bekommst du ein Gefühl für die Befallsstärke. Diese Gemülldiagnose hilft dir außerdem, nach der Behandlung den Erfolg zu kontrollieren. Für die saubere Volksführung ist ohnehin eine gute Wabenhygiene die Grundlage, auf der jede Varroastrategie aufbaut.

Welche Anwendungsform soll ich wählen: Träufeln, Sprühen oder Verdampfen?

Für die Winterbehandlung an einzargigen oder normal besetzten Völkern ist das Träufeln die einfachste und für die meisten Imker beste Methode. Sprühen wird fast nur bei brutfreien Kunstschwärmen oder Ablegern im Sommer eingesetzt. Das Verdampfen – fachlich Sublimation – erzielt sehr gute Wirkungsgrade, verlangt aber ein zugelassenes Gerät und konsequenten Atemschutz. Welche Form du wählst, hängt von Ausstattung, Erfahrung und der Zahl deiner Völker ab.

Beim Träufeln gibst du eine lauwarme, mit Zuckerwasser angesetzte Oxalsäurelösung von oben zwischen die besetzten Wabengassen. Die Bienen verteilen die Säure beim Putzen über die gesamte Wintertraube. Diese Methode ist einmalig anzuwenden, denn mehrfaches Träufeln schädigt die Bienen und verkürzt ihre Lebensdauer. Du brauchst dafür wenig Material: eine Dosierspritze oder eine spezielle Träufelflasche, die du im Sortiment für Imkerwerkzeuge findest, dazu Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille.

Beim Sprühen wird eine schwächere Lösung mit einem Zerstäuber direkt auf die bienenbesetzten Waben gesprüht. Das setzt voraus, dass du jede Wabe einzeln ziehst – bei winterlichen Temperaturen ist das für das Volk zu belastend, weshalb Sprühen im Winter unüblich ist.

Beim Verdampfen wird Oxalsäure-Dihydrat in einem Verdampfer erhitzt, bis sie sublimiert und als feiner Nebel durch den Stock zieht. Der Vorteil: Die Bienentraube muss nicht gestört werden, und die Wirkung ist sehr gleichmäßig. Der entscheidende Nachteil ist der Arbeitsschutz. Der entstehende Dampf ist hochreizend für die Atemwege und die Augen. Ohne geeignete Atemschutzmaske mit passendem Filter und ohne dichte Schutzbrille darfst du nicht verdampfen. Außerdem ist das Verdampfen nur mit ausdrücklich dafür zugelassenen Präparaten und Geräten erlaubt.

Welche Dosierung und welches Präparat ist richtig?

Verwende ausschließlich zugelassene Fertigpräparate und halte dich exakt an die Packungsbeilage. Für das Träufeln sind in Deutschland Mittel wie Oxuvar oder VarroMed gebräuchlich; beim fertigen Ansatz entsteht eine rund 3,5-prozentige Oxalsäurelösung in Zuckerwasser. Die übliche Dosierung liegt bei etwa fünf bis sechs Millilitern Lösung pro besetzter Wabengasse, mit einer klaren Obergrenze je Volk, die du der Gebrauchsinformation entnimmst. Ein durchschnittliches Wirtschaftsvolk kommt so auf ungefähr 30 bis 50 Milliliter.

Wichtig ist die Temperatur der Lösung: Sie sollte handwarm bei etwa 35 Grad sein, damit die kalten Bienen nicht zusätzlich unterkühlt werden. Die chemischen Eigenschaften der Säure und ihre genaue Zusammensetzung kannst du bei Interesse im Lexikonartikel zur Oxalsäure nachlesen. Für die imkerliche Einordnung und die Biologie des Schädlings ist der Überblicksartikel zur Varroamilbe eine gute, unabhängige Quelle. Aktuelle Empfehlungen zur Behandlung und zur Bienengesundheit veröffentlicht außerdem der Deutsche Imkerbund als Dachverband der organisierten Imkerschaft.

Setze niemals selbst gemischte Lösungen aus technischer Oxalsäure ein. Nur die Fertigpräparate garantieren die richtige Konzentration und sind arzneimittelrechtlich zugelassen. Wer hier improvisiert, riskiert Bienenschäden und Rückstände. Was die genaue Bezeichnung angeht, findest du die begriffliche Abgrenzung in unserem Glossar zur Oxalsäure und zur Winterbehandlung.

Schritt für Schritt: So führst du die Träufelbehandlung durch

Bereite zunächst dein Material vor, bevor du zu den Völkern gehst. Du brauchst das zugelassene Präparat, eine saubere Dosierspritze oder Träufelflasche, warmes Wasser oder ein Wasserbad zum Anwärmen der Lösung, säurefeste Handschuhe, eine Schutzbrille und ein Tuch für verschüttete Tropfen. Eine Bodeneinlage für die spätere Erfolgskontrolle legst du idealerweise schon einige Tage vorher ein.

Setze die Lösung nach Anleitung an beziehungsweise erwärme die gebrauchsfertige Lösung im Wasserbad auf etwa 35 Grad. Kontrolliere kurz, dass das Volk brutfrei und die Außentemperatur niedrig ist. Öffne den Stock dann nur so weit und so kurz wie nötig. Ziehe die Zarge nicht komplett auseinander, sondern arbeite zügig von oben.

Träufle die abgemessene Menge langsam und gleichmäßig direkt zwischen die Bienen in jede besetzte Wabengasse. Ziel ist der obere Rand der Wintertraube, dort sitzen die Bienen am dichtesten. Verteile die Lösung so, dass möglichst viele Bienen einen Tropfen abbekommen, aber überdosiere nicht. Schließe den Stock sofort wieder und reduziere so den Wärmeverlust.

Notiere dir Datum, Präparat, Charge und Dosierung je Volk in deinem Stockkarten- oder Behandlungsbuch. Diese Dokumentation ist bei zugelassenen Tierarzneimitteln vorgeschrieben und hilft dir, im nächsten Jahr aus deinen Erfahrungen zu lernen. Lege anschließend die saubere Bodeneinlage ein und kontrolliere über die folgenden ein bis zwei Wochen den Milbenfall.

Warum ist der Arbeitsschutz bei Oxalsäure so wichtig?

Oxalsäure ist eine starke organische Säure und darf nicht unterschätzt werden. Auf der Haut wirkt sie reizend bis ätzend, in den Augen kann sie ernste Schäden verursachen, und eingeatmete Dämpfe reizen die Atemwege erheblich. Beim Träufeln reichen säurefeste Handschuhe und eine dichte Schutzbrille aus. Arbeite nicht in der Nähe von Lebensmitteln und wasche dir nach der Behandlung gründlich die Hände.

Beim Verdampfen steigen die Anforderungen deutlich. Hier brauchst du zwingend eine geeignete Atemschutzmaske mit säurefestem Filter, zusätzlich zur Schutzbrille, und du solltest dich während des Verdampfens nicht über den Stock beugen oder im Dampf stehen. Verdampfe außerdem nie in geschlossenen Räumen ohne Belüftung. Die passende Schutzausrüstung und die notwendigen Gerätschaften gehören zur Grundausstattung und finden sich ebenfalls bei den Beutenteilen und der Beutenausstattung sowie im Werkzeugsortiment.

Welche Fehler passieren am häufigsten?

Der häufigste Fehler ist die Behandlung bei vorhandener Brut. Ist auch nur ein Teil der Brutzellen verdeckelt, sinkt der Wirkungsgrad dramatisch, weil die Milben in den Zellen geschützt sind. Ein zweiter, ebenso teurer Fehler ist die Mehrfachbehandlung: Wer glaubt, zweimaliges Träufeln verdopple die Wirkung, schädigt in Wahrheit nur die Bienen und verkürzt deren Lebenszeit – gerade bei den so wichtigen Winterbienen ist das fatal.

Weitere typische Fehler sind eine zu kalte Lösung, die die Bienen unterkühlt, eine Behandlung an zu warmen Tagen mit Flugbetrieb, eine ungenaue Dosierung durch grobes Schätzen statt Abmessen und das Vernachlässigen der Erfolgskontrolle. Auch der falsche Behandlungszeitpunkt – zu früh im November oder zu spät im Januar – kostet Wirkung. Wer diese Punkte vermeidet, holt aus einer einzigen Behandlung das Maximum heraus.

Wie kontrolliere ich den Behandlungserfolg?

Die Erfolgskontrolle läuft über den Milbenfall auf der Bodeneinlage. In den Tagen nach der Behandlung fallen die abgetöteten Milben als sogenannter Totenfall herab. Zählst du sie, bekommst du ein klares Bild: Fallen nur noch sehr wenige Milben, war die Behandlung erfolgreich und die Restmilbenlast ist niedrig. Fallen über Wochen hinweg weiterhin viele Milben, solltest du im Frühjahr besonders aufmerksam sein und früh mit der Befallskontrolle beginnen.

Dokumentiere die Zählergebnisse zusammen mit den Behandlungsdaten. So kannst du über die Jahre eine Erfahrungskurve aufbauen und erkennst, ob dein gesamtes Behandlungskonzept – Sommer- plus Winterbehandlung – aufgeht. Ergänzend lohnt im Frühjahr der Einsatz biotechnischer Verfahren wie des Ausschneidens der Drohnenbrut; mehr dazu erklärt unser Glossar zum Drohnenrahmen.

Wie passt die Winterbehandlung in das Imkerjahr?

Die Winterbehandlung ist der letzte Baustein eines durchdachten Jahresablaufs. Nach der Honigernte im Spätsommer folgt zunächst die Sommerbehandlung, dann die Auffütterung. Wie du die Völker richtig mit Futtersirup versorgst, zeigt unser Ratgeber zum Bienen im Herbst auffüttern. Anschließend werden die Völker eingewintert – alle Schritte dazu findest du im Beitrag Bienenvolk einwintern.

Erst wenn die Völker brutfrei und gut eingefüttert in der Winterruhe sitzen, kommt die Oxalsäure-Winterbehandlung an die Reihe. Danach heißt es, die Völker möglichst in Ruhe lassen und vor Störungen schützen. Welche Gefahren im Winter lauern und wie du ihnen begegnest, liest du in unserem Ratgeber Bienen im Winter schützen. Vergiss auch nicht, dass ein geschwächtes, von Milben belastetes Volk anfälliger für Räuberei ist – ein weiterer Grund, die Varroabelastung konsequent niedrig zu halten.

Für die kommende Saison legst du mit einer gelungenen Restentmilbung den Grundstein: Starke, milbenarme Völker im Frühjahr sind die beste Voraussetzung für die Königinnenzucht und eine ertragreiche Ernte. Wer seine Ausrüstung rund um Fütterung und Pflege ergänzen möchte, findet das passende Zubehör im Bereich Bienenfutter, und wer den geernteten Honig sauber weiterverarbeiten will, wird bei der Honigverarbeitung fündig.

Was muss ich rechtlich beachten?

Oxalsäure gilt im Rahmen der Bienenhaltung als Tierarzneimittel. Das bedeutet, dass du nur zugelassene Präparate einsetzen darfst und die Anwendung dokumentieren musst. Die Behandlung erfolgt grundsätzlich nach der letzten Honigernte, also außerhalb der Trachtzeit, damit keine Rückstände in Verbrauchshonig gelangen. Bewahre die Präparate kühl, trocken und für Kinder unzugänglich auf und entsorge Reste über die vorgesehenen Wege. Wenn du unsicher bist, welche Mittel in deinem Bundesland aktuell empfohlen und zugelassen sind, hilft dir dein regionaler Imkerverein oder der Dachverband mit aktuellen Behandlungsempfehlungen weiter.

Warum macht die Biologie der Milbe die brutfreie Zeit so entscheidend?

Um zu verstehen, warum der Zeitpunkt alles entscheidet, musst du den Vermehrungszyklus der Varroamilbe kennen. Die Milbe vermehrt sich ausschließlich in der verdeckelten Bienenbrut. Kurz bevor eine Brutzelle verdeckelt wird, schlüpft eine begattete Muttermilbe in die Zelle und lässt sich einschließen. Dort legt sie nacheinander mehrere Eier, aus denen sich männliche und weibliche Nachkommen entwickeln, die sich noch in der Zelle paaren. Mit der schlüpfenden Jungbiene verlassen dann mehrere neue, begattete Milben die Zelle. Solange es Brut gibt, läuft dieser Vermehrungsmotor ununterbrochen.

Zwischen zwei Brutzyklen sitzen die Milben auf den erwachsenen Bienen und ernähren sich von deren Fettkörper. Diese Phase nennt man die phoretische Phase. Nur in dieser Phase sind die Milben für ein Kontaktmittel wie Oxalsäure erreichbar. In einem Volk mit Brut befindet sich oft mehr als die Hälfte aller Milben geschützt in den Zellen – eine Behandlung würde also von vornherein nur einen Bruchteil erreichen. In der brutfreien Winterphase dagegen sitzen praktisch hundert Prozent der Milben auf den Bienen. Genau das ist der Grund, warum eine einzige, gut getimte Winterbehandlung Wirkungsgrade von über 90 Prozent schafft, während dieselbe Behandlung bei vorhandener Brut kläglich scheitert. Wer dieses Prinzip verinnerlicht hat, versteht sofort, warum Geduld bis zur echten Brutfreiheit kein Zögern, sondern die halbe Miete ist.

Wie läuft das Verdampfen im Detail ab?

Wenn du dich für die Sublimation entscheidest, arbeitest du mit Oxalsäure-Dihydrat in kristalliner Form, das in einem zugelassenen Verdampfer erhitzt wird. Je nach Präparat und Volksstärke liegt die Dosis meist bei etwa ein bis gut zwei Gramm pro Volk – die genaue Menge steht in der Gebrauchsinformation und ist einzuhalten. Das Gerät wird am oder im Boden der Beute platziert, das Flugloch bis auf die Geräteöffnung verschlossen, und die Säure sublimiert innerhalb weniger Minuten zu einem feinen Nebel, der sich im gesamten Stockvolumen niederschlägt und sich auf den Bienen und Milben absetzt.

Nach dem Verdampfen bleibt das Flugloch noch einige Minuten geschlossen, damit sich der Wirkstoff vollständig verteilt und nicht sofort entweicht. Der große Vorteil liegt darin, dass die Wintertraube überhaupt nicht geöffnet und gestört wird, was gerade bei tiefen Temperaturen schonend ist. Dem steht der deutlich höhere Aufwand beim Arbeits- und Gesundheitsschutz gegenüber. Der Dampf ist aggressiv, und schon geringe Mengen reizen Augen und Atemwege massiv. Ohne geprüfte Atemschutzmaske mit säurefestem Partikelfilter, dichte Schutzbrille und Wind im Rücken solltest du das Verdampfen nicht in Betracht ziehen. Für Einsteiger mit wenigen Völkern ist das Träufeln deshalb fast immer die sinnvollere Wahl, während sich das Verdampfen eher bei größeren Beständen und entsprechender Routine lohnt.

Was bedeuten milde Winter für den Behandlungszeitpunkt?

In den vergangenen Jahren ist die verlässliche Brutpause vielerorts kürzer geworden oder zeitweise ganz ausgeblieben. In milden Wintern legen manche Königinnen durch, das heißt, sie stellen die Eiablage nie vollständig ein. Dann findet die Behandlung keinen idealen Zeitpunkt vor, und ein Teil der Milben bleibt in der Restbrut geschützt. Für dich heißt das: Verlasse dich nicht mehr allein auf einen festen Kalendertermin wie den klassischen Dreikönigstag, sondern beobachte Wetter und Volk genau und nutze das Zeitfenster, sobald es sich öffnet.

Als Reaktion auf diese Entwicklung setzen manche Imker auf eine gezielt herbeigeführte Brutfreiheit, etwa indem sie die Königin für rund drei Wochen in einen Käfig sperren oder auf eine Bannwabe begrenzen, sodass die restliche Brut ausläuft. Anschließend wird im nun brutfreien Volk behandelt. Solche Verfahren sind aufwendiger und etwas für erfahrenere Imker, zeigen aber, wohin die Entwicklung geht: Der Schlüssel bleibt immer die Brutfreiheit, und wenn die Natur sie nicht mehr zuverlässig liefert, muss man sie bewusst organisieren. Wer seine Völker ohnehin aufmerksam führt und den Milbenfall das ganze Jahr über im Blick behält, erkennt rechtzeitig, ob der klassische Zeitpunkt noch passt oder ob er nachsteuern muss.

Praxis-Checkliste für die Winterbehandlung

Prüfe vor der Behandlung, ob dein Volk wirklich brutfrei ist. Behandle an einem kühlen Tag, idealerweise nach dem ersten anhaltenden Frost. Verwende ein zugelassenes Fertigpräparat und erwärme die Lösung auf etwa 35 Grad. Miss die Menge je besetzter Wabengasse genau ab und träufle nur einmal. Trage Handschuhe und Schutzbrille, beim Verdampfen zusätzlich Atemschutz. Öffne den Stock nur kurz und schließe ihn sofort wieder. Dokumentiere Datum, Präparat und Dosis. Lege eine Bodeneinlage ein und kontrolliere den Milbenfall. Lass die Völker danach in Ruhe.

Häufige Fragen zur Oxalsäure-Winterbehandlung

Wie oft darf ich mit Oxalsäure träufeln? In der Winterbehandlung nur ein einziges Mal pro Saison. Oxalsäure belastet die Bienen, und mehrfaches Träufeln verkürzt ihre Lebensdauer deutlich, ohne den Wirkungsgrad zu verbessern. Eine einmalige, korrekt durchgeführte Behandlung im brutfreien Zustand genügt.

Was passiert, wenn mein Volk noch Brut hat? Dann sinkt die Wirkung drastisch, weil die Milben in den verdeckelten Zellen nicht erreicht werden. Warte in diesem Fall, bis das Volk nach einer Kälteperiode vollständig brutfrei ist, und behandle erst dann. Lieber ein, zwei Wochen länger warten als zu früh mit halber Wirkung behandeln.

Bei welcher Temperatur sollte ich behandeln? Am besten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bis wenige Grad darüber, wenn die Bienen eng in der Wintertraube sitzen. Die Lösung selbst sollte handwarm bei etwa 35 Grad sein, damit die Bienen nicht unterkühlen.

Kann ich Oxalsäure und Ameisensäure kombinieren? Sie werden nicht gleichzeitig, sondern zeitlich getrennt eingesetzt: Ameisensäure klassischerweise als Sommerbehandlung bei noch vorhandener Brut, Oxalsäure als Winterbehandlung in der brutfreien Zeit. Zusammen bilden sie ein abgestimmtes Konzept über das Jahr.

Ist die behandelte Lösung gefährlich für den Honig? Die Winterbehandlung findet nach der letzten Honigernte statt, also außerhalb der Trachtzeit. Verbrauchshonig wird dabei nicht gewonnen. Behandle niemals mit aufgesetzten Honigräumen, dann gibt es auch keine Rückstandsprobleme.

Woran erkenne ich, dass die Behandlung gewirkt hat? Am Milbenfall auf der Bodeneinlage in den Tagen nach der Behandlung und an einer niedrigen Restmilbenzahl. Fällt im Spätwinter nur noch ein Minimum an Milben, ist die Restentmilbung gelungen und dein Volk startet milbenarm ins Frühjahr.

Fazit

Die Oxalsäure-Winterbehandlung ist einfach durchzuführen, wenn du die zwei entscheidenden Regeln beachtest: Behandle nur im brutfreien Zustand und nur ein einziges Mal, mit der richtigen Dosierung und sauberem Arbeitsschutz. Dann erreichst du eine Wirkung von über 90 Prozent und bringst deine Völker milbenarm durch den Winter. Mit einer sorgfältigen Erfolgskontrolle und einer durchdachten Verzahnung von Sommer- und Winterbehandlung schaffst du die Grundlage für gesunde, starke Bienen in der kommenden Saison.

Passende Produkte

Ratgeber

Mehr zum Thema Imkern

Alle Imkern-Beiträge

Imkern · 16 Min. Lesezeit

Gemülldiagnose beim Bienenvolk

Die Gemülleinlage verrät dir im Winter, wo die Wintertraube sitzt, wie stark das Volk ist und wie viele Varroamilben fallen – ganz ohne den Stock zu öffnen.

Imkern · 16 Min. Lesezeit

Bienenstand winterfest machen

Im Herbst entscheidet der Standplatz über ein gesundes Bienenjahr. So machst du deinen Bienenstand Schritt für Schritt gegen Mäuse, Sturm, Nässe und Specht winterfest.

Imkern · 16 Min. Lesezeit

Bienen im Winter schützen

Mäusegitter, trockene Belüftung, Räuberei-Schutz und die richtige Varroabehandlung: So übersteht dein Bienenvolk den Winter sicher.