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Varroabehandlung im Sommer

Die Varroabehandlung im Sommer entscheidet darüber, ob dein Bienenvolk gesund über den Winter kommt oder im Spätwinter zusammenbricht. Kernaussage vorweg: Sofort nach der letzten Honigernte, meist Ende Juli oder im August, musst du die Milbenlast massiv senken – denn genau jetzt werden die langlebigen Winterbienen herangezogen, die dein Volk bis zum Frühjahr tragen. Wer die Sommerbehandlung verschleppt oder zu schwach dosiert, verliert nicht die Sommerbienen, sondern die viel wichtigere Wintergeneration. In diesem Ratgeber bekommst du eine komplette, praxisnahe Anleitung: von der Befallskontrolle über die Wahl des richtigen Mittels bis zur Nachkontrolle und den typischen Anfängerfehlern.

Wenn du gerade erst in die Imkerei einsteigst, lies ergänzend unseren Grundlagenartikel Imkern für Anfänger – dort erklären wir das Bienenjahr im Überblick, in das sich die Varroabehandlung einordnet.

Warum ist die Varroabehandlung im Sommer so entscheidend?

Die Sommerbehandlung ist die Grundvoraussetzung für gesunde Winterbienen. Ab etwa August zieht das Volk keine kurzlebigen Sommerbienen mehr auf, sondern die sogenannten Winterbienen, die vier bis sechs Monate leben und den Neustart im Frühjahr sichern. Werden diese Winterbienen bereits als Larve in der Zelle von der Varroamilbe und den durch sie übertragenen Viren geschädigt, schlüpfen sie mit verkürzter Lebensdauer, geschwächtem Immunsystem oder sichtbaren Schäden wie verkrüppelten Flügeln.

Das eigentliche Problem ist nicht die Milbe allein, sondern die Viren, die sie überträgt – allen voran das Flügeldeformationsvirus (DWV). Eine einzelne Milbe saugt am Fettkörper der Puppe und schleust dabei Viren ein. Steigt der Befall im Spätsommer ungebremst an, kippt das Volk regelrecht: Die Milbenpopulation vermehrt sich exponentiell, während die Bienenmenge saisonal abnimmt. Das Verhältnis Milben zu Bienen verschlechtert sich dramatisch. Viele Völker, die im September noch stark wirken, sterben dann im Dezember oder Januar – nicht an der Kälte, sondern an der zu spät oder zu schwach durchgeführten Sommerbehandlung.

Deshalb gilt: Die Varroabehandlung ist keine Kür, sondern imkerliche Pflicht. Nach der Einschätzung der Fachliteratur zur Varroamilbe gilt der Parasit als weltweit wichtigster Schädling der Westlichen Honigbiene, und in Mitteleuropa überlebt praktisch kein unbehandeltes Volk dauerhaft. Deine Verantwortung endet dabei nicht am eigenen Stand: Kollabierende Völker werden ausgeräubert, und die Milben wandern mit den räubernden Bienen in gesunde Nachbarvölker. Eine konsequente Behandlung schützt also auch die Bienen anderer Imker in deiner Umgebung.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Sommerbehandlung?

Der beste Zeitpunkt ist unmittelbar nach der Abnahme des letzten Honigs – in den meisten Regionen Deutschlands also Ende Juli bis Mitte August. Warten solltest du nur so lange, bis der Honigraum abgenommen ist, denn während der Tracht darf nicht behandelt werden: Rückstände hätten sonst im Honig nichts zu suchen. Sobald der Schleuderhonig sicher im Eimer ist, zählt jeder Tag.

Der Grund für die Eile liegt in der Biologie. Je früher du behandelst, desto weniger geschädigte Brut geht in die Winterbienen-Aufzucht ein. Wer erst im September behandelt, rettet häufig nur noch einen Teil der Wintergeneration. Als Faustregel gilt: Ist der Honig abgeschleudert, wird zeitnah behandelt – idealerweise innerhalb weniger Tage. Wie du die Ernte selbst sauber über die Bühne bringst, liest du in unserem Beitrag Honigernte Schritt für Schritt.

Wichtig ist außerdem das Wetter. Ameisensäure, das wichtigste Sommermittel, wirkt über Verdunstung und ist stark temperaturabhängig. Ideal sind Tageshöchstwerte zwischen etwa 15 und 25 Grad. Bei großer Hitze verdunstet zu viel Säure auf einmal – das kostet Brut und im schlimmsten Fall die Königin. Bei Kälte verdunstet zu wenig, und die Wirkung reicht nicht bis in die verdeckelte Brut. Plane die Behandlung deshalb nach einer stabilen Wetterprognose und nicht nach dem Kalender allein.

Wie kontrollierst du den Varroabefall vor der Behandlung?

Vor jeder Behandlung steht die Befallskontrolle – denn nur wer den Befallsgrad kennt, kann Mittel und Dringlichkeit richtig wählen. Drei Methoden haben sich bewährt: die Gemülldiagnose, die Puderzuckermethode und die Auswaschmethode.

Bei der Gemülldiagnose schiebst du eine Windel oder Bodeneinlage unter das Gitterboden-Volk und zählst nach einigen Tagen die natürlich abgefallenen Milben. Teile die Zahl durch die Anzahl der Tage, und du erhältst den täglichen natürlichen Milbenfall. Als grobe Orientierung im Juli gilt: Mehr als etwa fünf bis zehn Milben pro Tag bedeuten dringenden Handlungsbedarf. Die Methode ist bienenschonend und einfach, hat aber Schwankungen – ein sauberer, dichter Gitterboden ist Voraussetzung.

Genauer, aber invasiver sind Puderzucker- und Auswaschmethode. Bei beiden entnimmst du eine definierte Menge Bienen (etwa 50 Gramm, rund 300 Bienen) aus dem Brutraum, aber ohne die Königin. Beim Puderzucker rollst du die Bienen in Puderzucker und schüttelst die abgelösten Milben durch ein Gitter aus – die Bienen überleben. Bei der Auswaschmethode werden die Bienen in Wasser mit Spülmittel oder Alkohol ausgewaschen; das ist am genauesten, tötet die Probebienen aber ab. Liegt der Befall über etwa drei Prozent (also mehr als rund zehn Milben pro 300 Bienen), ist der Handlungsdruck hoch.

Die staatlichen Bienenfachzentren empfehlen feste Kontrollzeitpunkte im Jahresverlauf. Nach dem Varroa-Sommerbehandlungskonzept des Instituts für Bienenkunde am LWG Bayern sollte die Erfolgskontrolle nach der Behandlung einen Milbenfall von deutlich unter einer Milbe pro Tag zeigen – bleibt der Fall darüber, muss nachbehandelt werden. Ein einfaches Bestandsbuch, in dem du Befallszahlen, Mittel und Dosierung notierst, hilft dir enorm, das eigene Vorgehen von Jahr zu Jahr zu verbessern.

Welche Mittel gibt es für die Sommerbehandlung?

Für die Sommerbehandlung kommen vor allem organische Säuren und ätherische Öle zum Einsatz – konkret Ameisensäure und Thymol. Der große Vorteil dieser Mittel: Sie führen bei sachgerechter Anwendung nicht zu Rückständen im Wachs oder Honig und begünstigen keine Resistenzen, anders als die früher üblichen synthetischen Akarizide.

Die Ameisensäure nimmt eine Sonderstellung ein, weil sie als einziges gängiges Sommermittel auch in die verdeckelte Brut wirkt. Sie verdunstet und dringt als Dampf durch die Zelldeckel, wo sich der Großteil der Milben in der geschützten Brutphase aufhält. Genau das macht sie im Sommer unverzichtbar: Zu diesem Zeitpunkt sitzen bis zu neunzig Prozent der Milben in der Brut und wären für ein reines Kontaktmittel unerreichbar. Nach den Erfahrungswerten aus der Fachpraxis zur Ameisensäurebehandlung sind die Bienen empfindlicher gegen den Säuredampf als sie es vertragen – die Milbe stirbt eher als die Biene, sofern die Dosierung stimmt.

Thymol, das ätherische Öl des Thymians, wirkt dagegen über Kontakt und Verdunstung, aber nicht in die verdeckelte Brut. Thymolpräparate werden als Plättchen auf die Rähmchen gelegt und über mehrere Wochen angewendet. Sie sind angenehm in der Handhabung und temperaturtolerant, brauchen aber Zeit und wirken am besten bei niedrigerem Ausgangsbefall. Für Völker mit hohem Befall ist Ameisensäure meist die schnellere und sicherere Wahl.

Die Oxalsäure spielt im Sommer keine Rolle – sie wirkt ausschließlich auf die frei laufenden Milben und ist deshalb der brutfreien Winterbehandlung vorbehalten. Wer sie im Sommer ins brütende Volk einbringt, schädigt Bienen und erreicht die Milben in der Brut überhaupt nicht. Merke dir die Arbeitsteilung: Ameisensäure oder Thymol im Sommer gegen die Milben in der Brut, Oxalsäure im brutfreien Winter gegen die Restmilben.

Wie wendest du Ameisensäure sicher an?

Ameisensäure wird über einen Verdunster ins Volk gebracht – die Kunst liegt in der gleichmäßigen, temperaturangepassten Verdunstungsmenge. Grundsätzlich unterscheidet man Kurzzeit- und Langzeitverdunster. Kurzzeitverdunster wie das Schwammtuch geben die Säure über wenige Tage intensiv ab; Langzeitverdunster wie der Nassenheider oder der Liebig-Dispenser dosieren über ein bis zwei Wochen gleichmäßiger und sind für Anfänger meist besser steuerbar.

Für die Anwendung brauchst du unbedingt Schutzausrüstung: säurefeste Handschuhe, eine Schutzbrille und am besten Arbeiten im Freien mit Abstand zum Gesicht, denn konzentrierte Ameisensäure ist stark ätzend. Lege dir vor dem Öffnen des Kanisters saubere Imkerwerkzeuge und ein Auffanggefäß bereit. Passende Imkerbekleidung schützt dich zusätzlich beim Hantieren am offenen Volk.

Die Dosierung richtet sich nach Beutengröße, Zargenzahl und Konzentration der Säure (üblich sind 60 Prozent für Kurzzeit- und 85 Prozent für bestimmte Langzeitverfahren – halte dich exakt an die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Präparats). Entscheidend ist, dass die Verdunstungsmenge zur Außentemperatur passt. Beobachte in den ersten ein bis zwei Tagen den Milbenfall auf der Bodeneinlage: Ein deutlicher Milbenfall zeigt Wirkung. Fallen dagegen tote Bienen vor dem Flugloch oder findest du die Königin nicht mehr, war die Dosis zu hoch oder es war zu heiß.

Ein bewährtes Vorgehen: Behandle möglichst am Abend, wenn die meisten Flugbienen zu Hause sind, und stelle sicher, dass genügend Leerraum über den Rähmchen für die Verdunstung vorhanden ist. Bei mehrzargigen Völkern sorgt der richtige Platz des Verdunsters dafür, dass der Dampf beide Bruträume erreicht. Kontrolliere nach Ablauf der Behandlung, ob die Königin wieder in Eilage ist – ein kurzer Blick auf frische Stifte genügt.

Welche Rolle spielen biotechnische Verfahren?

Biotechnische Verfahren senken den Milbendruck ohne Chemie und ergänzen die Sommerbehandlung ideal. Das bekannteste ist die Drohnenbrutentnahme im Frühjahr und Frühsommer: Weil Milben die länger verdeckelte Drohnenbrut bevorzugen, wirkt ein regelmäßig geschnittener Drohnenrahmen wie eine Milbenfalle. Alle zwei bis drei Wochen den ausgebauten und verdeckelten Rahmen entnehmen – so entfernst du kontinuierlich einen Teil der Milbenpopulation, bevor sie sich vermehrt.

Weitere Verfahren sind das Bannwabenverfahren und das Käfigen der Königin zur Erzeugung einer Brutpause. Wird die Königin für rund drei Wochen am Legen gehindert oder auf eine einzige Fangwabe beschränkt, laufen fast alle Milben aus der Brut und lassen sich anschließend gezielt mit Oxalsäure im dann brutfreien Volk abfangen. Das ist aufwendiger, aber sehr wirksam – besonders bei starkem Befall oder in wärmeren Regionen mit langer Brutsaison. Auch das Bilden von Ablegern und Kunstschwärmen bricht den Brutzyklus und ist deshalb ein natürlicher Verbündeter der Varroabekämpfung.

Wichtig ist die richtige Erwartung: Biotechnik allein reicht in Mitteleuropa meist nicht aus, um ein Volk gesund durch den Winter zu bringen. Sie senkt aber den Ausgangsbefall, sodass die anschließende Säurebehandlung leichteres Spiel hat. Betrachte beides als Team – nicht als Entweder-oder.

Wie hängt die Behandlung mit Einfütterung und Wabenpflege zusammen?

Sommerbehandlung, Einfütterung und Wabenpflege greifen zeitlich ineinander und dürfen nicht kollidieren. Nach der Ernte braucht das Volk Vorräte für den Winter, also wird eingefüttert – doch Ameisensäurebehandlung und starke Fütterung gleichzeitig können sich stören. In der Praxis bewährt sich, mit einer ersten Fütterung zu beginnen, die Hauptbehandlung sauber durchzuziehen und danach die restliche Wintermenge zu geben. Passendes Bienenfutter und stabile Bienenkästen bilden dabei die Grundausstattung für einen reibungslosen Ablauf.

Auch die Wabenhygiene gehört in dieses Zeitfenster: Alte, dunkle Brutwaben speichern nicht nur Krankheitserreger, sondern erschweren dir auch die Befallseinschätzung. Der Spätsommer ist der klassische Zeitpunkt, um alte Waben auszusortieren und den Wabenbau zu erneuern. Ein sauberer, überschaubarer Brutraum macht jede Behandlung berechenbarer.

Wer im Sommer Jungvölker aufbaut, etwa aus Königinnenzucht oder Ablegern, darf die kleinen Einheiten nicht vergessen: Auch sie tragen Milben und müssen – wenn auch angepasst dosiert – behandelt werden. Gerade brutfreie Ableger lassen sich in einem günstigen Zeitfenster besonders effektiv entmilben.

Was hat die Sommerbehandlung mit Räuberei zu tun?

Schwache und behandlungsbedürftige Völker sind im trachtarmen Spätsommer besonders anfällig für Räuberei – und Räuberei verteilt Milben über den ganzen Stand. Wenn im August die Tracht endet und du gleichzeitig fütterst oder Völker öffnest, steigt die Gefahr, dass starke Völker schwächere ausräubern. Mit den räubernden Bienen wandern Milben von Volk zu Volk, sodass ein einzelnes kollabierendes Volk deinen ganzen Bestand aufmilben kann.

Halte deshalb die Fluglöcher schwacher Völker klein, arbeite zügig und vermeide es, Futter oder Honigreste offen am Stand stehen zu lassen. Produkte aus dem Bereich Bienenabwehr helfen, im Spätsommer auch Wespen in Schach zu halten, die schwache Völker zusätzlich unter Druck setzen. Wie ein Volk in Schwarmstimmung tickt, das eher zur Abwanderung als zur Verteidigung neigt, erklärt unser Eintrag zum Bienenschwarm. Ein starkes, gut behandeltes Volk verteidigt sich selbst am besten – die Varroabehandlung ist damit auch indirekt der beste Räubereischutz.

Praxisteil: Die Sommerbehandlung Schritt für Schritt

In der Praxis läuft eine gelungene Sommerbehandlung in einer klaren Abfolge ab, die du dir gut merken kannst. Zuerst nimmst du den Honig ab und schleuderst – erst wenn kein Honigraum mehr auf dem Volk sitzt, darf behandelt werden. Direkt danach führst du eine Befallskontrolle durch, um den Ausgangswert zu kennen. Notiere dir die Zahl.

Im zweiten Schritt bereitest du die Behandlung vor. Prüfe die Wetterprognose für die kommenden Tage: Du willst stabile 15 bis 25 Grad, keine Hitzewelle. Lege Schutzhandschuhe, Brille und deinen gereinigten Verdunster bereit. Fülle die Ameisensäure exakt nach Anweisung ab und wiege bei bestimmten Verfahren die Menge. Beginne bereits mit einer schonenden Anfütterung, damit das Volk nicht in ein Vakuum fällt.

Im dritten Schritt bringst du den Verdunster am Abend ins Volk ein, schließt die Beute und lässt die Behandlung laufen. Schiebe eine saubere Bodeneinlage ein. Kontrolliere in den ersten Tagen den Milbenfall und achte auf Warnzeichen wie viele tote Bienen vor dem Flugloch. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Behandlungsdauer entnimmst du den Verdunster und entsorgst Reste sicher.

Im vierten Schritt folgt die Erfolgskontrolle. Zähle erneut den Milbenfall über mehrere Tage. Liegt er jetzt deutlich unter einer Milbe pro Tag, war die Behandlung erfolgreich. Ist er noch hoch, planst du eine zweite Behandlung. Erst wenn der Befall gedrückt ist, gibst du die restliche Wintermenge Futter. So sind Behandlung, Kontrolle und Einfütterung sauber aufeinander abgestimmt, und dein Volk startet mit gesunden Winterbienen und vollen Vorräten in die kalte Jahreszeit. Für Rauch und ruhiges Arbeiten am Stand leistet ein guter Smoker gute Dienste, und für die spätere Verarbeitung des geernteten Honigs findest du alles im Bereich Honigverarbeitung.

Welche Fehler machen Anfänger bei der Varroabehandlung?

Die häufigsten Fehler sind zu spätes Behandeln, falsche Dosierung und fehlende Kontrolle. Viele Einsteiger warten, bis sie Milben mit bloßem Auge auf den Bienen sehen – dann ist es fast immer zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt ist die Wintergeneration bereits geschädigt. Behandle nach Kalender und Kontrolle, nicht nach Sichtbefund.

Ein zweiter Klassiker ist die Behandlung bei falschem Wetter. Ameisensäure bei dreißig Grad kann eine Königin kosten; Ameisensäure bei zwölf Grad wirkt kaum. Wer die Prognose ignoriert, riskiert entweder Schäden oder Wirkungslosigkeit. Ebenso verbreitet: die Erfolgskontrolle auszulassen. Ohne Nachzählen weißt du nie, ob die Behandlung gereicht hat – und merkst ein Restproblem erst, wenn das Volk im Winter stirbt.

Weitere typische Fehler sind das Vergessen der Ableger und Jungvölker, das gleichzeitige starke Füttern während der Säurebehandlung und der Verzicht auf Dokumentation. Seit die Behandlung mit zugelassenen Tierarzneimitteln dokumentationspflichtig ist, gehört ein Bestandsbuch ohnehin dazu – und es ist zugleich dein bestes Lerninstrument. Notiere Datum, Mittel, Menge, Wetter und Milbenfall, dann wird jede Saison ein Stück sicherer.

Warum sind organische Säuren den synthetischen Mitteln überlegen?

Organische Säuren wie Ameisen- und Oxalsäure führen weder zu Rückständen im Wachs noch zu Resistenzen – genau das macht sie langfristig überlegen. In der Anfangszeit der Varroabekämpfung wurden vor allem synthetische Akarizide eingesetzt, die zunächst bequem und hochwirksam waren. Das Problem: Die Milben entwickelten gegen mehrere dieser Wirkstoffe Resistenzen, und die fettlöslichen Substanzen reicherten sich im Wachs an. Damit belasteten sie den Wachskreislauf und potenziell auch den Honig.

Organische Säuren wirken dagegen physiologisch und nicht über einen einzelnen molekularen Angriffspunkt, gegen den sich die Milbe anpassen könnte. Nach Jahrzehnten der Anwendung gibt es bei ihnen praktisch keine Resistenzen. Für dich als Imker heißt das: Wer konsequent auf Ameisensäure, Thymol und Oxalsäure setzt, bleibt auf der sicheren Seite – vorausgesetzt, die Anwendung stimmt. Die Kehrseite ist, dass diese Mittel mehr Sorgfalt verlangen. Temperatur, Dosierung und Timing müssen passen, sonst leidet die Wirkung oder die Bienen nehmen Schaden. Diese Sorgfalt ist der Preis für rückstandsfreien Honig und dauerhaft wirksame Mittel – ein Preis, der sich lohnt.

Ein weiterer Vorteil: Ameisen- und Oxalsäure sind auch für die ökologische Imkerei zugelassen. Wer Wert auf naturnahe Betriebsweise legt, kommt an den organischen Säuren ohnehin nicht vorbei. Für die spätere Vermarktung deines Honigs und die Reinheit deiner Waben ist das ein starkes Argument.

Wie berücksichtigst du Region, Wetter und Volksentwicklung?

Es gibt kein starres Datum für die Sommerbehandlung – sie richtet sich nach Region, Trachtende und Wetter. In wärmeren Weinbauregionen endet die Tracht früher und die Brutsaison dauert länger, sodass tendenziell früher und teils intensiver behandelt werden muss. In kühleren Mittelgebirgs- oder Nordlagen verschiebt sich alles etwas nach hinten. Orientiere dich am Trachtende in deiner Umgebung und am Rat erfahrener Imker vor Ort, etwa aus dem örtlichen Imkerverein.

Beim Wetter helfen dir die Varroawetter-Prognosen der Bienenfachzentren, die ausrechnen, wie gut die Ameisensäure an den kommenden Tagen verdunsten wird. So triffst du das ideale Behandlungsfenster, statt auf gut Glück zu behandeln. Beobachte außerdem die Volksentwicklung: Ein starkes, gesundes Volk verkraftet die Behandlung besser als ein schwaches. Passe Verfahren und Dosierung an die Volksgröße an und behandle mehrzargige Wirtschaftsvölker anders als kleine Ableger. Wer diese drei Stellschrauben – Region, Wetter und Volk – zusammendenkt, holt aus jeder Behandlung das Optimum heraus und schont zugleich seine Bienen.

Häufige Fragen zur Varroabehandlung im Sommer (FAQ)

Wie oft muss ich im Sommer gegen die Varroa behandeln? In der Regel reicht eine gründliche Sommerbehandlung direkt nach der Ernte, gefolgt von einer Erfolgskontrolle. Bleibt der Milbenfall danach zu hoch, ist eine zweite Behandlung nötig. Zusätzlich folgt im brutfreien Winter die Restentmilbung mit Oxalsäure. Rechne also mit Sommerbehandlung plus Winterbehandlung als festem Doppelpack.

Kann ich während der Tracht behandeln? Nein. Solange ein Honigraum auf dem Volk sitzt oder Honig geerntet werden soll, wird nicht mit Säuren behandelt, um Rückstände zu vermeiden. Erst nach der Abnahme des letzten Honigs beginnt die Behandlungssaison.

Ist Ameisensäure gefährlich für die Königin? Bei korrekter Dosierung und passender Temperatur ist das Risiko gering. Zu hohe Verdunstungsmengen, etwa an sehr heißen Tagen, können jedoch zu Königinnenverlust führen. Kontrolliere nach der Behandlung, ob die Königin wieder in Eilage ist, und halte dich streng an die Gebrauchsanweisung deines Präparats.

Woran erkenne ich, dass mein Volk stark befallen ist? Alarmzeichen sind ein hoher natürlicher Milbenfall, Bienen mit verkrüppelten Flügeln, kahle stellen im Brutnest und ein auffällig schwächelndes Volk trotz gutem Wetter. Die sicherste Methode bleibt aber die zahlenmäßige Befallskontrolle über Gemülldiagnose oder Puderzuckerprobe.

Reichen biotechnische Verfahren allein aus? In den allermeisten Fällen nicht. Drohnenbrutentnahme und Brutpausen senken den Befall spürbar, ersetzen in Mitteleuropa aber keine Säurebehandlung. Kombiniere biotechnische Maßnahmen mit Ameisensäure im Sommer und Oxalsäure im Winter für ein tragfähiges Gesamtkonzept.

Was mache ich mit der entnommenen Drohnenbrut? Die ausgeschnittene, verdeckelte Drohnenbrut enthält viele Milben und sollte nicht offen liegen bleiben, da sie sonst ausgeräubert wird und Milben freisetzt. Friere sie ein oder entsorge sie sachgerecht im Hausmüll, damit die Milben nicht zurück ins Volk gelangen.

Fazit: Sommerbehandlung als Fundament der Bienengesundheit

Die Varroabehandlung im Sommer ist der wichtigste Eingriff des ganzen Bienenjahres, denn sie entscheidet über die Gesundheit der Winterbienen und damit über das Überleben des Volkes. Behandle früh – direkt nach der Ernte –, kontrolliere den Befall vorher und nachher, wähle Ameisensäure oder Thymol passend zum Wetter und zum Befallsgrad, und kombiniere die Säurebehandlung mit biotechnischen Verfahren wie der Drohnenbrutentnahme. Wer diese Kette sauber einhält und alles im Bestandsbuch festhält, bringt seine Völker verlässlich durch den Winter. Die passende Ausrüstung von Verdunster über Schutzkleidung bis zum Bienenfutter findest du gebündelt in den Imker-Kategorien bei purewild – so hast du für die entscheidenden Wochen im Spätsommer alles griffbereit.

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