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Honigernte Schritt für Schritt

Honigernte Schritt für Schritt: Wann, wie und womit du reifen Honig sauber erntest

Die Honigernte ist der Moment, auf den du als Imker das ganze Jahr hinarbeitest. Und die wichtigste Regel steht gleich am Anfang: Du erntest nicht nach dem Kalender, sondern nach der Reife. Nur verdeckelter, ausreichend entwässerter Honig mit einem Wassergehalt deutlich unter 18 Prozent ist lagerstabil und darf ins Glas. Alles andere gärt dir früher oder später weg. In diesem Beitrag gehen wir Schritt für Schritt durch einen kompletten Erntetag, von der Reifeprüfung an der Wabe über das Abkehren der Bienen bis zum Entdeckeln, Schleudern, Sieben, Ruhenlassen und Abfüllen. Du bekommst konkrete Werte, echte Praxis und die typischen Anfängerfehler gleich mit dazu, damit deine erste oder nächste Ernte sauber, hygienisch und lagerfähig gelingt.

Wann ist Honig reif und erntereif?

Honig ist erntereif, wenn die Bienen ihn ausreichend entwässert und die Zellen mit einem Wachsdeckel verschlossen haben. Als Faustregel gilt: mindestens zwei Drittel der Wabenfläche sollten verdeckelt sein. Entscheidend ist aber nicht das Auge allein, sondern der gemessene Wassergehalt.

Bienen tragen Nektar mit fünfzig bis siebzig Prozent Wassergehalt ein und dicken ihn durch Umtragen, Fächeln und Wärme im Stock ein. Erst wenn der Honig reif ist, deckeln sie die Zellen luftdicht mit Wachs. Diese Verdeckelung ist das Signal der Bienen selbst: Der Inhalt ist fertig eingedickt und konserviert. Deshalb ist eine gut verdeckelte Wabe der erste, wichtigste Hinweis. Trotzdem solltest du dich nie blind darauf verlassen, denn gerade bei Tracht in kühlen, feuchten Phasen kann auch verdeckelter Honig grenzwertig feucht sein, und offene, aber bereits reife Zellen kommen ebenfalls vor.

Neben dem Blick auf die Bienenwabe nutzt du zwei bewährte Prüfmethoden. Die erste ist die Spritzprobe: Du hältst eine noch offene, aber scheinbar reife Honigwabe waagerecht und schlägst sie mit der Kante kräftig nach unten. Spritzt Honig heraus, ist er noch zu dünn und nicht reif. Bleibt der Honig in den Zellen, spricht das für ausreichende Reife. Die Spritzprobe ist schnell und kostenlos, aber ungenau. Die zweite, verlässliche Methode ist die Messung mit dem Refraktometer.

Wie messe ich den Wassergehalt richtig?

Mit einem Honig-Refraktometer misst du den Wassergehalt in Prozent. Du gibst einen Tropfen frisch entnommenen Honig auf das Prisma, schließt die Klappe und liest den Wert gegen das Licht ab. Für lagerstabilen Honig willst du unter 18 Prozent liegen.

Die Honigverordnung erlaubt für die meisten Honige maximal 20 Prozent Wasser. Das ist aber eine gesetzliche Obergrenze, kein Qualitätsziel. Die Qualitätsrichtlinien des Deutschen Imkerbundes verlangen für das bekannte Imker-Honig-Siegel sogar unter 18 Prozent. Praktisch gilt: Unter 18 Prozent bist du auf der sicheren Seite, zwischen 18 und 20 Prozent solltest du den Honig zügig verbrauchen und kühl lagern, über 20 Prozent besteht akute Gärgefahr. Miss immer mehrere Waben aus unterschiedlichen Ecken des Honigraums, denn der Wassergehalt schwankt innerhalb eines Volkes. Ein einzelner guter Wert an einer Randwabe sagt wenig über das Gesamtbild aus. Kalibriere dein Refraktometer vor der Saison mit der mitgelieferten Referenz oder mit destilliertem Wasser, sonst misst du dir die Ernte schön.

Der richtige Erntetag: Zeitpunkt, Wetter und Tageszeit

Wann im Jahr wird geerntet?

In Mitteleuropa gibt es meist zwei Haupternten: die Frühtracht rund um Ende Mai bis Mitte Juni und die Sommertracht im Juli. Die genauen Termine hängen von Region, Höhenlage und den blühenden Trachtpflanzen ab.

Die Frühtracht speist sich vor allem aus Raps, Obstblüte, Löwenzahn und Frühjahrsblühern. Sie neigt stark zur Kristallisation und muss oft früher geerntet werden, weil Rapshonig schnell im Wabenwerk fest wird und sich dann nicht mehr schleudern lässt. Die Sommertracht kommt von Linde, Brombeere, Edelkastanie und diversen Wald- und Blattläusen, die Honigtau liefern. Welche Trachtpflanze gerade dominiert, bestimmt Geschmack, Farbe und Kristallisationsverhalten deines Honigs. Beobachte deine Umgebung und das Flugverhalten der Bienen, dann weißt du, wann eine Tracht endet und der Honig zügig reif wird.

Bei welchem Wetter und zu welcher Tageszeit erntest du?

Ideal ist ein trockener, warmer und sonniger Tag am späten Vormittag oder Mittag, wenn viele Flugbienen unterwegs sind und die Waben schön warm und niedrigviskos sind. An kühlen, regnerischen Tagen sitzen mehr Bienen auf den Waben, und der Honig läuft zäher.

Warmer Honig lässt sich deutlich leichter schleudern als kalter. Deshalb erntest du nach Möglichkeit an einem Tag, an dem die Völker geflogen sind und die Honigräume durchgewärmt wurden. Ein wichtiger Punkt für Anfänger: Ernte nicht bei abruptem Trachtende. Wenn draußen nichts mehr blüht und du gleichzeitig die Völker öffnest, provozierst du Räuberei. Fremde Bienen und Wespen stürzen sich dann auf die freiliegenden Honigwaben und auf deinen Erntewagen. Arbeite an solchen Tagen besonders schnell, halte alles abgedeckt und öffne immer nur ein Volk. Etwas Bienenabwehr und ein durchdachter Ablauf ersparen dir viel Stress. Ein kurzer, sparsamer Einsatz vom Smoker beruhigt das Volk, ohne den Honig zu verrauchen, wenn du ihn sparsam und nur von oben einsetzt.

Bienen von den Honigwaben trennen

Welche Methoden gibt es, um die Bienen von den Waben zu bekommen?

Es gibt drei gängige Wege: das Abkehren mit dem Bienenbesen, die Bienenflucht als Trennbrett und das maschinelle Abblasen mit einem Laubbläser. Jede Methode hat ihre Berechtigung, und viele Imker kombinieren sie je nach Betriebsweise und Völkerzahl.

Beim Abkehren nimmst du jede Honigwabe einzeln aus dem Honigraum und streifst die Bienen mit einem weichen Bienenbesen vor dem Flugloch oder über der Beute ab. Der Vorteil: Du kontrollierst dabei jede einzelne Wabe auf Reife und Verdeckelung und brauchst kein Zusatzmaterial außer dem Besen. Der Nachteil: Es ist zeitaufwendig, reizt die Bienen und funktioniert bei vielen Völkern schlecht. Ein guter Besen mit weichen Borsten schont die Bienen, ein harter Besen quetscht sie. Weiteres nützliches Imkerwerkzeug wie der Stockmeißel und ein Abkehrbehälter erleichtern dir den Ablauf spürbar.

Die Bienenflucht ist ein Trennbrett mit Einwegventilen, das du ein bis zwei Tage vor der Ernte zwischen Brutraum und Honigraum legst. Die Bienen wandern nachts nach unten zur Königin und finden nicht mehr zurück in den Honigraum. Am Erntetag ist der Honigraum dann weitgehend bienenfrei. Der große Vorteil: Du arbeitest ruhig, schnell und ohne großes Gestöber. Der Nachteil: Du musst zweimal an den Stand, das Ganze funktioniert nur bei ausreichend kühlen Nächten zuverlässig, und bei anhaltender Hitze oder frischem Nektareintrag verstopft die Flucht. Verdeckelten, reifen Honig setzt die Bienenflucht voraus, denn frisch eingetragener, noch feuchter Honig hält die Bienen oben.

Das Abblasen mit einem Laubbläser ist die schnellste Methode für größere Bestände. Du stellst den Honigraum hochkant und bläst die Bienen von den Wabengassen heraus. Der Vorteil ist Tempo, der Nachteil ist der Lärm, die Aufregung im Volk und die Notwendigkeit passender Technik. Für den Hobbyimker mit wenigen Völkern sind Abkehren und Bienenflucht in der Regel die praktikabelsten Wege.

Honigräume abnehmen und Waben transportieren

Sind die Waben bienenfrei, nimmst du den kompletten Honigraum ab und deckst ihn sofort ab, damit keine Bienen zurückkehren und keine Räuberei entsteht. Stelle die Waben in einen bienendichten Transportkasten oder eine leere, gut schließende Zarge. Aus welchem Material deine Bienenkästen bestehen, ist dabei zweitrangig, wichtig ist, dass der Transportbehälter dicht schließt.

Transportiere die Waben zügig und geschützt zum Schleuderraum. Je wärmer der Honig bleibt, desto leichter läuft er später aus den Zellen. Halte die Waben deshalb warm, aber nicht in der prallen Sonne im Auto, wo sie überhitzen und aus dem Wachs laufen könnten. Arbeite an einem sauberen, fliegensicheren Ort mit geschlossenen Fenstern und Türen, denn offener Honig lockt Bienen und Wespen von weit her an. Ein gut vorbereiteter Schleuderraum mit abwischbaren Flächen, warmem Wasser zum Reinigen und ausreichend Platz ist die halbe Miete.

Entdeckeln: Die Wachsdeckel öffnen

Womit entdeckelst du die Waben?

Zum Öffnen der Wachsdeckel nutzt du eine Entdeckelungsgabel, ein Entdeckelungsmesser oder ein Entdeckelungsgeschirr als Auffangwanne. Du fährst mit dem Werkzeug flach unter die Wachsdeckel und legst so die gefüllten Zellen frei, damit der Honig beim Schleudern austreten kann.

Die Entdeckelungsgabel ist für Anfänger am einfachsten: Du stichst flach unter die Deckel und hebst sie ab. Sie funktioniert auch an unebenen Waben und in Vertiefungen zuverlässig. Das Entdeckelungsmesser, teils beheizbar, arbeitet schneller und sauberer, verlangt aber etwas Übung und gleichmäßig gebaute Waben. Ein Entdeckelungsgeschirr oder eine Entdeckelungswanne fängt das anfallende Wachs und den ablaufenden Honig auf, sodass du sauber arbeitest und das wertvolle Entdeckelungswachs später einschmelzen kannst. Das komplette Zubehör für die Honigverarbeitung von der Entdeckelung bis zur Schleuder findest du gebündelt, sodass du dir eine aufeinander abgestimmte Ausstattung zusammenstellen kannst.

Achte darauf, wirklich alle Deckel zu öffnen, auch in eingesunkenen Bereichen der Wabe. Nicht geöffnete Zellen geben ihren Honig beim Schleudern nicht her, das kostet dich Ertrag. Das abfallende Entdeckelungswachs enthält noch reichlich Honig. Du kannst es abtropfen lassen und den Resthonig getrennt auffangen, das Wachs wird anschließend eingeschmolzen und für neue Mittelwände oder Kerzen verwendet.

Schleudern in der Honigschleuder

Wie funktioniert die Honigschleuder?

Die Honigschleuder nutzt die Fliehkraft: Die entdeckelten Waben werden in einen rotierenden Korb gestellt, und durch die Drehung wird der Honig aus den Zellen an die Trommelwand geschleudert, läuft nach unten und wird am Auslauf, dem Quetschhahn, abgezapft. Das Prinzip der Honigschleuder schont im Gegensatz zum Pressen das Wabenwerk, sodass die Bienen die leeren Waben erneut ausbauen und füllen können.

Man unterscheidet Tangentialschleudern und Radialschleudern. In der Tangentialschleuder stehen die Waben mit der Fläche zur Trommelwand, sodass immer nur eine Wabenseite nach außen zeigt. Du schleuderst zunächst die eine Seite an, drehst die Wabe dann um und schleuderst die zweite Seite, weil sonst die noch volle Innenseite durch den Druck brechen würde. Tangentialschleudern sind günstiger und für kleine Imkereien üblich, aber arbeitsintensiver. In der Radialschleuder stehen die Waben sternförmig mit der Oberkante nach außen, sodass beide Seiten gleichzeitig entleert werden. Das ist schneller und schonender, die Geräte sind aber teurer und größer. Details zu Bauformen und Begriffen findest du auch im Glossar zur Honigschleuder.

Wie schnell und wie warm schleudert man?

Beginne langsam und steigere die Drehzahl allmählich. Wenn du sofort mit voller Kraft startest, brechen dir gerade frisch ausgebaute Waben aus den Rähmchen. Schleudere warmen Honig, denn kalter, zäher Honig bleibt in den Zellen und lässt sich kaum vollständig entleeren.

Bei Tangentialschleudern gilt der Dreischritt: eine Seite anschleudern, wenden, zweite Seite vollständig ausschleudern, dann die erste Seite fertig schleudern. So vermeidest du Wabenbruch. Ideal liegt der Honig bei etwa fünfundzwanzig bis dreißig Grad Raumtemperatur, dann läuft er willig. Überhitze den Honig niemals, um ihn dünnflüssiger zu machen. Ab etwa vierzig Grad beginnst du wertvolle Enzyme und Aromastoffe zu zerstören, und der HMF-Wert steigt, ein Qualitätsmarker, der bei Frischhonig niedrig sein soll. Frühtrachthonig mit hohem Rapsanteil musst du zügig nach der Ernte schleudern, weil er sonst im Wabenwerk kristallisiert und sich nicht mehr herausschleudern lässt.

Sieben, Klären und Abschäumen

Warum muss der Honig gesiebt und geklärt werden?

Frisch geschleuderter Honig enthält Wachsteilchen, kleine Deckelreste und manchmal Bienenteile. Diese Trübstoffe entfernst du durch Sieben und anschließendes Klären, damit ein sauberer, ansprechender Honig ins Glas kommt. Zuerst läuft der Honig durch ein Doppelsieb aus grobem und feinem Sieb.

Nach dem groben Sieben füllst du den Honig in einen Klärbehälter oder Honigeimer mit Quetschhahn und lässt ihn ein bis zwei Tage ruhen. In dieser Zeit steigen die feinen Wachs- und Luftteilchen nach oben und bilden einen Schaum, den du mit einer Klärfolie oder durch Abschäumen mit einem Teigschaber entfernst. Dieses Abschäumen ist wichtig für die Optik und für die Haltbarkeit, denn Schaum und Wachs an der Oberfläche fördern Feuchtigkeitsnester. Arbeite ausschließlich mit lebensmittelechten Gefäßen. Passende Honigbehälter aus lebensmittelechtem Kunststoff oder Edelstahl mit dichtem Deckel und einwandfreiem Quetschhahn sind hier Pflicht, denn Honig nimmt Fremdgerüche und Feuchtigkeit leicht auf.

Ruhen lassen, Rühren und Cremehonig

Nach dem Klären lässt du den Honig ruhen und beobachtest den Beginn der Kristallisation. Fast jeder Honig kristallisiert früher oder später, das ist ein natürlicher Vorgang und kein Fehler. Ob fein oder grob, hängt vom Zuckerverhältnis der Tracht ab. Rapshonig wird schnell und hart, Waldhonig bleibt lange flüssig.

Möchtest du einen streichzarten Cremehonig, rührst du den Honig im richtigen Moment mehrmals täglich über einige Tage, während er langsam kristallisiert. Durch das Rühren zerschlägst du die groben Zuckerkristalle und erzwingst eine feine, cremige Struktur, die nicht mehr steinhart wird. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Zu früh gerührt bleibt der Honig flüssig, zu spät ist er schon fest. Mit etwas Erfahrung und einem Rührwerk oder einem einfachen Rührstab gelingt dir ein gleichmäßiger Cremehonig, der sich hervorragend verkauft und verschenkt. Wichtig ist auch hier: sauber arbeiten, keine Luft unnötig einschlagen und den Honig nicht erwärmen.

Abfüllen und Kennzeichnung

Worauf musst du beim Abfüllen und Etikettieren achten?

Fülle den Honig blasenarm in saubere, trockene Gläser und verschließe sie sofort. Die Kennzeichnung richtet sich nach der Honigverordnung und dem Lebensmittelrecht: Verkehrsbezeichnung, Füllmenge, Mindesthaltbarkeit, dein Name und deine Anschrift sowie das Ursprungsland gehören auf jedes Etikett.

Reinige und trockne deine Honiggläser gründlich, denn Restfeuchte oder Spülmittelreste ruinieren dir die Qualität. Fülle möglichst luftblasenfrei ab, indem du den Quetschhahn tief ins Glas hältst und langsam laufen lässt. Wenn du Honig verkaufst, brauchst du korrekte Etiketten und musst die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Vermarktest du unter dem Siegel des Imkerbundes, kommen die strengeren Verbandsvorgaben hinzu, etwa der Wassergehalt unter 18 Prozent, die schonende Verarbeitung und der niedrige HMF-Wert. Für den Eigenbedarf oder das Verschenken an Freunde reichen Sauberkeit und ehrliche Angaben, aber gewöhne dir von Beginn an eine korrekte, vollständige Kennzeichnung an. Größere Mengen bewahrst du bis zum Abfüllen in einem großen, dicht schließenden Vorratsgefäß auf und füllst nach Bedarf um.

Ein Erntetag von früh bis spät: der praktische Ablauf

Damit du ein Gefühl für den Gesamtablauf bekommst, hier ein typischer Erntetag im Zusammenhang. Am Vorabend, oder besser ein bis zwei Tage vorher, hast du entweder die Bienenflucht eingelegt oder dich fürs Abkehren am Erntetag entschieden. Du hast deinen Schleuderraum vorbereitet, die Schleuder gereinigt und getrocknet, Doppelsieb, Entdeckelungsgeschirr, Klärbehälter und ausreichend Gefäße bereitgestellt und die Fenster fliegensicher gemacht. Am Morgen prüfst du das Wetter: Es soll trocken und warm sein, die Bienen sollen fliegen.

Du gehst an den Stand, öffnest das erste Volk und nimmst den Honigraum ab. Wenn du eine Bienenflucht gelegt hast, ist er weitgehend bienenfrei, und du kannst ihn direkt in den dichten Transportkasten setzen und abdecken. Andernfalls ziehst du Wabe für Wabe, prüfst die Verdeckelung, machst stichprobenartig die Spritzprobe und kehrst die Bienen mit dem Bienenbesen ab. Reife, verdeckelte Waben wandern in den Transportkasten, unreife oder zu feuchte Waben lässt du im Volk. Du deckst alles sofort ab, um keine Räuberei auszulösen, und arbeitest zügig. Danach schließt du das Volk und wiederholst das beim nächsten. Immer nur ein Volk gleichzeitig offen halten.

Im Schleuderraum misst du zuerst mit dem Refraktometer den Wassergehalt an mehreren Waben. Liegst du sicher unter 18 Prozent, geht es los. Du stellst das Entdeckelungsgeschirr auf, nimmst die erste Wabe, entdeckelst beide Seiten sorgfältig mit Gabel oder Messer und stellst sie in die Schleuder. Du beladest die Schleuder ausgewogen, damit sie nicht unwuchtig läuft, startest langsam und steigerst die Drehzahl. Bei der Tangentialschleuder wendest du die Waben zwischendurch. Ist der Honig heraus, öffnest du den Quetschhahn und lässt ihn durch das Doppelsieb in den Klärbehälter laufen. Die leeren Waben sammelst du getrennt, sie kommen später zum Ausschlecken zurück zu den Völkern oder werden gelagert.

Ist alles geschleudert, deckst du den Klärbehälter ab und lässt den Honig ein bis zwei Tage ruhen. Danach schäumst du den aufgestiegenen Schaum ab, prüfst gegebenenfalls noch einmal, ob du rühren willst, und füllst schließlich in saubere Gläser ab. Du etikettierst korrekt und lagerst die Gläser kühl, dunkel und trocken. Am selben oder nächsten Tag reinigst du alle Geräte gründlich mit warmem Wasser, denn eingetrockneter Honig ist mühsam zu entfernen, und Sauberkeit ist die Grundlage jeder guten Honigqualität. Zum Schluss denkst du an die Völker: Nach der letzten Ernte beginnt die Auffütterung und die Vorbereitung auf den Winter.

Wassergehalt und Lagerung: warum unreifer Honig gärt

Warum gärt Honig mit zu hohem Wassergehalt?

Honig ist von Natur aus mit hefeartigen Mikroorganismen besiedelt. Solange der Wassergehalt niedrig ist, bindet der hohe Zuckergehalt das verfügbare Wasser osmotisch, und die Hefen können sich nicht vermehren. Steigt der Wassergehalt über etwa 18 Prozent, finden die Hefen genug freies Wasser und beginnen zu gären.

Bei der Gärung entstehen Alkohol, Kohlensäure und Fehlaromen, der Honig wird ungenießbar und der Deckel kann sich vom Gasdruck wölben. Deshalb ist der Wassergehalt der wichtigste einzelne Qualitätsparameter überhaupt. Lagere deinen Honig kühl, dunkel und trocken in fest verschlossenen Gefäßen, denn Honig ist hygroskopisch und zieht offene Feuchtigkeit aus der Luft. Direkte Sonne, Wärme und Feuchtigkeit sind seine Feinde. Richtig geerntet und gelagert hält sich Honig praktisch unbegrenzt, ohne zu verderben.

Hygiene beim Ernten

Honig ist ein Lebensmittel, und du behandelst ihn von der ersten bis zur letzten Minute so. Alle Gefäße, Werkzeuge und Flächen, die mit Honig in Kontakt kommen, müssen lebensmittelecht, sauber und trocken sein. Wasche dir die Hände, trage saubere Kleidung, benutze keine rostigen oder verkratzten Behälter und halte den Schleuderraum frei von Fremdgerüchen wie Reinigungsmitteln, Farbe oder Diesel.

Zur Hygiene gehört auch die Wabenhygiene im Volk selbst. Nur aus gesunden, hellen und sauberen Honigwaben erntest du einwandfreien Honig. Vermeide es, Waben aus dem Brutnest oder alte, dunkle Waben zum Honigen zu verwenden. Ein regelmäßiger Wabenwechsel und eine konsequente Wabenhygiene beugen Krankheiten vor und sorgen für reinen Honig. Verwende im Honigraum möglichst frisch ausgebaute Waben, die nie zur Brut gedient haben, dann ist der Honig hell und rein.

Nach der Ernte: Auffüttern und Einwinterung

Was passiert direkt nach der letzten Honigernte?

Nach der letzten Ernte hast du den Bienen ihre Wintervorräte genommen und musst sie ersetzen. Du beginnst zeitnah mit der Auffütterung, damit die Völker genug Winterfutter einlagern und die Winterbienen gut versorgt heranwachsen. Verzögerst du das, riskierst du Verluste im Winter.

Als Futter dienst du je nach Betriebsweise fertiges Sirupfutter oder selbst angerührtes Zuckerwasser. Passendes Bienenfutter gibst du in mehreren Portionen, damit die Bienen es verarbeiten und einlagern können, ohne das Brutnest zu verhonigen. Parallel gehört die Varroabehandlung in den Spätsommer. Sobald die Honigräume ab sind, kannst du gegen die Varroamilbe vorgehen, klassisch mit organischen Säuren wie Ameisensäure, weil du jetzt keinen Honig mehr erntest, der belastet werden könnte. Auch der Einsatz eines Drohnenrahmens über die Saison hilft, den Milbendruck biotechnisch zu senken. Die Ernte ist also nicht das Ende, sondern der Startschuss für die Vorbereitung des kommenden Bienenjahres, zu dem bei größeren Betrieben auch die Königinnenzucht und die Jungvolkbildung gehören.

Typische Anfängerfehler bei der Honigernte

Der mit Abstand häufigste Fehler ist zu frühes Ernten. Aus Ungeduld oder Terminstress wird Honig geschleudert, der noch zu feucht ist, und die Ernte gärt später im Glas. Miss immer den Wassergehalt und verlasse dich nicht allein auf die Optik. Der zweite große Fehler ist unhygienisches Arbeiten: schmutzige Geräte, feuchte Gläser, Fremdgerüche im Raum. Der dritte Fehler ist falsche Temperatur, entweder zu kalter Honig, der nicht sauber ausschleudert, oder überhitzter Honig, der seine Qualität verliert.

Weitere klassische Fehler sind das Auslösen von Räuberei durch offenes, unbeaufsichtigtes Hantieren mit Honigwaben, das Schleudern mit zu hoher Anfangsdrehzahl mit Wabenbruch als Folge, unvollständiges Entdeckeln mit Ertragsverlust und das Vergessen des Abschäumens, wodurch der Honig unschön und feuchtigkeitsanfällig wird. Auch beim Auffüttern nach der Ernte wird oft zu spät oder zu wenig gefüttert. Wenn du diese Punkte kennst und beherzigst, hebst du deine Honigqualität sofort auf ein solides Niveau. Wenn du gerade erst einsteigst, lohnt sich ein Blick in unseren Überblicksbeitrag zum Thema Imkern für Anfänger, der die Grundlagen von der ersten Beute bis zum ersten Honig zusammenfasst.

Häufige Fragen zur Honigernte

Wie viel Honig kann ich pro Volk erwarten?

Das schwankt stark nach Region, Tracht, Wetter und Betriebsweise. In einem durchschnittlichen Jahr sind über beide Ernten hinweg etwa zwanzig bis vierzig Kilogramm pro Wirtschaftsvolk realistisch. In sehr guten Trachtjahren und starken Völkern kann es deutlich mehr sein, in schlechten Jahren auch spürbar weniger. Als Anfänger mit jungen Völkern rechnest du im ersten Jahr besser mit wenig oder gar keinem Honig, weil die Völker sich erst aufbauen müssen.

Muss ich Honig erhitzen, um ihn haltbar zu machen?

Nein, im Gegenteil. Honig ist von Natur aus lange haltbar und darf nicht erhitzt werden. Erwärmung über etwa vierzig Grad zerstört Enzyme und Aromen und treibt den HMF-Wert nach oben, ein Zeichen für Überhitzung. Reifer, sauber geernteter Honig mit niedrigem Wassergehalt braucht keine Konservierung. Wenn kristallisierter Honig wieder verflüssigt werden soll, geschieht das schonend im Wasserbad bei unter vierzig Grad, niemals in der Mikrowelle oder auf dem Herd.

Kann ich ohne Schleuder ernten?

Ja. Ohne Honigschleuder kannst du Stampfhonig oder Presshonig herstellen. Dabei zerdrückst oder zerkleinerst du die entdeckelten Waben und lässt den Honig durch ein Sieb oder Tuch ablaufen, beim Pressen mit einer Honigpresse unter Druck. Das Wabenwerk geht dabei verloren und muss neu aufgebaut werden, deshalb ist die Ausbeute an wiederverwendbaren Waben null. Für Einsteiger mit einem oder zwei Völkern kann das aber ein günstiger Start ohne teure Technik sein. Alternativ gibt es Scheibenhonig oder Wabenhonig, bei dem die verdeckelte Wabe im Ganzen verzehrt wird.

Wie lange ist selbst geernteter Honig haltbar?

Richtig geerntet und gelagert ist Honig praktisch unbegrenzt haltbar, weil sein hoher Zuckergehalt und niedriger Wassergehalt Mikroorganismen keinen Nährboden bieten. Aus rechtlichen Gründen gibst du auf dem Etikett trotzdem ein Mindesthaltbarkeitsdatum an, üblich sind zwei Jahre ab Abfüllung. Kühl, dunkel und trocken gelagert bleibt die Qualität lange erhalten, wenn auch Aroma und Farbe über die Jahre leicht nachlassen.

Wann kann ich das erste Mal im Jahr ernten?

Die erste Ernte ist meist die Frühtracht rund um Ende Mai bis Mitte Juni, sobald die Frühjahrsblüte abgeschlossen und der Honig ausreichend verdeckelt und entwässert ist. In wärmeren Regionen und Jahren kann es früher sein, in kühleren Lagen später. Entscheidend bleibt immer die Reife, nicht das Datum. Miss den Wassergehalt und prüfe die Verdeckelung, dann weißt du, ob es soweit ist.

Brauche ich zwingend ein Refraktometer?

Für zuverlässige Qualität ja. Die Spritzprobe und die Verdeckelung geben Hinweise, aber nur die Messung sagt dir den tatsächlichen Wassergehalt. Ein einfaches Honig-Refraktometer ist überschaubar teuer und die vermutlich wichtigste Einzelinvestition für lagerstabilen Honig. Gerade als Anfänger ersparst du dir damit die bittere Erfahrung einer gärenden Ernte.

Fazit

Eine gelungene Honigernte steht und fällt mit der Reife und der Sauberkeit. Ernte nur verdeckelten Honig mit einem gemessenen Wassergehalt unter 18 Prozent, wähle einen warmen, trockenen Erntetag, trenne die Bienen schonend von den Waben und arbeite von der Entdeckelung über das Schleudern bis zum Abfüllen konsequent hygienisch und ohne Überhitzung. Wer den Wassergehalt im Blick behält, sauber arbeitet und nach der Ernte zügig auffüttert und die Varroa im Auge behält, erntet Jahr für Jahr aromatischen, lagerstabilen Honig und führt seine Völker gesund in den Winter. Mit der richtigen Ausstattung, etwas Übung und der Beachtung der typischen Fehler wird die Honigernte vom Nervenkitzel zum verlässlichen Höhepunkt deines Imkerjahres.

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