Was ist eine Winterbiene? – Eine Winterbiene ist eine im Spätsommer und Herbst geschlüpfte Arbeiterin, die durch einen stark ausgeprägten Fettkörper und einen hohen Gehalt des Speicherproteins Vitellogenin mehrere Monate lebt und so das Bienenvolk durch den Winter trägt. Sie unterscheidet sich physiologisch deutlich von der kurzlebigen Sommerbiene.
Winterbienen, auch Langlebigkeitsbienen oder „lange Bienen" genannt, sind der Schlüssel zur erfolgreichen Überwinterung eines Bienenvolkes. Während die Sommerbiene nur wenige Wochen lebt und sich in der Tracht regelrecht verausgabt, ist die Winterbiene darauf ausgelegt, die brutfreie oder brutarme kalte Jahreszeit zu überstehen und im Spätwinter die erste neue Generation aufzuziehen. Wer imkert, muss die Aufzucht dieser Bienen aktiv fördern – vor allem durch rechtzeitige Varroabehandlung und eine gute Herbstfütterung.
Wie lange lebt eine Winterbiene?
Eine Winterbiene lebt je nach Volk und Bedingungen etwa sechs bis acht Monate, während eine Sommerbiene in der Hochsaison meist nur vier bis sechs Wochen alt wird. Diese enorme Spanne erklärt sich aus dem Stoffwechsel: Die Sommerbiene arbeitet unter Volllast als Sammlerin und verschleißt schnell, die Winterbiene dagegen fährt ihren Stoffwechsel herunter, zehrt von ihren Reserven und spart Kräfte.
Möglich wird das durch den ausgeprägten Fettkörper und den hohen Vitellogenin-Gehalt der Winterbiene. Vitellogenin ist ein Speicher- und Schutzprotein, das nicht nur als Nahrungsreserve dient, sondern auch das Immunsystem stärkt und den Alterungsprozess verlangsamt. Winterbienen bilden zudem ihre Futtersaftdrüsen kaum ab, sodass sie im Spätwinter sofort wieder mit dem Füttern der neuen Brut beginnen können.
Wann und wie entstehen Winterbienen?
Winterbienen entstehen im Spätsommer und Herbst, wenn die Tracht nachlässt, die Tage kürzer werden und das Volk beginnt, weniger, dafür langlebigere Bienen aufzuziehen. Die genaue Umstellung hängt von Faktoren wie Tageslänge, Temperatur, Pollenangebot und dem Rückgang der Brutmenge ab. Grob gesprochen sind es die von etwa August bis Oktober geschlüpften Bienen, die als Winterbienen in die kalte Jahreszeit gehen.
Entscheidend ist, dass diese jungen Bienen in ihren ersten Lebenstagen genug Pollen und Futter bekommen und nicht sofort mit Schwerstarbeit belastet werden. Eiweiß aus Pollen ist die Grundlage für den Aufbau des Fettkörpers. Ein Volk, das im Spätsommer unter Pollenmangel, starkem Varroabefall oder Futterstress leidet, zieht weniger und schwächere Winterbienen heran – mit oft fatalen Folgen im Februar und März.
Worin unterscheidet sich die Winterbiene von der Sommerbiene?
Der wichtigste Unterschied liegt im Stoffwechsel und in der Lebensdauer: Die Winterbiene hat einen großen Fettkörper, viel Vitellogenin und lebt Monate, die Sommerbiene ist schlank, arbeitsintensiv und lebt nur Wochen. Äußerlich sehen beide gleich aus – der Unterschied ist physiologisch und ergibt sich aus dem Zeitpunkt und den Bedingungen des Schlupfs.
Ein weiterer Unterschied ist die Aufgabe. Die Sommerbiene durchläuft rasch alle Tätigkeiten von der Ammenbiene bis zur Sammlerin. Die Winterbiene dagegen bleibt weitgehend im Stock, beteiligt sich an der Wärmeregulierung der Wintertraube und hält ihre Drüsen und Reserven für den Frühjahrsstart bereit. Sie ist damit weniger eine Arbeiterin im klassischen Sinn als vielmehr eine Überbrückungs- und Aufbaubiene für das kommende Jahr.
Welche Rolle spielt die Winterbiene für die Überwinterung?
Die Winterbienen bilden gemeinsam die Wintertraube, halten deren Kern durch Muskelzittern warm und sichern so das Überleben von Königin und Volk bei Frost. Je mehr gesunde, fette Winterbienen ein Volk hat, desto stabiler ist die Traube und desto sicherer übersteht es auch lange Kälteperioden. Ein Volk mit zu wenigen oder geschwächten Winterbienen kühlt aus oder bricht im Spätwinter zusammen.
Genauso wichtig ist ihre Rolle beim Neustart: Die Winterbienen ziehen ab dem Spätwinter die ersten Frühjahrsbienen auf, bevor sie selbst absterben. Diese Übergabe von der alten Wintergeneration an die neue Sommergeneration ist ein kritischer Moment im Bienenjahr. Reicht die Zahl der Winterbienen nicht aus, um gleichzeitig die Traube zu halten und Brut zu pflegen, gerät das Volk ins Straucheln.
Wie fördert der Imker gesunde Winterbienen?
Der Imker fördert gesunde Winterbienen durch die richtige Kombination aus rechtzeitiger Varroabehandlung und guter Herbstfütterung. Die Varroamilbe und die von ihr übertragenen Viren schädigen gerade die Winterbienen und verkürzen ihre Lebensdauer drastisch, deshalb muss der Milbendruck vor und während der Aufzucht der Winterbienen niedrig sein. Wie du das Volk im Spätsommer und Herbst mit Sirup und Zucker versorgst, liest du im Ratgeber Bienen im Herbst auffüttern.
Die Fütterung selbst muss früh, zügig und schonend erfolgen, damit die jungen Winterbienen ihre Kräfte nicht schon im Herbst mit dem Umtragen großer Futtermengen verbrauchen. Fertiger Futtersirup auf Invertzuckerbasis ist hier besonders schonend, weil ihn die Bienen kaum noch verarbeiten müssen. Eine passende Auswahl an Sirup und Zucker findest du in der Kategorie Bienenfutter. Ebenso wichtig ist ein gutes Pollenangebot im Spätsommer, denn ohne Eiweiß kein Fettkörper – ein Standort mit später Tracht ist hier klar im Vorteil.
Was ist die Wintertraube und welche Rolle spielen Winterbienen darin?
Die Wintertraube ist die dichte Kugel, zu der sich das Bienenvolk bei Kälte zusammenzieht, und sie besteht fast ausschließlich aus Winterbienen. Sinken die Temperaturen, rücken die Bienen eng zusammen und bilden eine isolierende Außenschicht aus dicht sitzenden Tieren sowie einen wärmeren Kern, in dem sich die Königin befindet. Durch das Zittern ihrer Flugmuskulatur erzeugen die Bienen im Inneren Wärme, ohne zu fliegen.
Damit dieses System funktioniert, braucht es eine ausreichende Zahl gesunder Winterbienen. Ist die Traube zu klein, kann sie den Kern nicht mehr warm halten, und das Volk erfriert oder verhungert, weil es den Vorrat auf den Nachbarwaben bei Frost nicht mehr erreicht. Die Bienen wandern im Laufe des Winters langsam durch ihren Futtervorrat – deshalb ist neben der Zahl der Winterbienen auch die richtige Lage des Winterfutters entscheidend. Reserven werden dabei ständig umgesetzt, weshalb ein starkes, gut genährtes Volk deutlich sicherer überwintert als ein schwaches.
Warum ist Pollen für die Bildung von Winterbienen so wichtig?
Pollen liefert das Eiweiß, aus dem die jungen Bienen ihren Fettkörper und ihre Eiweißreserven aufbauen – ohne ausreichendes Pollenangebot im Spätsommer entstehen keine hochwertigen Winterbienen. Während Zucker beziehungsweise Nektar der Energieträger ist, ist Pollen die Proteinquelle. Genau dieses Protein wird in Form von Vitellogenin und im Fettkörper eingelagert und macht die Langlebigkeit der Winterbiene erst möglich.
Für die Praxis heißt das: Ein Standort mit später Tracht wie Efeu oder blühenden Zwischenfrüchten ist im Spätsommer ein echter Vorteil, weil er den Bienen frischen Pollen bietet. Fehlt Pollen, ziehen die Völker zwar noch Bienen auf, diese sind aber physiologisch schlechter ausgestattet und sterben früher. Deshalb achten erfahrene Imker nicht nur auf die Zuckerfütterung, sondern auch bewusst auf das Pollenangebot ihrer Standorte in den entscheidenden Wochen der Winterbienenaufzucht.
Warum sterben Winterbienen im Frühjahr?
Winterbienen sterben im Frühjahr, weil sie ihre Aufgabe erfüllt haben: Sie haben das Volk durch den Winter getragen und die erste neue Brut aufgezogen, und mit dem Verbrauch ihrer Reserven endet ihre lange Lebensspanne. Der sogenannte Frühjahrshöhepunkt der Volksentwicklung fällt mit dem allmählichen Absterben der letzten Winterbienen zusammen.
Kritisch wird es, wenn die Winterbienen zu früh oder in zu großer Zahl absterben, bevor genügend neue Frühjahrsbienen geschlüpft sind – dann kann das Volk regelrecht ausdünnen oder im ungünstigsten Fall zusammenbrechen. Das passiert besonders dann, wenn die Winterbienen durch Varroa und Viren geschädigt waren und ihre eigentlich lange Lebensdauer nicht erreichen konnten. Auch hier zeigt sich wieder: Die Weichen für einen gesunden Übergang ins Frühjahr werden bereits im Spätsommer des Vorjahres gestellt.
Zusammengefasst hängt die Qualität der Winterbienen an drei Stellschrauben: einem niedrigen Varroabefall, einem ausreichenden Pollen- und Futterangebot im richtigen Zeitfenster und einer ruhigen, ungestörten Aufzucht. Wer diese Faktoren im Spätsommer im Griff hat, bringt ein starkes, vitales Volk durch den Winter – und legt damit die Grundlage für einen kräftigen Start ins nächste Frühjahr.