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Bienen im Herbst auffüttern

Wer seine Bienen im Herbst richtig auffüttert, entscheidet über Leben und Tod des Volkes im nächsten Frühjahr. Nach der letzten Honigernte nimmst du den Bienen ihren Wintervorrat weg – und musst ihn durch bienengerechtes Futter ersetzen, bevor die Nächte kalt werden. Dieser Ratgeber zeigt dir aus der Praxis, wann du füttern musst, wie viel Futter ein Volk wirklich braucht, welches Futter sich eignet und welche Fehler jedes Jahr Völker kosten. Wenn du diese Punkte beherrschst, gehen deine Bienen stark, gesund und satt in den Winter.

Die zweite Jahreshälfte ist für das Bienenvolk der wichtigste Abschnitt überhaupt, denn jetzt zieht das Volk die Generation heran, die den ganzen Winter überstehen muss. Diese sogenannten Winterbienen sind physiologisch völlig anders gebaut als die kurzlebigen Sommerbienen, und ob sie fett und gesund werden, hängt direkt davon ab, wie und womit du fütterst. Wenn du gerade erst anfängst, lies parallel unseren Einstieg Imkern für Anfänger, dort ordnen wir das Bienenjahr im Überblick ein.

Warum musst du deine Bienen im Herbst überhaupt auffüttern?

Du fütterst im Herbst, weil du dem Volk mit der Honigernte seine eigenen Wintervorräte entnommen hast und diese Lücke schließen musst, damit die Bienen bis zum ersten Frühjahrsblüher genug zu fressen haben. Ein Volk verbraucht über den Winter je nach Größe, Standort und Rasse eine erhebliche Menge Futter – und wenn es im Februar oder März leer ist, verhungert es innerhalb weniger Tage, oft nur wenige Zentimeter neben vollen Waben, weil es die Wintertraube bei Kälte nicht verlassen kann.

In der Natur würde ein wildes Bienenvolk seinen eigenen Honig als Wintervorrat behalten. Der Imker aber erntet den Sommerhonig ab und gibt dem Volk als Ersatz ein Zuckerfutter, das die Bienen einlagern und über den Winter verzehren. Das ist kein Widerspruch zur Bienenhaltung, sondern gerade ihr Kern: Du nimmst den Überschuss und sorgst dafür, dass genug Winterfutter im Kasten bleibt. Wie du dabei sauber erntest, ohne Winterfutter mit Honig zu vermischen, beschreiben wir in Honigernte Schritt für Schritt. Das passende Werkzeug rund um Schleuder, Sieb und Abfüllung findest du in der Kategorie Honigverarbeitung.

Ein zweiter, oft unterschätzter Grund: Das Herbstfutter ist die Grundlage für die Aufzucht der Winterbienen. Ohne ein sicheres, kontinuierliches Nahrungsangebot stellt die Königin die Eiablage zu früh ein, und das Volk zieht zu wenige oder zu schwache langlebige Bienen heran. Die richtige Fütterung ist damit nicht nur Vorratshaltung, sondern aktive Volksführung.

Was sind Winterbienen – und was hat das mit der Fütterung zu tun?

Winterbienen sind die im Spätsommer und Herbst geschlüpften Arbeiterinnen, die einen stark ausgeprägten Fettkörper und viel des Speicherproteins Vitellogenin einlagern und deshalb sechs bis acht Monate leben – ein Vielfaches der vier bis sechs Wochen einer Sommerbiene. Sie überbrücken die brutfreie oder brutarme Zeit, halten die Wintertraube warm und ziehen im Spätwinter die erste neue Brut auf. Genau diese Bienen entstehen im Zeitfenster deiner Herbstpflege.

Der Zusammenhang zur Fütterung ist direkt: Die jungen Bienen bauen ihren Fettkörper vor allem auf, wenn sie in den ersten Lebenstagen ausreichend Pollen und Futter bekommen und wenn sie sich nicht schon als Jungbienen mit der Verarbeitung großer Futtermengen verausgaben müssen. Deshalb gilt die Faustregel: früh, zügig und in wenigen kräftigen Gaben füttern, damit die im September und Oktober schlüpfenden Bienen geschont werden. Fütterst du zu spät und zu tröpfchenweise, verheizen deine wertvollen Winterbienen ihre Reserven schon im Herbst mit dem Umtragen und Eindicken des Futters. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau stellt in ihrem Merkblatt zur Spätsommerpflege ausdrücklich die Aufzucht gesunder Winterbienen in den Mittelpunkt des neuen Bienenjahres (Fachzentrum Bienen, LWG Veitshöchheim).

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Auffüttern?

Der beste Zeitpunkt ist unmittelbar nach der letzten Honigernte und der ersten Varroabehandlung, in vielen Regionen also von Anfang August bis spätestens Mitte oder Ende September. Entscheidend ist nicht das Kalenderdatum, sondern die Reihenfolge: erst abernten, dann gegen die Varroamilbe behandeln, dann auffüttern – und die Hauptfuttermenge sollte gegeben sein, solange die Bienen bei milden Temperaturen noch flüssiges Futter zügig abnehmen und eindicken können.

Warum so früh? Weil die Winterbienen, die dein Futter einlagern und deckeln sollen, dafür fit sein müssen. Verschiebst du die Fütterung in den kalten Oktober, sinkt die Abnahme, das Futter wird schlecht eingedickt und verdeckelt, und die Bienen arbeiten sich an einer Aufgabe ab, die sie eigentlich geschont überstehen sollten. Ein weiterer Grund ist die Varroabehandlung: Die Behandlung gehört zeitlich vor die Hauptfütterung, weil du die Winterbienen milbenarm heranziehen willst. Wie das im Detail läuft, liest du in Varroabehandlung im Sommer; den späteren Behandlungsschritt in der brutfreien Zeit erklärt der Glossarbegriff Winterbehandlung.

Ein kleiner, aber wirkungsvoller Praxistrick: Gib nicht die gesamte Futtermenge auf einmal, sondern in zwei bis drei kräftigen Portionen im Abstand weniger Tage. So bleibt genug Platz zum Umtragen, die Bienen deckeln zuverlässig, und du verhinderst, dass das Brutnest komplett mit Futter zugepflastert wird, bevor die letzten Winterbienen geschlüpft sind.

Wie viel Futter braucht ein Bienenvolk für den Winter?

Als grobe Orientierung braucht ein durchschnittlich starkes Wirtschaftsvolk je nach Beute, Region und Rasse etwa fünfzehn bis achtzehn Kilogramm Winterfutter, schwächere Völker und kleinere Beutensysteme entsprechend weniger. Diese Zahl ist keine feste Formel, sondern ein Startwert, den du an deinen Standort anpassen musst – ein langer, milder Winter mit Flugtagen und früher Frühjahrsbrut zehrt mehr am Vorrat als ein kurzer, kalter Winter mit langer Brutpause.

Wichtiger als die exakte Kilozahl ist, dass du das Volk wiegst oder das Gewicht abschätzt und den Vorrat im Blick behältst. Viele Imker führen dazu eine einfache Stockkarte und heben die Beute im Herbst und noch einmal im Spätwinter kurz an, um zu prüfen, ob genug Gewicht drin ist. Ergänzend zählt, ob dein Standort späte Trachtquellen wie Efeu bietet, die den Bienen im Oktober noch etwas Nektar und Pollen liefern. Grundsätzlich gilt: Lieber etwas mehr Vorrat als zu wenig, denn ein Zuviel schadet im Herbst kaum, ein Zuwenig kostet im Februar das Volk. Achte aber darauf, dem Brutnest nicht jeden freien Platz zu nehmen, damit die Königin bis zum Schluss legen kann.

Behalte auch die Beutenkonstruktion im Kopf: In hohen Zargen oder Dadant-Beuten verteilt sich das Futter anders als in flachen Kästen. Wenn du dein Beutensystem noch aufbaust oder erweiterst, findest du passende Systeme und Zargen in der Kategorie Bienenkästen.

Welches Futter eignet sich zum Auffüttern – Sirup, Zuckerwasser oder Teig?

Zum Auffüttern eignen sich fertiger Futtersirup, selbst angerührtes Zuckerwasser und Futterteig, wobei jede Form ihre eigene Rolle im Herbst hat. Für die zügige Hauptfütterung im Spätsommer sind flüssige Futter am besten, weil die Bienen sie schnell aufnehmen, einlagern und verdeckeln; Teig kommt eher als späte Ergänzung oder als Notfutter bei Kälte zum Einsatz.

Fertiger Futtersirup auf Basis von Invertzucker ist praktisch, hygienisch und bienengerecht, weil er bereits in aufgeschlossener Form vorliegt und von den Bienen kaum noch verarbeitet werden muss – das schont deine Winterbienen. Eine breite Auswahl an gebrauchsfertigem Sirup und Zucker findest du in der Kategorie Bienenfutter. Selbst angerührtes Zuckerwasser ist die günstige Alternative: Für die Herbstfütterung mischst du üblicherweise drei Teile Haushaltszucker auf zwei Teile Wasser, also eine dickflüssige Lösung, die die Bienen mit wenig Aufwand eindicken können. Rühre den Zucker mit warmem, nicht kochendem Wasser an und koche die Lösung keinesfalls – dazu gleich mehr.

Futterteig beziehungsweise Fondant ist ein fester Zuckerteig, den die Bienen anfeuchten und aufnehmen. Er eignet sich hervorragend als Reizfutter im Frühjahr, als Notfütterung mitten im Winter oder als späte Ergänzung, wenn es für flüssiges Futter schon zu kalt geworden ist. Für die zügige Herbst-Hauptmenge ist Teig aber langsamer als Sirup. Merke dir die einfache Regel: Sirup und Zuckerwasser für das große Auffüttern im Spätsommer, Teig für die Ergänzung und den Notfall.

Warum darfst du Zuckerwasser nicht kochen?

Du darfst die Zuckerlösung nicht kochen, weil bei zu starker Erhitzung – und besonders in Verbindung mit Säure – der für Bienen giftige Stoff Hydroxymethylfurfural, kurz HMF, entsteht. HMF schädigt die Darmzellen der Bienen und kann bei höheren Konzentrationen zu Verlusten führen, gerade über den langen Winter, wenn die Bienen das Futter dauerhaft aufnehmen.

Das Institut für Bienenkunde Celle des LAVES empfiehlt in seinem Merkblatt zur Zusammensetzung von bienengerechtem Futter, den HMF-Gehalt niedrig zu halten, und nennt konkrete Grenzwerte für gute Futterqualität (LAVES Institut für Bienenkunde Celle). Praktisch heißt das für dich: Verwende sauberen Haushaltszucker oder gebrauchsfertigen Bienensirup, löse selbst angerührtes Futter nur mit warmem Wasser, nie kochend, und mische keine Säure ins Zuckerwasser. Fertiger Invertsirup nimmt dir dieses Risiko komplett ab, weil er kontrolliert hergestellt und auf niedrigen HMF-Gehalt geprüft ist. Verzichte außerdem vollständig auf Honig aus fremden Völkern oder gekauften Speisehonig als Futter – über solchen Honig können Krankheitserreger wie die Amerikanische Faulbrut eingeschleppt werden.

Wie fütterst du praktisch – Schritt für Schritt?

Praktisch fütterst du, indem du das flüssige Futter in einem geeigneten Behälter oberhalb oder neben dem Bienensitz anbietest, sodass die Bienen es geschützt und ohne Verluste aufnehmen können. Am gängigsten sind Aufsetzfütterer, die als flache Zarge oben auf die Beute kommen, sowie Futtertaschen, die anstelle einer Randwabe in die Zarge gehängt werden, und einfache Futtereimer mit gelochtem Deckel, die kopfüber über dem Volk stehen.

Der Ablauf in der Praxis: Nach der Honigernte und der ersten Varroabehandlung setzt du den Fütterer auf, füllst die erste kräftige Portion Sirup oder Zuckerwasser ein und legst bei offenen Behältern eine Aufstiegshilfe wie ein Stück Holz oder Schwimmkork hinein, damit keine Bienen ertrinken. Du kontrollierst nach ein bis zwei Tagen die Abnahme und füllst nach, bis die Zielmenge erreicht ist. Die passenden Fütterer, Futtertaschen und weiteres Handwerkszeug für diesen Arbeitsschritt findest du gebündelt in der Kategorie Imkerwerkzeuge.

Fütter grundsätzlich am späten Abend oder in der Dämmerung. Dann fliegen kaum noch Bienen, das Futter wird über Nacht ruhig eingetragen, und du provozierst keine Aufregung am Flugloch. Arbeite sauber und verschütte nichts im oder am Bienenstand, denn jeder Tropfen Futter außerhalb der Beute lockt Räuberinnen und Wespen an. Reinige benutzte Fütterer zwischen den Gaben und lass keine leeren, noch nach Futter riechenden Behälter offen herumstehen.

Wie verhinderst du Räuberei während der Fütterung?

Räuberei verhinderst du, indem du im Spätsommer die Fluglöcher der Völker verkleinerst, ausschließlich abends und geschlossen fütterst und peinlich darauf achtest, dass kein Futter außerhalb der Beute zugänglich ist. Im Spätsommer herrscht draußen oft Trachtmangel, die Völker sind gereizt, und der Futtergeruch macht schwache Völker zur leichten Beute für starke Nachbarvölker und Wespen.

Die Trachtlücke ist der eigentliche Auslöser: Wenn nichts mehr blüht, suchen die Sammlerinnen aggressiv nach jeder Zuckerquelle. Deshalb gilt in dieser Zeit besondere Vorsicht. Verkleinere die Fluglöcher schwacher Völker mit einem Fluglochkeil, öffne die Beuten nur so kurz wie nötig, und stelle keine offenen Futterbehälter am Stand ab. Was Räuberei genau ist, wie du sie erkennst und stoppst, erklärt der Glossarbegriff Räuberei. Achte gerade jetzt auch auf die Volksstärke: Sehr schwache Völker vereinigst du besser rechtzeitig, statt sie mühsam gegen Räuber und Winter durchzubringen.

Was passiert bei zu kaltem Wetter?

Bei kaltem Wetter nehmen die Bienen flüssiges Futter nur noch schlecht oder gar nicht mehr ab, weil sie ab etwa zehn Grad und darunter kaum noch aus der Traube kommen, um Futter umzutragen. Genau deshalb muss die flüssige Hauptfütterung früh abgeschlossen sein – wer erst im kühlen Oktober beginnt, riskiert, dass der Sirup nur langsam oder unvollständig aufgenommen wird.

Merkst du, dass es für flüssiges Futter zu spät geworden ist, wechselst du auf Futterteig. Den legst du direkt über dem Bienensitz auf die Rähmchenoberträger oder auf die Futterlücke, sodass die Bienen ihn aus der Wintertraube heraus erreichen können, ohne weite Wege zurückzulegen. Der Teig verdirbt nicht, macht keine Räuberei und ist die klassische Absicherung, wenn der Vorrat knapp ist oder du im Spätwinter nachhelfen musst. Denke aber daran: Teig ist Ergänzung, kein Ersatz für eine rechtzeitige, ausreichende Herbstfütterung mit Sirup.

Wie hängen Fütterung, Varroabehandlung und Winterbienen zusammen?

Fütterung und Varroabehandlung greifen im Spätsommer eng ineinander, weil beide dasselbe Ziel haben: eine große Zahl gesunder, langlebiger Winterbienen. Sind die Völker im August und September stark von der Varroamilbe und den von ihr übertragenen Viren befallen, werden die Winterbienen geschädigt, leben kürzer und die Wintertraube schrumpft – dann nützt auch das beste Futter nichts mehr.

Die bewährte Reihenfolge lautet daher: letzte Honigräume abernten, zeitnah die erste Varroabehandlung durchführen, dann auffüttern, und in der brutfreien Zeit im Winter die Restentmilbung anschließen. So ziehst du milbenarme, satte Winterbienen heran, die den Vorrat sauber verdeckeln und die Traube durch den Winter tragen. Wenn deine Völker im Herbst zu schwach sind, denke rechtzeitig über eine Vereinigung nach; die Grundlagen der Volksvermehrung und -führung findest du in Ableger bilden – Anleitung, und wie du den Bogen bis ins nächste Frühjahr schlägst, steht in Schwarmkontrolle im Frühjahr.

Sauberkeit und Wabenhygiene beim Füttern

Sauberes Arbeiten ist beim Füttern kein Luxus, sondern Krankheitsvorsorge. Zuckerreste, verschimmeltes Futter und schlecht gereinigte Fütterer sind Eintrittstore für Pilze und Krankheitserreger. Reinige deine Fütterer nach der Saison gründlich, verwende nur einwandfreie Waben für den Wintervorrat und sortiere alte, dunkle Brutwaben aus dem Vorratsbereich aus. Wie du deinen Wabenbestand konsequent gesund hältst, erklärt der Glossarbegriff Wabenhygiene.

Denk außerdem daran, dass das Futter nicht nur Menge, sondern auch Struktur braucht: Die Bienen lagern das eingedickte Futter idealerweise oberhalb und seitlich des Brutnests ein, sodass die Wintertraube sich im Winter nach oben in den Vorrat hineinfressen kann. Prüfe deshalb beim Füttern grob, ob das Futter am richtigen Ort landet, und dränge das Brutnest nicht mit zu vielen vollen Randwaben komplett zusammen, bevor die letzten Winterbienen geschlüpft sind.

Praxisteil: Der typische Fütterungsfahrplan im Herbst

In der Praxis hat sich ein einfacher Fahrplan bewährt, den du an deinen Standort anpassen kannst. Direkt nach der letzten Schleuderung räumst du die Honigräume ab und startest die erste Varroabehandlung, während die Völker noch stark und die Temperaturen hoch sind. Wenige Tage später beginnst du mit der Hauptfütterung und gibst die erste große Portion flüssiges Futter am Abend. Du kontrollierst die Abnahme, füllst in zwei bis drei Gaben nach und arbeitest dich so an die Zielmenge heran, ohne das Volk zu überfordern.

Bis Mitte, spätestens Ende September sollte der Großteil des Winterfutters im Kasten und verdeckelt sein. Anschließend hältst du die Völker im Blick: Du prüfst mit einem Anheben der Beute das Gewicht, achtest auf ruhiges Flugbild ohne Räuberei und bereitest die spätere Restentmilbung in der brutfreien Zeit vor. Reicht der Vorrat wider Erwarten nicht, hilfst du im Spätherbst oder Winter mit Futterteig direkt über der Traube nach. Alles Weitere zur eigentlichen Überwinterung – von der Fluglochverkleinerung über das Mäusegitter bis zur Ruhe am Stand – haben wir in Bienenvolk einwintern zusammengefasst, das direkt an diesen Ratgeber anschließt.

Ein Wort zur Beobachtung: Erfahrene Imker verlassen sich nicht auf ein einziges Datum, sondern lesen das Volk. Ein starkes Volk mit viel Brut nimmt mehr Futter und braucht mehr Vorrat als ein kleiner Ableger. Ein Standort mit spätem Efeu liefert zusätzliche Tracht, ein ausgeräumter Acker gar nichts. Wer diese Signale beachtet, füttert nicht nach Schema F, sondern bedarfsgerecht – und genau das unterscheidet solide Imkerei von bloßem Nachmachen.

Die häufigsten Fehler beim Auffüttern

Der teuerste Fehler ist zu spätes Füttern. Wer erst im kühlen Oktober beginnt, zwingt seine Winterbienen zur Schwerstarbeit und riskiert schlecht verdeckeltes Futter. Der zweite Klassiker ist zu wenig Futter: Wer die Menge zu knapp bemisst, verliert Völker im Spätwinter, wenn niemand mehr nachschaut. Ein dritter Fehler ist gekochtes oder mit Säure versetztes Zuckerwasser mit hohem HMF-Gehalt, das die Bienen über Monate schädigt. Vierter Fehler: tröpfchenweises Füttern in vielen Mini-Portionen, das die Bienen unnötig auf Trab hält, statt sie zu schonen. Und der fünfte, gefährlichste Fehler ist unsauberes, offenes Füttern am Tag, das Räuberei und den Kollaps schwacher Völker auslöst.

Fast alle diese Fehler lassen sich mit drei Grundsätzen vermeiden: früh und zügig füttern, ausreichend Menge geben und sauber sowie abends arbeiten. Wenn du diese drei Punkte beherzigst, ist die Herbstfütterung kein Hexenwerk, sondern eine planbare, ruhige Arbeit, die dir starke Völker im Frühjahr sichert.

FAQ – Häufige Fragen zum Auffüttern im Herbst

Wie viel Zucker brauche ich pro Volk? Als Orientierung rechnest du für ein durchschnittliches Wirtschaftsvolk mit rund fünfzehn bis achtzehn Kilogramm Winterfutter, was je nach Futterform einer entsprechenden Menge Zucker oder Fertigsirup entspricht. Kleinere Völker und flache Beuten brauchen weniger. Wichtiger als die exakte Zahl ist, dass du das Gewicht kontrollierst und im Zweifel etwas mehr gibst.

Sirup oder Zuckerwasser – was ist besser? Beides funktioniert. Fertiger Invertsirup ist bequem, hygienisch und schont die Bienen, weil er kaum noch verarbeitet werden muss. Selbst angerührtes Zuckerwasser im Verhältnis von etwa drei Teilen Zucker zu zwei Teilen Wasser ist die günstige Variante, verlangt aber sauberes Arbeiten und darf nie gekocht werden.

Kann ich mit Honig auffüttern? Mit dem eigenen, unbelasteten Honig eines gesunden Volkes ist das grundsätzlich möglich, aber fremder oder gekaufter Speisehonig ist tabu, weil darüber die Amerikanische Faulbrut und andere Erreger eingeschleppt werden können. In der Praxis fütterst du deshalb sicherheitshalber mit Zucker beziehungsweise bienengerechtem Sirup.

Bis wann muss die Fütterung abgeschlossen sein? Die flüssige Hauptfütterung sollte in den meisten Regionen bis Mitte, spätestens Ende September erledigt und das Futter weitgehend verdeckelt sein. Danach nehmen die Bienen bei sinkenden Temperaturen kaum noch flüssiges Futter ab; als Nachschlag hilft dann nur noch Futterteig.

Warum ist mein Volk trotz Fütterung schwach in den Winter gegangen? Häufig steckt ein zu hoher Varroabefall dahinter, der die Winterbienen geschädigt hat, oder eine zu späte Fütterung, die die jungen Bienen ausgezehrt hat. Fütterung und rechtzeitige Varroabehandlung müssen zusammenpassen – nur dann entstehen genügend fette, langlebige Winterbienen.

Muss ich im Winter noch einmal nachfüttern? Im Idealfall nicht, wenn du im Herbst ausreichend gefüttert hast. Kontrolliere aber im Spätwinter durch Anheben der Beute das Gewicht. Wird es knapp, legst du Futterteig direkt über die Wintertraube – flüssiges Futter ist bei Kälte ungeeignet.

Fazit

Die Herbstfütterung ist die Weiche, die du im Spätsommer für das ganze nächste Bienenjahr stellst. Wer früh nach der Ernte und der Varroabehandlung mit ausreichend bienengerechtem Futter auffüttert, zügig in wenigen Gaben arbeitet, sauber und abends füttert und die Menge kontrolliert, zieht starke, gesunde Winterbienen heran und bringt seine Völker sicher durch den Winter. Umgekehrt kostet zu spätes, zu knappes oder unsauberes Füttern jedes Jahr vermeidbar Völker. Nimm dir die Zeit, plane deinen Fütterungsfahrplan und beobachte deine Bienen – der Aufwand von wenigen Wochen im Spätsommer entscheidet über deinen Erfolg im nächsten Frühjahr. Alles rund um Sirup, Zucker und Zubehör für diesen Arbeitsschritt findest du in unserem Imker-Sortiment. Weiterführende Hintergründe zur Bedeutung des Bienenvolks über den Winter liefert der Deutsche Imkerbund (Deutscher Imkerbund e. V.).

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