Was ist Schonzeit? – Die Schonzeit ist ein gesetzlich festgelegter Zeitraum, in dem bestimmte Fisch-, Wild- oder Vogelarten nicht gefangen, erlegt oder beunruhigt werden dürfen. Sie schützt die Tiere vor allem während der Fortpflanzung – beim Fisch die Laichzeit, beim Wild die Brut- und Setzzeit – und sorgt so dafür, dass sich die Bestände natürlich vermehren können.
Die Schonzeit ist eines der wichtigsten Werkzeuge des Arten- und Bestandsschutzes in Deutschland. Ohne sie würden Fische und Wildtiere genau dann bejagt, wenn sie am verletzlichsten sind – nämlich während sie für Nachwuchs sorgen. Für dich als Angler oder Jäger bedeutet die Schonzeit eine klare Regel: Wer eine geschonte Art in ihrer Schonzeit fängt oder erlegt, macht sich strafbar. Umso wichtiger ist es, die geltenden Schonzeiten für dein Gewässer oder dein Revier zu kennen, bevor du losziehst.
Warum gibt es Schonzeiten überhaupt?
Schonzeiten gibt es, um die natürliche Fortpflanzung von Fischen und Wild zu sichern und damit die Bestände dauerhaft gesund zu halten. Der Grundgedanke ist einfach: Nimmt der Mensch die Tiere genau in der Phase heraus, in der sie für Nachwuchs sorgen, bricht die Vermehrung ein und der Bestand schrumpft. Ein Hecht, der kurz vor dem Ablaichen gefangen wird, kann seine Tausenden Eier nicht mehr abgeben; eine Ricke, die im Frühsommer geschossen wird, hinterlässt hilflose Kitze. Die Schonzeit verhindert genau das.
Neben der Fortpflanzung schützt die Schonzeit auch die Elterntiere, die ihren Nachwuchs führen. Ein verwaistes Jungtier hat kaum Überlebenschancen. Deshalb ist der Gedanke der Schonzeit eng mit dem Prinzip des waidgerechten Handelns verbunden: Man entnimmt nur, was der Bestand verträgt, und schont, was sich gerade vermehrt oder Junge führt. Schonzeiten sind damit kein bürokratisches Ärgernis, sondern die Grundlage dafür, dass auch nachfolgende Generationen noch angeln und jagen können.
Wer legt die Schonzeiten fest?
In Deutschland sind Schonzeiten Ländersache – sie werden nicht bundeseinheitlich, sondern in den Fischerei- und Jagdgesetzen sowie den zugehörigen Verordnungen der einzelnen Bundesländer geregelt. Für das Angeln gelten die jeweiligen Landesfischereigesetze und die darauf aufbauenden Fischereiverordnungen; für die Jagd das Bundesjagdgesetz in Verbindung mit den Jagdzeitenverordnungen der Länder. Das hat eine wichtige Folge für die Praxis: Dieselbe Fischart kann in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Schonzeiten haben, und manche Gewässer legen über die Vereins- oder Pachtbestimmungen sogar noch strengere Regeln fest.
Für dich heißt das: Verlass dich niemals auf eine pauschale Tabelle aus dem Internet, sondern prüfe immer die aktuell gültige Fischereiverordnung deines Bundeslandes und die Gewässerordnung deines Vereins. Diese Unterlagen bekommst du bei deinem Angelverein, der zuständigen Fischereibehörde oder deinem Landesverband. Die Schonzeiten werden von den Behörden regelmäßig überprüft und bei Bedarf an die Bestandslage angepasst.
Welche Fische haben typischerweise eine Schonzeit?
Geschont werden vor allem Arten während ihrer Laichzeit – bei den Raubfischen betrifft das häufig Hecht, Zander und Barsch im Frühjahr sowie die Salmoniden wie Bach- und Seeforelle im Herbst und Winter. Wann genau die Schonzeit beginnt und endet, hängt von der Art und vom Bundesland ab, weil sich die Laichzeiten an Wassertemperatur und Region orientieren. Typisch ist, dass Frühjahrslaicher wie Hecht in den ersten Monaten des Jahres geschont werden, während Herbstlaicher wie die Forelle über den Winter geschützt sind. Manche Arten wie bestimmte Neunaugen, Störe oder der Aal unterliegen in einigen Ländern sogar ganzjährigen Schonungen oder besonderen Fangbeschränkungen.
Wichtig ist der Unterschied zwischen der Schonzeit und dem Schonmaß beziehungsweise Mindestmaß. Die Schonzeit bezieht sich auf einen Zeitraum, das Mindestmaß auf die Körperlänge des Fisches. Beide Schutzregeln gelten unabhängig voneinander: Ein Fisch, der zwar das Mindestmaß erreicht hat, sich aber in der Schonzeit befindet, muss trotzdem zurückgesetzt werden. Umgekehrt darf ein untermaßiger Fisch auch außerhalb jeder Schonzeit nicht entnommen werden. Erst wenn beide Bedingungen erfüllt sind – außerhalb der Schonzeit und über dem Mindestmaß – darfst du einen erlaubten Fisch entnehmen.
Was mache ich, wenn ich einen geschonten Fisch fange?
Fängst du versehentlich einen Fisch, der gerade in der Schonzeit ist oder das Mindestmaß nicht erreicht, musst du ihn so schonend und schnell wie möglich zurücksetzen. Das ist nicht nur Vorschrift, sondern gelebter Tierschutz. Fasse den Fisch nur mit angefeuchteten Händen an, damit du seine schützende Schleimschicht nicht verletzt, löse den Haken vorsichtig mit einer Lösezange und halte ihn möglichst kurz aus dem Wasser. Ein weitmaschiger, gummierter Unterfangkescher hilft dir, den Fisch schonend zu landen, ohne dass sich Haken oder Flossen im Netz verfangen.
Dieses schonende Zurücksetzen ist eng mit dem Prinzip des Catch and Release verwandt – mit dem wichtigen Unterschied, dass das Zurücksetzen geschonter oder untermaßiger Fische keine freiwillige Entscheidung, sondern gesetzliche Pflicht ist. Willst du mehrere maßige Fische über den Tag hältern, nutze einen ausreichend großen, knotenlosen Setzkescher, in dem die Fische unverletzt und mit genügend Sauerstoff überleben. Fische, die du ohnehin zurücksetzen musst, kommen aber gar nicht erst in den Setzkescher, sondern sofort zurück ins Wasser.
Gibt es Schonzeiten auch bei der Jagd?
Ja, das Prinzip der Schonzeit gilt bei der Jagd genauso wie beim Angeln – dort spricht man von Jagd- und Schonzeiten. Für jede jagdbare Wildart ist gesetzlich festgelegt, in welchem Zeitraum sie bejagt werden darf (Jagdzeit) und wann sie geschont wird (Schonzeit). Außerhalb der Jagdzeit ist das Wild geschützt. Besonders streng ist der Schutz von Elterntieren: Tiere, die noch nicht selbstständiges Jungwild führen, dürfen grundsätzlich nicht erlegt werden, damit die Jungtiere nicht verwaisen. Auch hier gilt, dass die konkreten Zeiträume in den Verordnungen der Bundesländer geregelt sind und je nach Wildart und Region variieren.
Ob im Wasser oder im Wald – der Gedanke ist derselbe: Wer nachhaltig nutzen will, muss der Natur die Zeit zur Vermehrung lassen. Die Schonzeit ist damit ein zentraler Baustein einer verantwortungsvollen, waidgerechten Nutzung der Natur, die den Bestand nicht plündert, sondern pflegt.
Was passiert, wenn ich gegen eine Schonzeit verstoße?
Wer eine geschonte Art in ihrer Schonzeit entnimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit oder sogar eine Straftat und muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. Je nach Bundesland und Schwere des Verstoßes drohen Geldbußen, der Entzug des Fischereischeins und in gravierenden Fällen strafrechtliche Konsequenzen wegen Verstoßes gegen das Tierschutz- oder Fischereirecht. Auch der Verein kann die Erlaubniskarte entziehen. Unwissenheit schützt dabei nicht vor Strafe – als Angler oder Jäger bist du selbst dafür verantwortlich, die geltenden Bestimmungen zu kennen.
Deshalb ist es klug, im Zweifel vorsichtig zu handeln: Bist du dir bei einem gefangenen Fisch nicht sicher, ob er gerade geschont ist oder das Mindestmaß erreicht, setze ihn im Zweifel schonend zurück. Ein zurückgesetzter maßiger Fisch ist kein Verlust, ein rechtswidrig entnommener geschonter Fisch dagegen ein echtes Problem – für dich und für den Bestand. Diese Haltung ist Teil eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur.
Was ist der Unterschied zwischen Schonzeit und Schongebiet?
Während sich die Schonzeit auf einen bestimmten Zeitraum bezieht, betrifft ein Schongebiet oder Schonbezirk einen räumlich abgegrenzten Bereich eines Gewässers, in dem das Angeln zeitweise oder dauerhaft eingeschränkt oder verboten ist. Solche Fischschonbezirke werden häufig an Laichplätzen, in Mündungsbereichen oder an ökologisch sensiblen Stellen ausgewiesen, um genau dort die Fortpflanzung zu sichern. Schonzeit und Schonbezirk ergänzen sich also: Die eine schützt zeitlich, der andere räumlich. In beiden Fällen gilt, dass die Regelungen in den Verordnungen der Länder und den Gewässerordnungen festgelegt sind und vor Ort zu beachten sind.
Wie finde ich die aktuell gültigen Schonzeiten für mein Gewässer?
Die verlässlichste Quelle sind immer die aktuelle Fischereiverordnung deines Bundeslandes und die Gewässerordnung deines Vereins oder Pächters. Viele Vereine drucken die geltenden Schonzeiten und Mindestmaße direkt auf die Erlaubniskarte oder legen sie ihr bei. Zusätzlich veröffentlichen die Landesfischereibehörden und die Landesanglerverbände die aktuellen Bestimmungen. Weil die Regeln angepasst werden können, solltest du dich zu Saisonbeginn jedes Jahr neu informieren, statt dich auf alte Notizen zu verlassen.
Eine gute Angewohnheit ist es, die wichtigsten Schonzeiten und Mindestmaße für deine Hausgewässer griffbereit zu haben – etwa als kleine Karte in der Angeltasche. So kannst du im Zweifel direkt am Wasser nachsehen und einen versehentlichen Regelverstoß vermeiden. Kennst du die Schonzeiten deiner Zielfische, angelst du nicht nur legal, sondern trägst aktiv dazu bei, dass die Bestände gesund bleiben und du auch in den kommenden Jahren gute Fänge machst.