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Nachsuche mit dem Schweißhund

Ein Schuss fällt, das Stück flüchtet – und dann? Genau in diesem Moment entscheidet sich, ob du ein waidgerechter Jäger bist oder nicht. Die Nachsuche mit dem Schweißhund ist keine Kür für Spezialisten, sondern die selbstverständliche Pflicht jedes Jägers gegenüber dem Wild. Krankgeschossenes Wild darf nicht verenden, ohne dass alles Menschenmögliche getan wurde, es zu finden und von seinem Leiden zu erlösen. Dieser Ratgeber zeigt dir von A bis Z, wie eine Nachsuche funktioniert: vom richtigen Verhalten am Anschuss über das Lesen der Schusszeichen und die Ausbildung des Hundes bis zum Ablauf der Riemenarbeit in der Praxis. Die Kernaussage vorweg: Ohne einen brauchbaren Hund und ohne Ruhe am Anschuss gelingt keine Nachsuche – Technik und teures Zubehör ersetzen weder das eine noch das andere.

Was ist eine Nachsuche und warum ist sie Pflicht?

Eine Nachsuche ist das gezielte Suchen nach beschossenem oder anderweitig verletztem Wild, das nicht im Feuer, also nicht sofort am Anschuss, verendet ist. Sie beginnt dort, wo das Stück im Schuss stand, und folgt der Fährte so lange, bis das Wild gefunden und – falls es noch lebt – erlöst wird. Der Hund arbeitet dabei auf der Schweißfährte, also der Spur aus Blut, Wundflüssigkeit und Witterung, die das kranke Stück hinterlässt.

Die Nachsuche ist kein freiwilliger Service, sondern rechtlich und ethisch bindend. Das deutsche Recht verpflichtet jeden Jäger, vermeidbare Schmerzen und Leiden des Wildes zu verhindern. Ausdrücklich geregelt ist das in § 22a des Bundesjagdgesetzes, der die Verhinderung von vermeidbaren Schmerzen oder Leiden des Wildes fordert. Wer auf Schalenwild jagt, muss dafür sorgen, dass ein brauchbarer Jagdhund für die Nachsuche zur Verfügung steht. Das ist in den meisten Landesjagdgesetzen als Pflicht zur Mitführung oder Bereithaltung eines brauchbaren Hundes verankert. Nachsuche ist damit die praktische Umsetzung der waidgerechten Jagd – sie trennt den verantwortungsvollen Jäger vom Schießer.

Wann brauchst du überhaupt eine Nachsuche?

Grundsätzlich gilt: Jeder Schuss auf Schalenwild, der nicht mit einem sichtbar im Feuer verendeten Stück endet, ist ein Nachsuchenfall – bis das Gegenteil bewiesen ist. Selbst wenn du meinst, das Reh sei sauber getroffen und gleich zusammengebrochen, gehört die Kontrolle des Anschusses zur Pflicht. Ein Stück, das flüchtig wird und außer Sicht gerät, muss immer nachgesucht werden, auch wenn du von einem tödlichen Treffer überzeugt bist.

Besonders heikel sind die klassischen Grenzfälle: der Schuss, der zu weit hinten sitzt (Weidwundschuss), der Laufschuss, der Streifschuss oder der Krellschuss am Rückgrat, bei dem das Stück kurz zeichnet und dann davonzieht. Auch der scheinbar saubere Kammerschuss kann eine Fluchtstrecke von hundert Metern und mehr nach sich ziehen. Gerade auf Drückjagden, wo flüchtiges Wild beschossen wird, häufen sich schwierige Nachsuchen. Wer die Grundlagen der Drückjagd beherrscht, weiß, dass jeder Schütze seinen Anschuss verbrechen und die Fluchtrichtung merken muss – ohne diese Angaben tappt der Hundeführer im Dunkeln.

Was verrät dir der Anschuss?

Der Anschuss ist der Ort, an dem das Wild im Schuss stand, und er ist die wichtigste Informationsquelle der ganzen Nachsuche. Alles, was dort und in den ersten Metern der Fluchtfährte liegt, nennt der Jäger Pirschzeichen oder Schusszeichen. Sie erzählen dir, wo das Stück getroffen wurde und wie erfolgversprechend die Suche ist. Ein Blick auf die Schweißarbeit lohnt sich schon deshalb, weil das richtige Deuten dieser Zeichen über die gesamte Strategie entscheidet.

Zu den Schusszeichen zählen der Schweiß, also das Blut, sowie Haare (Schnitthaar), Knochensplitter, Gewebeteile und der sogenannte Pansen- oder Waidinhalt bei Weidwundschüssen. Auch das Verhalten des Wildes im Schuss – das Zeichnen – ist ein Schusszeichen: Das Zusammensacken der Hinterhand deutet auf einen Streifschuss der Wirbelsäule, das Hochwerden und Auskeilen auf einen Weidwundschuss, das Zusammenbrechen und sofortige Aufstehen auf einen Krellschuss. Wer diese Signale nicht kennt, verschenkt entscheidende Hinweise. Die Begriffe im Detail erklärt der Glossar-Eintrag zum Schusszeichen.

Wie liest du die Schusszeichen richtig?

Nach dem Schuss heißt es zuerst: Ruhe bewahren und nichts überstürzen. Präge dir genau ein, wo das Stück stand und in welche Richtung es geflüchtet ist – am besten an markanten Bäumen oder Sträuchern festgemacht. Erst nach einer Wartezeit gehst du vorsichtig zum Anschuss, ohne die Fährte zu zertreten. Dort suchst du systematisch den Boden, die Pflanzen und die Fluchtrichtung ab.

Heller, schaumiger Lungenschweiß mit feinen Bläschen bedeutet einen tödlichen Lungentreffer und eine erfolgversprechende Suche. Dunkler, dickflüssiger Leberschweiß verlangt eine längere Wartezeit, weil das Stück oft erst nach Stunden verendet. Grün-brauner Waidinhalt mit strengem Geruch verrät einen Weidwundschuss – hier ist besondere Zurückhaltung gefragt, weil solche Stücke weit flüchten und lange leiden können, wenn man sie zu früh aufmückt. Fehlt jeglicher Schweiß, kann es sich um einen Fehlschuss handeln, aber ebenso um einen Wildbretschuss ohne äußere Blutung – auch dann wird kontrolliert nachgesucht. Verbriche jeden Fund mit einem abgebrochenen Zweig, damit der Hundeführer die Zeichen zuordnen kann. Die Systematik dieser Zeichenkunde findest du kompakt in der Wissenssammlung zur Nachsuche.

Welche Wartezeit ist die richtige?

Die Wartezeit ist einer der meistunterschätzten Faktoren. Ein zu früh beunruhigtes Stück steht auf und flüchtet oft kilometerweit, wodurch aus einer kurzen Kontrollsuche eine schwere Hetznachsuche wird. Als grobe Richtschnur gilt: Bei sicherem Lungenschuss reichen oft 20 bis 30 Minuten. Bei Leber- oder Weidwundschuss solltest du mehrere Stunden warten, im Zweifel bis zum nächsten Morgen. Kalte, feuchte Witterung konserviert die Fährte, sodass auch nach vielen Stunden noch mit dem Hund gearbeitet werden kann.

Diese Geduld fällt schwer, ist aber der Kern waidgerechten Handelns. Ein erfahrener Nachsuchenführer wird lieber eine Stunde länger warten, als das Stück hochzumachen. Denke daran: Ein krankes Stück, das sich in Ruhe wundbetten kann, verendet meist schnell und wird sicher gefunden. Ein aufgemücktes Stück dagegen mobilisiert seine letzten Kräfte und kann die Fährte durch Bäche, über Straßen und in Nachbarreviere ziehen.

Welcher Hund eignet sich für die Nachsuche?

Grundsätzlich kann jeder gut ausgebildete Jagdhund eine Nachsuche auf der warmen Fährte arbeiten. Für die schwierige, kalte oder stundenalte Fährte braucht es jedoch spezialisierte Schweißhunde. Der Deutsche Jagdverband beschreibt die klassischen Schweißhunderassen ausführlich: Bayerischer Gebirgsschweißhund, Hannoverscher Schweißhund und die Alpenländische Dachsbracke sind auf die Riemenarbeit spezialisiert und verfügen über einen ausgeprägten Fährtenwillen sowie hohe Wildschärfe.

Daneben werden viele Nachsuchen von brauchbaren Stöberhunden und Vorstehhunden gearbeitet – Deutsch-Drahthaar, Deutsch-Kurzhaar, Wachtelhund oder Bracken leisten in der Praxis hervorragende Dienste. Entscheidend ist nicht allein die Rasse, sondern die Ausbildung, die Führigkeit und das Zusammenspiel von Hund und Führer. Ein durchschnittlich veranlagter, aber gut geführter und viel gearbeiteter Hund ist einem hochveranlagten, aber schlecht ausgebildeten Tier weit überlegen. Wer sich einen Jagdhund zulegt, findet die passende Grundausstattung im Sortiment für Jagdhund und Hundebedarf.

Wie bildest du den Hund für die Riemenarbeit aus?

Die Ausbildung zum Nachsuchenhund beginnt nicht auf der Wundfährte, sondern mit soliden Grundlagen: Gehorsam, Leinenführigkeit und Ruhe. Erst darauf baut die eigentliche Schweißarbeit auf. Der klassische Weg führt über die künstliche Wundfährte, die mit Schweiß aus dem Fährtenschuh oder dem Tupfen einer Wildfährte gelegt wird. Der junge Hund lernt, die Nase tief zu halten, langsam und konzentriert zu arbeiten und sich nicht von Verleitfährten anderer Tiere ablenken zu lassen.

Zentral ist das Prinzip der ruhigen Riemenarbeit: Der Hund zieht am langen Schweißriemen konsequent auf der Fährte, der Führer folgt und liest die Pirschzeichen mit. Anfangs werden kurze, frische Fährten mit gutem Erfolgserlebnis gelegt, später längere, ältere und mit Haken versehene. Regelmäßiges Training über Wochen und Monate macht aus einem talentierten Welpen einen verlässlichen Nachsuchenhund. Für die Ausbildung und Beschäftigung zwischen den Übungsfährten helfen die Artikel aus dem Bereich Hundeausbildung und Spiel, mit denen sich Grundgehorsam und Konzentration festigen lassen.

Welche Ausrüstung brauchst du für die Nachsuche?

Das Herzstück der Ausrüstung ist der Schweißriemen – eine lange, meist sechs bis zehn Meter messende Leine, mit der der Hund geführt wird, während er tief in der Fährte arbeitet. Dazu gehört eine breite, gut sitzende Halsung oder ein Suchgeschirr, das den Hund nicht würgt, wenn er kräftig in den Riemen geht. Die technischen Details erklärt der Glossar-Eintrag zum Schweißriemen. Passende Führleinen und Halsungen findest du in der Kategorie Hundeleinen und Halsbänder – Achtung, dies ist zugleich dein zentrales Ausrüstungsziel.

Weil Nachsuchen häufig in die Dämmerung oder Nacht hineinreichen, ist eine zuverlässige Lichtquelle Pflicht. Eine leistungsstarke Taschenlampe für die Jagd hilft dir, Schweiß auf dem Boden und im Bewuchs zu erkennen. Für die Ansprache aus der Distanz und die Beobachtung des Wundbetts leistet ein gutes Fernglas wertvolle Dienste. Bei modernen Nachtnachsuchen kommen zunehmend Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte zum Einsatz, mit denen sich ein wundgebettetes oder verendetes Stück oft schneller lokalisieren lässt. Zur Sicherheit von Hund und Führer gehört außerdem die passende Warn- und Schutzausrüstung für den Hund, gerade wenn wehrhaftes Schwarzwild im Spiel ist. Ein scharfes Jagdmesser für den Fangschuss-Ersatz und das anschließende Aufbrechen darf ebenso wenig fehlen.

Wie läuft eine Nachsuche in der Praxis ab?

Nach der Wartezeit gehst du mit dem Hund an der Leine zum verbrochenen Anschuss. Zunächst prüft ihr gemeinsam die Zeichen: Der Führer bestätigt die Fluchtrichtung, der Hund nimmt Witterung auf. Dann wird der Hund an den Schweißriemen genommen und angeschnallt – ab diesem Moment führt der Hund, der Mensch folgt und deutet mit. Wichtig ist absolute Ruhe: kein Sprechen, kein Hetzen, keine Hektik. Der Hund arbeitet die Fährte Meter für Meter ab, während der Führer jeden neuen Schweißtropfen, jedes Wundbett und jede Richtungsänderung registriert.

Wundbetten – Stellen, an denen sich das kranke Stück niedergetan hat – sind starke Hinweise. Frisches, warmes Wundbett bedeutet, dass das Stück kurz zuvor aufgestanden ist und nah sein kann. Zieht die Fährte über weite Strecken ohne Wundbett, deutet das auf einen weniger schweren Treffer hin. Kommt das Stück in Sicht und lebt noch, muss es unverzüglich mit einem sicheren Fangschuss erlöst werden. Bei wehrhaftem Wild wie Schwarzwild wird der Hund geschnallt, hetzt und stellt das Stück, sodass der Führer herankommen und den Fangschuss antragen kann. Was wehrhaftes Schwarzwild bei der Nachsuche so gefährlich macht, erklärt der zugehörige Glossar-Eintrag.

Was ist bei der Nachtnachsuche zu beachten?

Viele Nachsuchen finden im Dunkeln statt, weil zwischen Schuss, Wartezeit und Suchbeginn Stunden vergehen. Nachts erschwert die fehlende Sicht das Lesen der Pirschzeichen erheblich. Hier zahlt sich moderne Technik aus: Mit der Wärmebildkamera in der Jagd lässt sich Restwärme eines frisch verendeten Stücks oft über größere Distanz orten. Ein Nachtsichtgerät hilft bei der Orientierung im unwegsamen Gelände.

Dennoch ersetzt keine Technik die Hundenase. Wärmebild und Nachtsicht sind Hilfsmittel, um das mit dem Hund gefundene Stück endgültig zu lokalisieren oder eine gestreckte Sau zu bergen – die eigentliche Fährtenarbeit leistet weiterhin der Hund. Achte darauf, dass die rechtlichen Vorgaben zum Einsatz von Nachtzieltechnik je nach Bundesland unterschiedlich sind. Für die reine Nachsuche und das Auffinden sind Wärmebildgeräte in der Regel unproblematisch, für den Schuss bei Nacht gelten strengere Regeln.

Was tun nach dem Fund?

Ist das Stück gefunden und tot, wird es zunächst dem Hund kurz gegönnt – das Verweisen oder Anschneiden am Stück ist Teil der Belohnung und festigt den Fährtenwillen. Dann folgt das fachgerechte Aufbrechen. Je nach Wartezeit und Witterung kann das Wildbret durch verzögertes Auffinden beeinträchtigt sein, gerade bei Weidwundschüssen. Prüfe Geruch, Farbe und Zustand sorgfältig; im Zweifel ist die Wildbrethygiene wichtiger als der Ertrag. Wie du das Stück danach fachgerecht verarbeitest, zeigt der Ratgeber zum Wildbret richtig zerwirken; die Grundbegriffe klärt der Glossar-Eintrag zum Wildbret.

Nach jeder Nachsuche gehört eine ehrliche Nachbereitung dazu: Wo saß der Schuss wirklich? Hätte man die Wartezeit anders wählen müssen? War die Ausrüstung vollständig? Diese Selbstkritik macht dich zum besseren Jäger. Eine gute Nachsuchenkultur lebt außerdem vom Netzwerk: Wer selbst keinen brauchbaren Hund hat, sollte die Nummer eines anerkannten Nachsuchengespanns griffbereit haben und im Zweifel rechtzeitig Hilfe rufen.

Welche Anfängerfehler solltest du vermeiden?

Der häufigste Fehler ist Ungeduld. Wer zu früh an den Anschuss geht oder das Stück zu schnell aufmückt, macht aus einer einfachen Suche eine schwere. Der zweite Klassiker ist das Zertreten des Anschusses: Wer wild umherläuft, vernichtet die wertvollen Pirschzeichen und die Witterung, auf die der Hund angewiesen ist. Merke dir die Standstelle, bleib davor stehen und arbeite systematisch.

Ein weiterer Fehler ist die Selbstüberschätzung des eigenen Hundes. Ein Hund, der brav an der frischen Feldhasenfährte zieht, ist noch lange kein Schweißhund. Nachsuchenarbeit will regelmäßig geübt sein. Ebenso fatal ist es, ohne Licht, ohne Riemen und ohne Fangschuss-Möglichkeit loszuziehen. Und schließlich: Wer die Nachsuche über Reviergrenzen hinweg nicht mit den Nachbarn abstimmt, riskiert nicht nur den Fund, sondern auch rechtlichen Ärger. Kläre die Wildfolge im Vorfeld – ein gutes Verhältnis zum Nachbarrevier ist bei der Nachsuche Gold wert. Wer regelmäßig ansitzt, sollte die Grundlagen der Ansitzjagd für Einsteiger ohnehin mit einem Nachsuchenplan verbinden.

Wie organisierst du eine Nachsuche, wenn du keinen eigenen Hund hast?

Nicht jeder Jäger führt selbst einen brauchbaren Nachsuchenhund – und das ist völlig in Ordnung, solange du im Ernstfall auf einen zurückgreifen kannst. In vielen Regionen gibt es organisierte Nachsuchengespanne, also erfahrene Hundeführer mit geprüften Hunden, die auf Abruf zur schweren Nachsuche kommen. Deren Kontaktdaten solltest du kennen, bevor du auf Schalenwild jagst, und griffbereit im Handy oder in der Jagdhütte hinterlegen. Der Anruf sollte im Zweifel früh erfolgen: Ein Gespann, das nachts um zwei noch anrückt, braucht Vorlaufzeit, und je frischer die Fährte, desto größer die Erfolgsaussicht.

Damit das Gespann effizient arbeiten kann, brauchst du präzise Angaben: Uhrzeit des Schusses, genaue Standstelle des Wildes, Fluchtrichtung, gefundene Schusszeichen und die vermutete Trefferlage. Verbrich den Anschuss sauber und laufe die Fährte nicht selbst breit, sonst erschwerst du dem fremden Hund die Arbeit. Wer regelmäßig auf Drückjagden geht, sollte die Organisation der Nachsuche fest in den Jagdablauf einplanen – was der Begriff genau bedeutet, klärt der Glossar-Eintrag zur Drückjagd, ein eigener Nachsuchenplan bleibt trotzdem sinnvoll. Kleine Belohnungshäppchen aus dem Bereich Hundesnacks gehören übrigens in jede Nachsuchentasche, um den Hund nach getaner Arbeit zu bestätigen.

Warum ist die Nachsuche auf Schwarzwild besonders heikel?

Schwarzwild verlangt bei der Nachsuche höchste Vorsicht. Eine krank geschossene Sau ist wehrhaft und kann Hund und Führer ernsthaft verletzen. Ein waidwund geschossener Keiler oder eine Bache mit Frischlingen wehrt sich mit Gebrech und Waffen, wenn der Hund sie stellt. Deshalb wird bei der Sauennachsuche der Hund häufig erst nach kurzer Riemenarbeit geschnallt, damit er das Stück auf Distanz stellt und laut gibt, während der Führer vorsichtig herangeht und den Fangschuss antragen kann. Eine robuste Schutzweste für den Hund und auffällige Signalkleidung für dich aus dem Bereich Jagdbekleidung sind bei diesen Nachsuchen kein Luxus, sondern ernst zu nehmende Vorsorge.

Weil Sauen überwiegend nachtaktiv sind und Nachsuchen auf Schwarzwild fast immer bei Dunkelheit stattfinden, kommen hier Beobachtungstechnik und Vorbereitung zusammen. Wildkameras an der Kirrung helfen bereits im Vorfeld, das Rotten- und Wechselverhalten einzuschätzen, sodass du nach dem Schuss die wahrscheinliche Fluchtrichtung besser abschätzen kannst. Wie herausfordernd die Jagd und die anschließende Suche auf Sauen bei Nacht ist, beschreibt der Ratgeber zur Nachtjagd auf Schwarzwild im Detail.

Praxisteil: eine typische Nachsuche Schritt für Schritt

Stell dir vor, du sitzt in der Dämmerung an und beschießt einen Überläufer. Das Stück zeichnet mit hochgezogenem Rücken, macht einen Satz und ist im Bestand verschwunden. Zunächst bleibst du sitzen, prägst dir die genaue Standstelle und die Fluchtrichtung ein und notierst dir die Uhrzeit. Du steigst leise ab und gehst zum Anschuss. Dort findest du dunklen, mit Waidinhalt vermischten Schweiß – ein Zeichen für einen Weidwundschuss. Jetzt heißt es warten: Du ziehst dich zurück und lässt dem Stück mindestens vier bis sechs Stunden Ruhe, in diesem Fall bis in die Nacht oder besser bis zum Morgen.

Nach der Wartezeit kommst du mit deinem angeschnallten Hund zurück. Ihr arbeitet die Fährte langsam ab; nach hundertfünfzig Metern findet ihr das erste Wundbett, kalt und bereits eingetrocknet – gut, das Stück hat sich beruhigt. Weitere achtzig Meter, ein zweites Wundbett, dann zieht die Fährte in ein Dickicht. Dein Hund wird laut, du gehst vorsichtig vor und findest das verendete Stück im Wundbett. Mit ruhiger Hand gönnst du dem Hund den Fund, kontrollierst mit der Lampe die Umgebung und beginnst mit dem Aufbrechen. Genau dieser ruhige, systematische Ablauf – warten, lesen, langsam arbeiten – ist das, was eine erfolgreiche Nachsuche ausmacht.

Häufige Fragen zur Nachsuche mit dem Schweißhund

Ab wann ist eine Nachsuche gesetzlich vorgeschrieben? Sobald Schalenwild beschossen wurde und nicht sichtbar im Feuer verendet ist, besteht die Pflicht zur Nachsuche. Sie ergibt sich aus dem Tierschutzgedanken des Jagdrechts und der Pflicht, vermeidbare Schmerzen und Leiden des Wildes zu verhindern. In vielen Bundesländern ist zusätzlich die Bereithaltung eines brauchbaren Nachsuchenhundes vorgeschrieben.

Wie lange sollte ich nach dem Schuss warten? Das hängt vom Schusszeichen ab. Bei sicherem Lungenschuss reichen oft 20 bis 30 Minuten, bei Leber- oder Weidwundschuss solltest du mehrere Stunden bis zum nächsten Morgen warten. Grundregel: Im Zweifel lieber länger warten, denn ein beruhigtes Stück verendet schneller und wird sicherer gefunden.

Kann jeder Jagdhund eine Nachsuche arbeiten? Auf der warmen, frischen Fährte kann jeder brauchbare Jagdhund helfen. Für die kalte, stundenalte oder schwierige Fährte brauchst du einen speziell ausgebildeten Schweißhund oder einen erfahrenen Stöber- beziehungsweise Vorstehhund. Entscheidend sind Ausbildung, regelmäßiges Training und das Zusammenspiel mit dem Führer.

Welche Ausrüstung ist für die Nachsuche unverzichtbar? Ein langer Schweißriemen, eine breite Halsung oder ein Suchgeschirr, eine leistungsstarke Lampe, ein Fernglas und ein scharfes Jagdmesser gehören zur Grundausstattung. Für Nachtnachsuchen sind Wärmebildkamera und Nachtsichtgerät sinnvolle Ergänzungen, ersetzen aber niemals die Hundenase.

Was mache ich, wenn die Fährte über die Reviergrenze führt? Dann greift die Wildfolge. Kläre das Verhältnis zum Nachbarrevier am besten schon im Vorfeld und triff eine schriftliche Vereinbarung. Kommt das kranke Stück in Sicht, darfst du es in der Regel auch jenseits der Grenze erlösen; das erlegte Stück ist danach jedoch dem Nachbarn zu melden beziehungsweise nach den örtlichen Absprachen zu behandeln.

Darf ich bei der Nachsuche eine Wärmebildkamera einsetzen? Für das reine Auffinden von wundgebettetem oder verendetem Wild sind Wärmebildgeräte in der Regel zulässig und sehr hilfreich. Beim Schuss bei Nacht mit Nachtziel- oder Vorsatztechnik gelten dagegen je nach Bundesland strengere Regeln. Informiere dich vorab über die Rechtslage in deinem Bundesland.

Fazit

Die Nachsuche mit dem Schweißhund ist die Nagelprobe waidgerechter Jagd. Sie beginnt lange vor dem ersten Schweißtropfen – mit einem sauberen Schuss, mit Ruhe am Anschuss und mit dem ehrlichen Lesen der Schusszeichen. Ein gut ausgebildeter, regelmäßig gearbeiteter Hund, die richtige Ausrüstung vom Schweißriemen bis zur Lampe und vor allem Geduld sind die Zutaten für den Erfolg. Wer diese Grundsätze beherzigt, wird dem Wild gerecht und schließt den Kreis der verantwortungsvollen Jagd. Rüste dich und deinen Vierbeiner mit dem passenden Zubehör aus – vom Schweißriemen bis zum trockenen Liegeplatz aus dem Bereich Hundedecken und Liegeplätze – und übe die Riemenarbeit, bevor der Ernstfall eintritt.

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