Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Spektiv für die Jagd wählen

15 Min. Lesezeit

Ein gutes Spektiv ist das wichtigste Beobachtungswerkzeug, wenn du Wild über große Distanz sicher ansprechen willst – also Alter, Geschlecht und Erlegbarkeit erkennen, bevor du überhaupt an den Abzug denkst. Das Fernglas bringt dich ins Revier und über den ersten Blick, aber sobald es darum geht, auf 300, 500 oder 800 Meter einen Bock zu beurteilen, ein Stück im Bestand anzusprechen oder über das Feld hinweg zu kontrollieren, stößt jedes Glas an seine Grenze. Dieser Ratgeber erklärt dir du-nah und ohne Marketinggeschwätz, worauf es beim Kauf eines Jagdspektivs wirklich ankommt: Vergrößerung, Objektivdurchmesser, Austrittspupille, Bauform, Glasqualität und das Zubehör, das aus einem guten Spektiv erst ein nutzbares Jagdgerät macht. Am Ende weißt du, welches Gerät zu deiner Jagdart passt – und welche teuren Fehlkäufe du dir sparen kannst.

Was ist ein Spektiv – und wann brauchst du es auf der Jagd?

Ein Spektiv ist ein einäugiges, stark vergrößerndes Beobachtungsfernrohr mit Wechsel- oder Zoomokular, das für die Beobachtung über große Entfernungen konstruiert ist. Während ein Fernglas mit beiden Augen ein weites, ruhiges Sichtfeld bei typischerweise acht- bis zehnfacher Vergrößerung liefert, arbeitet ein Spektiv im Bereich von etwa zwanzig- bis sechzigfacher Vergrößerung. Das macht es zum Spezialwerkzeug für genau eine Aufgabe: das präzise Ansprechen von Wild auf Distanzen, auf denen das Fernglas keine Details mehr auflöst. Der optische Grundaufbau als terrestrisches Fernrohr mit aufrechtem, seitenrichtigem Bild wird bei Wikipedia im Artikel zum Spektiv ausführlich beschrieben.

Auf der Jagd brauchst du ein Spektiv immer dann, wenn du über offene Flächen jagst und Wild über längere Zeit und große Distanz beurteilen musst. Das klassische Einsatzgebiet ist die Gebirgsjagd auf Gams und Hirsch, wo du Hänge gegenüber absuchst und ein Stück oft über eine Stunde lang ansprichst, bevor der Entschluss fällt. Aber auch im Flachland zahlt sich ein Spektiv aus: Bei der Feldansitzjagd auf Rehwild, beim Beobachten von Rotwild auf dem Wildacker, beim Kontrollieren von Sauen am Feldrand oder bei der sommerlichen Rehbockbeurteilung über weite Wiesen hinweg. Wer dagegen überwiegend im Wald, auf kurzen Distanzen und in der Dämmerung jagt, ist mit einem lichtstarken Fernglas meist besser und flexibler bedient. Eine gründliche Kaufberatung dazu findest du in unserem Ratgeber, wie du ein Fernglas für die Jagd wählst. Das Spektiv ersetzt das Fernglas also nicht, es ergänzt es für die lange Distanz. Die passenden Geräte findest du in unserer Kategorie Spektive.

Welche Vergrößerung braucht ein Jagdspektiv?

Für die Jagd ist ein Zoombereich von etwa 20- bis 60-facher Vergrößerung der sinnvolle Standard, und in der Praxis wirst du die meiste Zeit im unteren Drittel dieses Bereichs arbeiten. Das klingt zunächst widersprüchlich – wozu 60-fach, wenn du es kaum nutzt? Die Antwort liegt in der Bildqualität: Jede Vergrößerung vergrößert nicht nur das Wild, sondern auch das Luftflimmern, das Zittern des Stativs und die Lichtschwäche. Bei 20- bis 30-fach bekommst du ein helles, ruhiges, kontrastreiches Bild, mit dem du ein Stück sicher ansprichst. Die hohe Vergrößerung ab 45-fach brauchst du nur, wenn die Bedingungen ausnahmsweise perfekt sind: klare Luft, kein Hitzeflimmern, bombenfestes Stativ und gutes Licht.

Der wichtigste Praxisrat lautet daher: Kaufe nicht nach der maximalen Vergrößerungszahl. Ein Spektiv, das bei 30-fach noch ein gestochen scharfes, randscharfes Bild zeigt, ist jedem Gerät überlegen, das zwar 60-fach auf dem Papier bietet, bei dieser Einstellung aber nur noch matschige, dunkle Bilder liefert. Gerade bei der Dämmerungsbeobachtung – also in der Zeit, in der das meiste Wild austritt – wirst du die Vergrößerung sogar bewusst zurücknehmen, weil weniger Vergrößerung ein helleres Bild bedeutet. Das hängt direkt mit der Austrittspupille zusammen, auf die wir gleich im Detail eingehen. Merke dir für den Kauf: Ein ehrliches 20–60x-Spektiv mit hervorragender Abbildung im unteren Bereich schlägt jedes Zahlenwunder.

Wie groß muss das Objektiv beim Spektiv sein?

Der Objektivdurchmesser entscheidet darüber, wie viel Licht das Spektiv sammelt – und damit über Helligkeit, Detailauflösung und Dämmerungstauglichkeit. Jagdspektive gibt es grob in zwei Klassen: kompakte Geräte mit 50 bis 65 Millimeter Objektiv und vollwertige Beobachtungsspektive mit 80 bis 95 Millimeter Objektiv. Die Zahl findest du immer in der Bezeichnung: Ein „20–60x85" ist ein Spektiv mit 20- bis 60-facher Vergrößerung und 85 Millimeter Objektivdurchmesser.

Die Entscheidung ist ein klassischer Kompromiss zwischen Lichtstärke und Gewicht. Ein 85er-Objektiv liefert spürbar mehr Licht, mehr Reserve bei hoher Vergrößerung und ein helleres Bild in der Dämmerung – wiegt aber samt Stativ schnell über zwei Kilogramm und ist auf der Bergpirsch eine echte Last. Ein 65er-Spektiv ist deutlich leichter und kompakter, verliert aber Licht und Auflösung, sobald du hoch vergrößerst oder das Licht schwindet. Die Faustregel aus der Praxis: Wer vom festen Ansitz, vom Fahrzeug oder von der Kanzel aus beobachtet und das Gewicht nicht tragen muss, greift zum großen Objektiv. Wer bergauf pirscht und jedes Gramm im Rucksack spürt, nimmt das kompakte Gerät und akzeptiert die Grenzen. Für den klassischen Feldansitz, bei dem du ohnehin eine stabile Auflage dabei hast, ist das große Objektiv fast immer die bessere Wahl – es verlängert deine nutzbare Beobachtungszeit in die Dämmerung hinein erheblich. Eine breite Auswahl an Beobachtungsoptik findest du in der Kategorie Optik & Beobachtung.

Was sagt die Austrittspupille über die Dämmerungstauglichkeit?

Die Austrittspupille ist die entscheidende Kennzahl für die Dämmerungsleistung – und gleichzeitig die am meisten missverstandene. Sie bezeichnet den Durchmesser des Lichtbündels, das aus dem Okular austritt und in dein Auge fällt, und du berechnest sie ganz einfach, indem du den Objektivdurchmesser durch die Vergrößerung teilst. Bei einem 20–60x85-Spektiv ergibt das bei 20-facher Vergrößerung eine Austrittspupille von 85 geteilt durch 20, also rund 4,25 Millimeter. Drehst du auf 60-fach hoch, sind es nur noch 85 geteilt durch 60, also etwa 1,4 Millimeter. Was das konkret bedeutet, erklären wir weiter unten im Praxisteil und ausführlich im Glossar.

Der Zusammenhang zur Jagd ist direkt: Dein Auge kann sich bei Dunkelheit auf eine Pupille von etwa sechs bis sieben Millimeter öffnen, bei älteren Jägern eher auf vier bis fünf Millimeter. Ist die Austrittspupille des Spektivs kleiner als deine eigene Pupille, wird das Bild dunkel – du siehst weniger, als dein Auge eigentlich könnte. Deshalb wird jedes Spektiv bei hoher Vergrößerung in der Dämmerung dunkel und matt. Praktisch heißt das: In der kritischen letzten halben Stunde vor Ende der Schusszeit nimmst du die Vergrößerung zurück auf 20- bis 25-fach, um eine möglichst große, helle Austrittspupille zu behalten. Eng verwandt ist die Dämmerungszahl, die Vergrößerung und Objektiv zu einem Vergleichswert verrechnet; die mathematische Herleitung dieser Kennzahl ist bei Wikipedia zur Dämmerungszahl nachzulesen. Für den Kauf heißt das: Nicht die höchste Vergrößerung macht das beste Dämmerungsgerät, sondern das größte Objektiv in Kombination mit vernünftiger Vergrößerung.

Gerade oder Schrägeinblick – welche Bauform passt zur Jagd?

Spektive gibt es mit geradem Einblick und mit 45-Grad-Schrägeinblick, und die Wahl ist keine Geschmacksfrage, sondern hängt stark von deiner Jagdweise ab. Beim Geradeinblick schaust du in Verlängerung des Tubus, also direkt auf das Ziel – das ist intuitiv, du findest das Wild schnell, und du kannst das Gerät gut aus dem Auto oder über eine niedrige Auflage nutzen. Der Schrägeinblick dagegen hat das Okular um 45 Grad nach oben geknickt. Das wirkt zunächst ungewohnt, bietet aber handfeste Vorteile: Du kannst das Stativ niedriger und damit windstabiler aufbauen, du schaust bequemer bergauf an Hänge, und mehrere Personen unterschiedlicher Größe können nacheinander durchschauen, ohne das Stativ zu verstellen.

Für die Flachland- und Feldjagd, bei der du oft aus dem Fahrzeug oder von einer festen Kanzel beobachtest und das Ziel schnell finden willst, ist der Geradeinblick meist die praktischere Wahl. Für die Gebirgsjagd und überall dort, wo du über längere Zeit in wechselnder Höhe absuchst, spielt der Schrägeinblick seine Vorteile aus. Wenn du überwiegend aus der sitzenden Position am Ansitz arbeitest und dafür ohnehin die passende Ausrüstung dabeihast, lohnt ein Blick in unseren Ratgeber zur Ansitzjagd für Einsteiger, der die Grundlagen der ruhigen, langen Beobachtung behandelt. Probiere beide Bauformen vor dem Kauf aus, wenn du die Möglichkeit hast – die Gewöhnung an den Schrägeinblick dauert nur wenige Minuten, die Vorteile hast du dann dauerhaft.

Warum ED-Glas und gute Vergütung den Unterschied machen

Zwei Spektive mit identischen Daten – etwa beide 20–60x85 – können im Feld völlig unterschiedlich abbilden, und der Grund liegt in der Glasqualität und der Vergütung. Der wichtigste Begriff hier ist ED-Glas, auch HD-Glas genannt: Dieses Glas mit besonders geringer Farbzerstreuung reduziert die chromatische Aberration, also die störenden Farbsäume, die an Kontrastkanten entstehen. Ohne ED-Glas siehst du bei hoher Vergrößerung an der Grenze zwischen dunklem Wild und hellem Himmel einen bläulich-violetten oder grünlichen Saum, der das Ansprechen erschwert. Mit gutem ED-Glas bleiben die Kanten sauber, und du erkennst feine Details wie Geweihenden, Haarwechsel oder die Trophäe deutlich klarer.

Die Vergütung der Linsen entscheidet darüber, wie viel Licht tatsächlich durch das Gerät bis zu deinem Auge gelangt. Mehrfachvergütete Gläser erreichen eine Lichttransmission von über neunzig Prozent, einfache Gläser verlieren spürbar mehr. Gerade in der Dämmerung, wenn jedes Prozent Licht zählt, trennt sich hier die Spreu vom Weizen. Achte beim Kauf auf die Begriffe „fully multi-coated" (also voll mehrfachvergütet) und auf eine hochwertige Vergütung der Prismen. Diese optischen Qualitätsmerkmale sind der Hauptgrund, warum ein hochwertiges Spektiv deutlich mehr kostet als ein Billiggerät mit gleichen Eckdaten – und warum sich die Investition für den ernsthaften Jäger auszahlt. Dasselbe Prinzip gilt übrigens für dein Zielfernrohr: Auch dort machen Glas und Vergütung den Unterschied in der Dämmerung aus.

Spektiv, Fernglas oder Wärmebild – was gehört wann in den Rucksack?

Ein verbreiteter Anfängerfehler ist der Glaube, ein einziges optisches Gerät decke alle Aufgaben ab. Tatsächlich haben Fernglas, Spektiv, Wärmebildkamera und Nachtsichtgerät jeweils ihre eigene Rolle, und ein gut ausgerüsteter Jäger kombiniert sie bewusst. Das Fernglas ist dein ständiger Begleiter für das schnelle, beidäugige Absuchen auf kurze und mittlere Distanz – es hängt immer am Gurt. Das Spektiv kommt zum Einsatz, wenn du ein weit entferntes Stück über längere Zeit ansprechen musst und dafür ein Stativ aufbauen kannst. Die Arbeitsteilung ist klar: Mit dem Fernglas findest du das Wild, mit dem Spektiv beurteilst du es.

Für die Dunkelheit greift ein anderes Werkzeug. Eine Wärmebildkamera macht Wild anhand seiner Körperwärme auch bei völliger Dunkelheit sichtbar und ist beim Aufspüren von Sauen oder bei der Nachsuche unschlagbar – wie du sie richtig einsetzt, zeigt unser Ratgeber zur Wärmebildkamera in der Jagd. Für das nächtliche Ansprechen und den Schuss im Dunkeln kommen Nachtsichtgeräte zum Einsatz, deren rechtliche Rahmenbedingungen je nach Bundesland und Wildart genau zu beachten sind. Wer gezielt nachts auf Sauen jagt, findet die Grundlagen in unserem Beitrag zur Nachtjagd auf Schwarzwild. Das Spektiv bleibt dabei das Tageslicht- und Dämmerungsgerät für die große Distanz – es ersetzt keines der Nachtgeräte, und keines ersetzt das Spektiv.

Praxis: So setzt du das Spektiv am Ansitz und auf der Pirsch richtig ein

Das beste Spektiv nützt dir nichts, wenn du es falsch einsetzt – und hier trennen sich erfahrene Jäger von Gelegenheitsnutzern. Der mit Abstand wichtigste Punkt ist die Auflage. Ein Spektiv aus der freien Hand zu halten ist bei 30-facher Vergrößerung sinnlos, weil jedes Zittern vielfach verstärkt wird und das Bild unruhig bleibt. Am festen Ansitz nutzt du idealerweise ein stabiles Stativ oder eine solide Auflage auf der Kanzelbrüstung. Auf der Pirsch leistet ein leichtes Reisestativ oder ein Zielstock mit Spektivadapter gute Dienste – wie du den richtigen Zielstock auswählst, erklärt unser Ratgeber zum richtigen Zielstock für den Ansitz. Passende Auflagen findest du in der Kategorie Gewehrauflagen & Zielstöcke.

Zum praktischen Vorgehen: Suche das Gelände zuerst mit dem Fernglas großflächig ab. Hast du ein Stück entdeckt, fixierst du das Spektiv grob in die richtige Richtung, stellst zunächst auf niedrige Vergrößerung ein, um das Wild überhaupt ins Bild zu bekommen, und zoomst dann vorsichtig heran. Stelle das Okular scharf, bevor du mit dem Ansprechen beginnst – ein unscharfes Bild führt zu Fehlbeurteilungen. Beobachte das Stück über mehrere Minuten, denn Alter und Verhalten erschließen sich oft erst, wenn das Wild sich bewegt, äst oder sichert. Achte bei länger stehendem Spektiv auf das Luftflimmern über erwärmten Flächen: An heißen Sommertagen über dem Feld ist das Ansprechen auf große Distanz oft unmöglich, weil die aufsteigende Warmluft das Bild zum Kochen bringt. In solchen Fällen hilft nur, in die kühleren Morgen- und Abendstunden auszuweichen oder näher heranzukommen.

Ein weiterer Praxistipp ist das Digiscoping: Mit einem passenden Smartphone-Adapter kannst du durch das Spektiv fotografieren und filmen. Für die Wildbeobachtung, die Dokumentation eines angesprochenen Stücks oder zur Abstimmung im Revier ist das ausgesprochen nützlich. Die Bildqualität reicht an gute Kamerateleobjektive heran, und du brauchst kein zusätzliches schweres Equipment. Gerade bei der Bestandserfassung oder beim Beobachten von Rotwildrudeln ist diese Möglichkeit Gold wert.

Stativ, Adapter und Pflege – das Zubehör rund ums Spektiv

Rechne beim Budget das Zubehör von Anfang an mit ein, denn ein Spektiv ohne stabiles Stativ ist nur ein halbes Werkzeug. Das Stativ muss zum Gewicht des Spektivs passen: Ein schweres 85er-Gerät braucht einen soliden Stativkopf und kräftige Beine, sonst schwingt das Bild bei jeder Berührung und bei Wind. Ein Videoneiger mit weichem Schwenk ist dem Fotokopf vorzuziehen, weil du damit dem Wild flüssig folgen kannst. Für die Pirsch gibt es leichte Carbon-Stative, die zwar teurer sind, aber jedes Gramm Gewichtsersparnis im Gebirge zahlt sich aus.

Zur Pflege: Behandle die Linsen vorsichtig. Groben Schmutz und Staub bläst du zuerst ab oder entfernst ihn mit einem weichen Pinsel, bevor du mit einem Mikrofasertuch oder speziellem Optikreinigungstuch nachwischst – niemals trocken über sandige Linsen reiben, das zerkratzt die Vergütung. Moderne Jagdspektive sind in der Regel wasserdicht und mit Stickstoff oder Argon gefüllt, damit sie innen nicht beschlagen. Prüfe dieses Merkmal beim Kauf, denn ein nicht gasgefülltes Spektiv beschlägt bei Temperaturwechseln von innen und ist dann unbrauchbar. Transportiere das Gerät in der mitgelieferten Tasche und lagere es trocken. Mit dieser Pflege hält ein gutes Spektiv jahrzehntelang und ist eine der nachhaltigsten Investitionen in deine Jagdausrüstung.

Typische Fehler beim Spektivkauf – und wie du sie vermeidest

Der häufigste Fehler ist der Kauf nach der höchsten Vergrößerungszahl. Ein 20–60x-Spektiv klingt beeindruckender als ein 15–45x-Modell, aber wenn das günstigere Gerät im nutzbaren Bereich schärfer abbildet, ist es im Feld das bessere Werkzeug. Der zweite klassische Fehler ist das Sparen am Stativ: Wer sein ganzes Budget ins Spektiv steckt und dann ein wackeliges Billigstativ dazukauft, verschenkt die optische Leistung komplett. Rechne für das Stativ einen angemessenen Anteil des Gesamtbudgets ein.

Ein dritter Fehler betrifft die falsche Geräteklasse für den eigenen Einsatz. Wer zu neunzig Prozent im dichten Wald auf kurze Distanz jagt, braucht kein großes Spektiv, sondern ein besseres Fernglas. Umgekehrt ist der Feldjäger mit einem lichtschwachen Kompaktspektiv unterversorgt. Analysiere ehrlich, wie und wo du tatsächlich jagst, bevor du kaufst. Der vierte Fehler ist das Vernachlässigen der Dämmerungsleistung: Da das meiste Wild in der Dämmerung austritt, ist die Leistung bei schwindendem Licht oft wichtiger als die Schärfe im hellen Tageslicht. Prüfe ein Spektiv deshalb unbedingt auch unter schlechten Lichtbedingungen, nicht nur im Geschäft bei Kunstlicht. Und schließlich: Vergiss über der Technik nicht die Grundlage jeder Jagd. Die waidgerechte Ausübung und die Hege, die das Bundesjagdgesetz in § 1 BJagdG als Inhalt des Jagdrechts festschreibt, verlangen gerade das sichere Ansprechen vor dem Schuss – und genau dafür ist ein gutes Spektiv das richtige Werkzeug.

Häufige Fragen zum Spektiv für die Jagd (FAQ)

Brauche ich als Jäger überhaupt ein Spektiv, oder reicht das Fernglas? Das hängt von deiner Jagdart ab. Für die Wald- und Drückjagd auf kurze Distanz reicht ein gutes Fernglas. Sobald du über offene Flächen jagst und Wild auf mehrere hundert Meter sicher ansprechen willst, ist ein Spektiv deutlich überlegen, weil es Details auflöst, die das Fernglas nicht mehr zeigt. Für Gebirgsjäger und Feldansitzjäger ist es praktisch unverzichtbar.

Welche Vergrößerung ist für ein Jagdspektiv ideal? Ein Zoombereich von 20–60-fach ist Standard, aber du nutzt in der Praxis meist 20- bis 30-fach. Höhere Vergrößerungen brauchst du nur bei perfekten Bedingungen. Entscheidend ist, dass das Spektiv im unteren und mittleren Bereich scharf und hell abbildet – nicht die höchste Zahl auf dem Papier.

Welcher Objektivdurchmesser ist der richtige? Für den festen Ansitz und die Feldjagd ist ein großes Objektiv von 80 bis 85 Millimeter ideal, weil es viel Licht sammelt und die Dämmerungszeit verlängert. Für die Bergpirsch, bei der du jedes Gramm trägst, ist ein kompaktes 60- bis 65er-Objektiv der bessere Kompromiss zwischen Leistung und Gewicht.

Was bedeutet die Angabe 20–60x85 bei einem Spektiv? Die erste Zahl ist die minimale Vergrößerung, die zweite die maximale, und die dritte der Objektivdurchmesser in Millimeter. Ein 20–60x85 vergrößert also 20- bis 60-fach und hat ein 85-Millimeter-Objektiv. Aus Objektiv geteilt durch Vergrößerung berechnest du die Austrittspupille.

Warum wird das Bild in der Dämmerung bei hoher Vergrößerung so dunkel? Weil die Austrittspupille – Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung – mit steigender Vergrößerung kleiner wird. Sinkt sie unter den Durchmesser deiner geweiteten Augenpupille, gelangt weniger Licht ins Auge, und das Bild wird dunkel. Deshalb nimmst du bei schwindendem Licht die Vergrößerung zurück.

Gerade- oder Schrägeinblick – was ist besser? Das ist eine Frage der Jagdweise. Der Geradeinblick ist intuitiver und ideal für die Beobachtung aus dem Fahrzeug oder von der Kanzel. Der Schrägeinblick erlaubt einen niedrigeren, stabileren Stativaufbau und bequemes Beobachten bergauf, weshalb er im Gebirge beliebt ist.

Lohnt sich teures ED-Glas wirklich? Ja, wenn du anspruchsvoll ansprichst. ED-Glas unterdrückt Farbsäume an Kontrastkanten und liefert ein saubereres, detailreicheres Bild – gerade bei hoher Vergrößerung und bei der Beurteilung feiner Merkmale. Zusammen mit guter Mehrfachvergütung ist es der Hauptgrund für Qualitätsunterschiede zwischen scheinbar baugleichen Geräten.

Fazit: Das richtige Spektiv ist das, das zu deiner Jagd passt

Ein Jagdspektiv ist kein Prestigeobjekt, sondern ein Arbeitsgerät für das sichere Ansprechen von Wild auf große Distanz. Die wichtigste Erkenntnis für deinen Kauf: Lass dich nicht von der höchsten Vergrößerungszahl blenden, sondern achte auf ehrliche Bildqualität im nutzbaren Bereich, ein zur Jagdweise passendes Objektiv, hochwertiges ED-Glas mit guter Vergütung und ein stabiles Stativ. Wer vom Ansitz und Feld jagt, fährt mit einem großen 80er-Objektiv und Geradeinblick am besten; der Bergpirscher wählt leicht und kompakt mit Schrägeinblick. Und denke immer daran, dass das beste Spektiv dem Zweck dient, vor dem Schuss Klarheit zu schaffen – ganz im Sinne des waidgerechten Jagens. Vergleiche in Ruhe die verschiedenen Modelle, prüfe Vergrößerung, Objektiv und Austrittspupille für deine Jagdweise, und wähle das Gerät, das zu deinem Revier und deiner Jagd passt. Wer sauber ansprechen kann, jagt sicherer und waidgerechter – dafür ist das richtige Spektiv die beste Investition.

Autor: Redaktion purewild.de – Jäger und Ausrüstungsexperten aus der Praxis. Stand: November 2026.

Passende Produkte

Ratgeber

Weitere Artikel

Alle Beiträge

16 Min. Lesezeit

Forellensee-Ausrüstung – der Komplettguide

Die richtige Ausrüstung entscheidet am Forellensee über den Fangerfolg. Dieser Komplettguide führt dich durch Rute, Rolle, Montagen, Köder und Zubehör – inklusive der typischen Anfängerfehler.

16 Min. Lesezeit

Hundeausrüstung für die Bewegungsjagd

Signalweste, Schutz gegen Schwarzwild, GPS-Ortung und Erste Hilfe: Welche Ausrüstung dein Hund für die Bewegungsjagd wirklich braucht – der Praxisratgeber.

16 Min. Lesezeit

Welsangeln am Fluss

Welse am Fluss gezielt finden und fangen: Strömung lesen, Kolke und Buhnen anwerfen, die richtige Montage und Köder wählen.