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Ansitzjagd

Was ist Ansitzjagd? – Bei der Ansitzjagd wartet der Jäger bewegungslos an einem festen, meist erhöhten Platz wie Hochsitz oder Kanzel, bis Wild in Anblick kommt und ein sauberer Schuss möglich ist. Sie ist die ruhigste, sicherste und in Deutschland am weitesten verbreitete Jagdart.

Die Ansitzjagd zählt zu den klassischen Einzeljagdarten. Statt das Wild aktiv zu suchen wie bei der Pirsch oder es durch Treiber in Bewegung zu bringen wie bei der Drückjagd, sucht der Jäger einen aussichtsreichen Platz auf und wartet dort geduldig ab. Damit ist sie die Jagdart, mit der die meisten Jungjäger einsteigen, weil sie kontrolliert, planbar und vergleichsweise sicher ist.

Wie läuft eine Ansitzjagd ab?

Der Jäger begibt sich rechtzeitig vor der eigentlichen Aktivitätszeit des Wildes zu seiner Ansitzeinrichtung. Zur Morgendämmerung heißt das früh vor Sonnenaufgang, zum Abendansitz einige Stunden vor Einbruch der Dunkelheit. Der Weg zum Sitz erfolgt möglichst leise und mit dem Wind, damit das Wild nicht vorgewarnt wird.

Am Sitz angekommen, richtet sich der Jäger ein, macht die Waffe sicher bereit und verhält sich dann vor allem eines: ruhig. Bewegungen, Geräusche und menschliche Witterung sind die häufigsten Gründe, warum Wild nicht austritt oder sofort wieder abspringt. Kommt Wild in Anblick, folgt das Ansprechen – die genaue Beurteilung von Art, Geschlecht, Alter und Zustand des Stücks. Erst wenn das Stück dem Abschussplan entspricht, ein sicherer Kugelfang vorhanden ist und ein sauberer, tierschutzgerechter Schuss möglich ist, wird geschossen. Alles Weitere geschieht nach den Grundsätzen der waidgerechten Jagd.

Warum sitzt man bei der Ansitzjagd erhöht?

Der erhöhte Sitz auf einem Hochsitz, einer Kanzel oder einer transportablen Ansitzleiter bringt gleich mehrere Vorteile. Erstens verschafft die erhöhte Position einen besseren Überblick über das Revier und die Wildwechsel. Zweitens steigt die menschliche Witterung nach oben und wird über das Wild hinweggetragen, sodass der Jäger schlechter gewittert wird. Drittens – und das ist der wichtigste Sicherheitsaspekt – schießt der Jäger von oben nach unten in den Boden als sicheren Kugelfang. So wird verhindert, dass ein Geschoss unkontrolliert weiterfliegt.

Neben festen Hochsitzen und Kanzeln kommen mobile Ansitzeinrichtungen zum Einsatz, die sich flexibel an wechselnde Wildwechsel anpassen lassen. Für den kurzen, spontanen Ansitz am Boden nutzen manche Jäger zudem Ansitzstühle oder Bodensitze mit Sichtschutz.

Welche Ausrüstung braucht man für den Ansitz?

Weil der Ansitz vom stundenlangen, regungslosen Warten lebt, steht angepasste Jagdbekleidung ganz oben auf der Liste. Sie muss warm, leise und geräuscharm im Stoff sein und darf in gedeckten, dem Revier angepassten Farben nicht auffallen. Gerade in der kalten Jahreszeit entscheidet die Kleidung darüber, wie lange man überhaupt konzentriert ausharren kann – wer friert, wird unruhig und bricht den Ansitz zu früh ab.

Ebenso wichtig ist ein gutes Fernglas zum Ansprechen des Wildes in der Dämmerung, eine sichere Waffenauflage für den ruhigen Schuss und ein scharfes Jagdmesser für das anschließende Aufbrechen und Versorgen des erlegten Stücks. Dazu kommen Kleinigkeiten, die den langen Ansitz erträglich machen: ein Sitzkissen, etwas zu trinken, eine Lampe für den Nachweg und je nach Situation ein Zielstock oder eine Auflage an der Kanzelbrüstung.

Wann ist die beste Zeit für die Ansitzjagd?

Wild ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die aussichtsreichsten Zeiten für den Ansitz sind daher die Morgen- und die Abenddämmerung, wenn das Wild zwischen Einstand und Äsungsflächen wechselt. In der Brunft- und Blattzeit verschieben sich die Aktivitätszeiten, und auch tagsüber kann sich der Ansitz lohnen. Wind, Wetter und Mondphase beeinflussen das Austreten des Wildes ebenfalls: Ruhige, milde Abende sind oft ergiebiger als stürmische oder sehr helle Nächte.

Entscheidend für den Erfolg ist die Revierkenntnis. Wer weiß, wo die Wildwechsel verlaufen, wo geäst wird und wie der Wind an einem bestimmten Sitz steht, wählt den richtigen Ansitzplatz für den jeweiligen Abend. Ein an sich guter Hochsitz ist wertlos, wenn der Wind die eigene Witterung genau in den Einstand trägt.

Welche Wildarten bejagt man vom Ansitz?

Klassisch wird die Ansitzjagd auf Rehwild, Schwarzwild sowie auf Rot-, Dam- und Muffelwild ausgeübt. Besonders bei der Bewirtschaftung von Rehwild und bei der Reduktion von Schwarzwild an Kirrungen oder Feldrändern ist der Ansitz die zentrale Methode. Auch Raubwild lässt sich vom Ansitz bejagen. Der ruhige, gezielte Einzelabschuss vom Sitz erlaubt eine sehr genaue Auswahl des Stücks nach Abschussplan und ist damit ein wichtiges Instrument der Wildbewirtschaftung.

Welche Voraussetzungen gelten für die Ansitzjagd?

Wie jede Jagd in Deutschland ist auch die Ansitzjagd an den gültigen Jagdschein und an ein Jagdausübungsrecht gebunden – man jagt also im eigenen Revier oder mit Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten, etwa als Jagdgast oder Begeher. Zu beachten sind außerdem die gesetzlichen Jagd- und Schonzeiten der jeweiligen Wildart, die waffenrechtlichen Vorgaben und die revierüblichen Sicherheitsregeln. Ansitzeinrichtungen müssen verkehrssicher gebaut und unterhalten werden, denn der Jäger haftet für ihren Zustand. Vor dem Ansitz meldet man sich in der Regel im Revier an, damit andere wissen, wo geschossen wird.

Wo liegen die Vorteile und Grenzen der Ansitzjagd?

Die Stärken der Ansitzjagd liegen in ihrer Sicherheit, der ruhigen und genauen Schussabgabe und der guten Möglichkeit, das Wild vor dem Schuss in Ruhe anzusprechen. Sie schont das Wild, weil kein Beunruhigen des gesamten Reviers nötig ist, und eignet sich hervorragend für den gezielten Einzelabschuss. Zudem ist sie körperlich weniger fordernd als die Pirsch und daher für nahezu jeden Jäger geeignet.

Ihre Grenzen zeigen sich dort, wo großflächig und in kurzer Zeit Wild bejagt werden muss – etwa zur Schwarzwildreduktion, wo die Drückjagd effizienter ist. Auch verlangt der Ansitz viel Geduld: Ein Abend ohne Anblick gehört dazu und ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wer den Ansitz als stille, aufmerksame Zeit in der Natur begreift, wird mit dieser Jagdart am meisten Freude haben.

Wie bleibt man auf dem Ansitz unentdeckt?

Der Erfolg des Ansitzes steht und fällt mit drei Sinnen des Wildes: Nase, Ohren und Augen. Am wichtigsten ist der Wind. Wild verlässt sich vor allem auf seine feine Nase, und kein noch so gut getarnter Sitz nützt etwas, wenn der Wind die menschliche Witterung in den Einstand trägt. Deshalb prüft der erfahrene Jäger vor jedem Ansitz die Windrichtung und wählt den Sitz entsprechend. Geräusche vermeidet man durch leises Anwandern, geräuscharme Kleidung und ruhiges Verhalten auf dem Sitz – schon das Öffnen eines Reißverschlusses oder das Rascheln einer Tüte kann Wild verscheuchen. Gegen das Auge des Wildes helfen gedeckte Farben, das Vermeiden von Bewegungen und das Ausnutzen der Deckung, die eine geschlossene Kanzel bietet.

Was sollten Einsteiger beim ersten Ansitz beachten?

Für den ersten Ansitz gilt: früh genug am Sitz sein, damit sich das Revier nach der Beunruhigung durch das Anwandern wieder beruhigt. Handy stummschalten, warm anziehen und Geduld mitbringen. Vor dem Schuss immer sicher ansprechen und den Kugelfang prüfen – im Zweifel wird nicht geschossen. Wer neu im Revier ist, lässt sich die Sitze, die Wildwechsel und die geltenden Sicherheitsregeln am besten vom Revierinhaber zeigen. Ein Ansitz ohne Anblick ist kein Misserfolg, sondern Teil der Jagd; oft lernt man an solchen Abenden am meisten über das Verhalten des Wildes und über das eigene Revier.

Ansitzjagd, Pirsch und Drückjagd – wo liegt der Unterschied?

Bei der Ansitzjagd wartet der Jäger passiv an einem festen Platz auf das Wild. Bei der Pirsch bewegt er sich langsam und leise durch das Revier, um sich an das Wild anzunähern. Bei der Drück- oder Bewegungsjagd schließlich bringen Treiber und Hunde das Wild in Bewegung, das dann von Schützen an festen Ständen erlegt wird. Ansitz und Pirsch sind Einzeljagdarten mit gezieltem Einzelabschuss, während die Drückjagd eine Gesellschaftsjagd ist. In der Praxis ergänzen sich diese Jagdarten über das Jagdjahr hinweg je nach Wildart, Jahreszeit und Bewirtschaftungsziel.

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