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Fernglas für die Jagd wählen

Ein gutes Fernglas ist für den Jäger das wichtigste Ausrüstungsstück überhaupt – noch vor der Waffe. Denn geschossen wird erst, wenn sicher angesprochen ist, und angesprochen wird mit dem Glas. Die Kernaussage vorweg: Das richtige Jagdfernglas ist immer das, das zu deiner Hauptjagdart passt. Für den Ansitz in der Dämmerung brauchst du ein lichtstarkes 8x56, für Pirsch und Bergjagd ein leichtes, handliches 8x42 oder 10x42, und für weite Ansprache ergänzend ein Spektiv. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt, welche Zahlen auf dem Glas etwas bedeuten und welche typischen Fehler du beim Kauf vermeidest.

Wir gehen dabei nicht nur die technischen Kennwerte durch, sondern verknüpfen sie mit der jagdlichen Praxis: Wie hält sich ein Glas nach zwei Stunden auf dem Hochsitz, wie schnell findest du damit das Stück im Bestand, und wo lohnt sich der Aufpreis für hochwertige Optik tatsächlich? Am Ende weißt du, welches Format zu deinem Revier und deinem Geldbeutel passt.

Welches Fernglas passt zu welcher Jagdart?

Die Jagdart bestimmt das Format – das ist die wichtigste Entscheidung überhaupt. Für den Ansitz auf Reh- und Schwarzwild in der Dämmerung ist ein lichtstarkes 8x56 der Klassiker, weil es in den entscheidenden Minuten am Tagesrand am meisten aus dem Restlicht herausholt. Für die Pirsch und die Bewegungsjagd, bei der du das Glas oft am Mann trägst und schnell einsetzen musst, sind kompakte 8x42 oder 10x42 die bessere Wahl. Für die Bergjagd zählt jedes Gramm, hier tendieren viele zu einem leichten 8x42 oder sogar zu Kompaktgläsern.

Beim Ansitz hast du Zeit und meist eine feste Auflage, etwa die Brüstung der Kanzel. Dann darf das Glas ruhig etwas schwerer sein, denn die Lichtstärke des großen 56er-Objektivs zahlt sich am Abend voll aus. Wenn du überwiegend am Abend und in der Nacht ansitzt, lies dir unbedingt auch unseren Ratgeber Ansitzjagd für Einsteiger durch, in dem wir das Zusammenspiel von Optik, Zielstock und Ansprechzeit ausführlich behandeln.

Bei der Pirsch dagegen führst du das Glas ständig mit, hebst es dutzendfach ans Auge und musst es blitzschnell scharf haben. Ein schweres 8x56 wird hier schnell zur Last und ermüdet Arme und Nacken. Ein handliches 8x42 mit gutem Sehfeld ist deutlich angenehmer und für die meisten Pirschsituationen bei Tageslicht völlig ausreichend. Bei der Drückjagd schließlich brauchst du gar kein großes Glas, sondern ein leichtes, weit öffnendes Modell, mit dem du flüchtiges Wild schnell erfassen und ansprechen kannst.

Was bedeuten die Zahlen wie 8x42 auf dem Fernglas?

Die erste Zahl ist die Vergrößerung, die zweite der Objektivdurchmesser in Millimetern. Ein 8x42 vergrößert also achtfach und hat ein Frontlinse von 42 Millimeter Durchmesser. Die Vergrößerung sagt dir, wie nah dir das Wild optisch gerückt wird: Bei achtfacher Vergrößerung erscheint ein Reh auf 80 Meter so groß, als stünde es zehn Meter vor dir. Der Objektivdurchmesser bestimmt, wie viel Licht das Glas einsammeln kann – je größer das Objektiv, desto heller das Bild bei schwachem Licht.

Aus diesen beiden Werten leiten sich fast alle weiteren Kennzahlen ab. Die wichtigste für die Jagd ist die Austrittspupille, also der Lichtbündeldurchmesser, der hinten aus dem Okular tritt. Sie ergibt sich aus Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung: Ein 8x56 hat 7 Millimeter, ein 10x42 nur 4,2 Millimeter. Diese Zahl entscheidet maßgeblich darüber, wie hell das Glas in der Dämmerung wirkt. Eine kompakte und dennoch fundierte Einführung in diese optischen Grundlagen, wie sie auch für die Jägerprüfung verlangt wird, findest du bei Waidwissen.

Eine zweite abgeleitete Kennzahl ist die Dämmerungszahl, die sich aus der Wurzel des Produkts von Vergrößerung und Objektivdurchmesser berechnet. Sie soll die theoretische Leistung bei schwindendem Licht anzeigen, überbewertet aber hohe Vergrößerung und sagt nichts über die Glasqualität aus. Verlasse dich deshalb nie allein auf sie, sondern betrachte immer Austrittspupille, Transmission und Dämmerungszahl gemeinsam. Wenn du den Begriff Fernglas und seine Kennwerte grundsätzlich nachschlagen möchtest, hilft dir unser Glossar mit kurzen, präzisen Definitionen weiter.

Wie wichtig ist die Dämmerungsleistung wirklich?

Für die Jagd ist die Dämmerungsleistung das entscheidende Kaufkriterium überhaupt, denn Wild ist vor allem in der Dämmerung aktiv. Genau dann, wenn dein bloßes Auge kaum noch etwas erkennt, muss das Glas noch Kontrast und Detail liefern, damit du Geschlecht, Alter und Erlegbarkeit sicher ansprechen kannst. Ein Glas, das am hellen Tag brilliert, aber in der blauen Stunde abfällt, taugt für den ambitionierten Jäger wenig.

Die Dämmerungsleistung hängt an drei Faktoren: der Größe der Austrittspupille, der Lichttransmission und der allgemeinen Glasqualität. Die Austrittspupille sollte in tiefer Dämmerung möglichst der geweiteten Pupille deines Auges entsprechen, die sich beim jungen Erwachsenen auf sechs bis sieben Millimeter öffnet. Deshalb wirkt ein 8x56 mit seiner 7-Millimeter-Austrittspupille abends spürbar heller als ein 10x42 mit nur 4,2 Millimeter, obwohl beide auf dem Papier ähnliche Dämmerungszahlen haben. Mit zunehmendem Alter verengt sich die maximale Pupillenweite allerdings, sodass ältere Jäger von der ganz großen Austrittspupille weniger profitieren.

Die Lichttransmission gibt an, wie viel des einfallenden Lichts tatsächlich am Auge ankommt. Hochwertige Gläser mit modernen Vergütungen erreichen über 90 Prozent, einfache Modelle liegen deutlich darunter. Dieser Unterschied ist in der Dämmerung sofort sichtbar und lässt sich durch keine Kennzahl auf dem Datenblatt vollständig abbilden – ein weiterer Grund, warum du Gläser vor dem Kauf im echten Halbdunkel vergleichen solltest. Der Optikhersteller Zeiss erklärt die Zusammenhänge und die Grenzen der reinen Rechenwerte anschaulich in seinem Beitrag zur Dämmerungszahl in der Jagd.

Reicht achtfache Vergrößerung oder brauchst du zehnfach?

Für die meisten Jagdsituationen ist die achtfache Vergrößerung der bessere Kompromiss aus Bildruhe, Sehfeld und Lichtstärke. Zehnfach klingt verlockend, hat aber gleich mehrere Nachteile: Das Bild wird bei gleicher Objektivgröße dunkler, weil die Austrittspupille schrumpft, das Sehfeld wird enger, und jede Handbewegung wird stärker verwackelt. Freihändig ruhig halten lässt sich ein 10-faches Glas nur mit ruhiger Hand oder Auflage.

Die achtfache Vergrößerung dagegen liefert ein ruhiges, helles Bild mit weitem Sehfeld – ideal, um Wild im Bestand oder am Waldrand aufzufinden und flüssig zu verfolgen. Für den Ansitz und die Pirsch im Wald oder im mitteleuropäischen Mischrevier ist 8-fach fast immer die richtige Wahl. Zehnfache Gläser spielen ihre Stärke nur dort aus, wo du regelmäßig auf sehr weite Distanz ansprichst, etwa im offenen Feld, im Gebirge oder bei der Auslandsjagd auf große Weiten.

Willst du sowohl weit als auch detailliert beobachten, ist die sinnvollere Lösung oft nicht ein 10x-Fernglas, sondern die Kombination aus einem 8x42-Fernglas für die Übersicht und einem Spektiv für die Detailansprache auf große Distanz. So bleibst du beim Fernglas bei der komfortablen achtfachen Vergrößerung und hast für den seltenen Fall der Weitansprache trotzdem die nötige Reserve.

Objektivdurchmesser: 42 oder 56 Millimeter?

Die Antwort hängt allein davon ab, wie viel du in der Dämmerung jagst und wie viel Gewicht du tragen willst. Ein 56er-Objektiv sammelt deutlich mehr Licht und liefert die große 7-Millimeter-Austrittspupille, die am Abend den Unterschied macht. Der Preis dafür ist Gewicht und Baugröße: Ein 8x56 wiegt oft über einen Kilogramm und ist spürbar klobiger als ein 8x42, das häufig unter 700 Gramm bleibt.

Für den reinen Ansitzjäger, der vor allem in der Dämmerung und im Winter jagt, ist das 56er-Objektiv die richtige Wahl – das Mehrgewicht stört auf der festen Auflage der Kanzel kaum, und die Lichtausbeute ist durch nichts zu ersetzen. Für den Pirsch- und Ansitzdrücker, der viel läuft und das Glas ständig am Mann trägt, ist das 42er-Objektiv der bessere Begleiter, weil es leichter, kompakter und schneller einsatzbereit ist. Bei überwiegend nächtlicher Jagd stößt aber selbst das 56er an Grenzen; dann führt der Weg zu restlichtverstärkender oder thermischer Technik, die wir weiter unten behandeln.

Wie wichtig sind Sehfeld und Naheinstellung?

Das Sehfeld – also der Bereich, den du bei einer bestimmten Entfernung überblickst – ist gerade bei bewegter Jagd wichtiger, als viele denken. Ein weites Sehfeld hilft dir, flüchtiges Wild schnell zu finden und im Blick zu behalten, und erleichtert das Absuchen von Bestand und Feld. Angegeben wird es meist in Metern auf 1000 Meter oder als Sehwinkel in Grad. Gute Jagdgläser mit achtfacher Vergrößerung erreichen 120 Meter und mehr auf 1000 Meter.

Bei zehnfacher Vergrößerung schrumpft das Sehfeld naturgemäß, was das Auffinden von Wild erschwert – ein weiterer Punkt, der für die achtfache Vergrößerung spricht. Die Naheinstellgrenze spielt in der Jagd eine kleinere Rolle als in der Vogelbeobachtung, kann aber praktisch sein, wenn du am Ansitz Fährten oder Insekten in Kanzelnähe betrachten willst. Achte außerdem auf eine große Augenmuschel und einen ausreichenden Augenabstand, wenn du Brillenträger bist – sonst siehst du das Sehfeld nicht vollständig.

Worauf kommt es bei Glasqualität und Vergütung an?

Die Glasqualität ist der Faktor, der sich nicht in eine einzige Kennzahl pressen lässt und trotzdem über Erfolg und Frust entscheidet. Hochwertige Gläser verwenden ED- oder HD-Glas, das Farbsäume an Kontrastkanten (chromatische Aberration) minimiert und ein knackscharfes, farbtreues Bild liefert. Mehrfachvergütungen auf allen Linsenflächen erhöhen die Transmission und reduzieren Reflexe und Streulicht, was Kontrast und Dämmerungsleistung deutlich verbessert.

Diese Qualität kostet Geld, und genau hier trennt sich Einsteiger- von Premiumware. Ein Fernglas für 150 Euro kann am hellen Tag durchaus brauchbar aussehen, fällt aber in der Dämmerung, gegen das Licht und an den Bildrändern spürbar ab. Ein Glas der oberen Mittelklasse liefert dagegen bis in die Randzonen ein sauberes, kontrastreiches Bild und hält auch bei Gegenlicht die Fassung. Für den Jäger, der oft in der Dämmerung anspricht, ist das kein Luxus, sondern die Voraussetzung für sicheres Ansprechen. Eine gute Auswahl jagdtauglicher Gläser verschiedener Preisklassen findest du in unserer Kategorie Ferngläser. Auch der Optikspezialist Swarovski gibt in seinem Ratgeber Welches Fernglas für die Jagd praxisnahe Hinweise zur Modellwahl.

Wie viel darf ein Jagdfernglas wiegen?

Das hängt davon ab, ob du das Glas trägst oder auflegst. Auf dem Ansitz spielt Gewicht kaum eine Rolle, weil das Glas meist auf der Brüstung liegt oder am Bino-Harness auf der Brust ruht. Hier darf ein 8x56 mit über einem Kilo ruhig sein Mehrgewicht mitbringen. Auf der Pirsch und der Bergjagd dagegen zählt jedes Gramm, weil du das Glas stundenlang mitschleppst und immer wieder ans Auge hebst.

Als Faustregel gilt: Für den mobilen Einsatz sollte das Glas möglichst unter 800 Gramm bleiben, für die Bergjagd besser unter 700 Gramm. Ein leichtes 8x42 ist hier fast immer die vernünftigere Wahl als ein schweres 8x56, auch wenn es abends etwas Lichtstärke einbüßt. Wichtig ist außerdem die Gewichtsverteilung und Ergonomie: Ein gut ausbalanciertes Glas mit griffiger Armierung liegt ruhiger in der Hand und ermüdet weniger. Ein Bino-Harness statt des mitgelieferten Nackenriemens entlastet den Nacken erheblich und hält das Glas ruhig am Körper – passendes Trage- und Pflegezubehör findest du in der Kategorie Zubehör für Optik & Nachtsicht.

Fernglas mit Entfernungsmesser – sinnvoll oder überflüssig?

Ein integrierter Entfernungsmesser ist überall dort sinnvoll, wo du auf wechselnde und weite Distanzen jagst. Solche Gläser messen die Entfernung zum Wild per Laser auf Knopfdruck und zeigen sie direkt im Sehfeld an – das erspart dir das zusätzliche Handhaben eines separaten Entfernungsmessers und liefert die Distanz genau in dem Moment, in dem du ohnehin durch das Glas ansprichst. Für die Berg- und Feldjagd, die Auslandsjagd und überall dort, wo Schüsse auf 150 Meter und mehr vorkommen, ist das ein echter Sicherheitsgewinn.

Für die klassische Ansitzjagd im Wald auf kurze, bekannte Distanzen ist die Funktion dagegen oft entbehrlich, weil du die Entfernungen zu den Kirrungen und Schneisen ohnehin kennst. Bedenke auch, dass Entfernungsmesser-Gläser teurer, schwerer und batterieabhängig sind. Wer den weiten Schuss sauber vorbereiten will, kombiniert das Ansprechen ohnehin mit einer stabilen Auflage; wie du sie einsetzt, zeigt unser Ratgeber Zielstock im Glossar. Moderne Kombigläser vereinen Beobachtung, Entfernungsmessung und teils sogar ballistische Ausgabe in einem Gerät – ob sich der Aufpreis lohnt, entscheidet dein Revier.

Wie robust und wetterfest muss das Glas sein?

Ein Jagdfernglas muss wasserdicht, beschlagfrei und stoßfest sein – das sind keine Extras, sondern Grundvoraussetzungen. Achte auf eine Stickstoff- oder Argonfüllung, die das Innere trocken hält und ein Beschlagen der Linsen bei Temperaturwechseln verhindert, etwa wenn du aus der warmen Stube in die kalte Morgendämmerung trittst. Eine Wasserdichtigkeit, die auch kurzes Untertauchen übersteht, schützt vor Regen, Schnee und Feuchtigkeit im hohen Gras.

Die Gummiarmierung schützt das Gehäuse vor Stößen und sorgt für sicheren Griff auch mit klammen oder behandschuhten Händen. Praktisch sind zudem drehbare Augenmuscheln, ein leichtgängiger, aber nicht zu loser Fokustrieb und ein robuster Dioptrienausgleich, der sich nicht versehentlich verstellt. Diese Details entscheiden über die Langlebigkeit im harten Reviereinsatz – ein Glas, das nach dem ersten nassen Herbst beschlägt oder dessen Fokus schwergängig wird, ist eine Fehlinvestition.

Praxisteil: Welches Fernglas für welchen Jäger?

Fassen wir die Theorie in konkrete Empfehlungen zusammen. Der klassische Ansitzjäger, der vor allem in der Dämmerung auf Reh- und Schwarzwild waidwerkt, fährt mit einem hochwertigen 8x56 am besten – maximale Lichtstärke, große Austrittspupille, ruhiges Bild. Das Mehrgewicht spielt auf der Kanzel keine Rolle. Wer viel ansitzt und dabei auf Schwarzwild in der Nacht wartet, sollte sein 8x56 zusätzlich mit thermischer Technik ergänzen; wie das in der Praxis aussieht, liest du in unserem Ratgeber Nachtjagd auf Schwarzwild.

Der Pirsch- und Bewegungsjäger, der viel läuft und schnell ansprechen muss, ist mit einem leichten, robusten 8x42 optimal ausgestattet. Es ist handlich, hell genug für die meisten Tagsituationen und schont Nacken und Arme. Der Berg- und Feldjäger, der auf große Weiten ansprechen und die Distanz kennen muss, greift zum 10x42 mit Entfernungsmesser oder kombiniert ein 8x42 mit einem Spektiv. Der Einsteiger schließlich, der ein solides Allroundglas für den mitteleuropäischen Mischrevier sucht, macht mit einem guten 8x42 aus der Mittelklasse nichts falsch – es deckt Ansitz und Pirsch gleichermaßen ab.

Ein häufiger Anfängerfehler ist, sich von hohen Vergrößerungszahlen blenden zu lassen und ein 10x- oder 12x-Glas zu kaufen, das sich freihändig nicht ruhig halten lässt und in der Dämmerung dunkel wirkt. Ein zweiter Fehler ist, am Glas zu sparen und dafür an anderer Stelle Geld zu verbrennen: Ein hochwertiges Fernglas begleitet dich über Jahrzehnte und ist die Investition, die sich in jeder Dämmerung auszahlt. Ein dritter Fehler ist, das Glas nur im hellen Laden zu testen und nicht in der Dämmerung, in der es tatsächlich arbeiten muss.

Wie pflegst du dein Fernglas richtig?

Ein Fernglas hält bei guter Pflege ein Jägerleben lang. Reinige die Linsen nie trocken mit dem Hemdzipfel, weil Staubkörner die Vergütung verkratzen. Blase groben Staub zuerst ab oder nimm einen weichen Pinsel, und wische dann mit einem sauberen Optiktuch und bei Bedarf etwas Reinigungsflüssigkeit in kreisenden Bewegungen von innen nach außen. Bewahre das Glas trocken und vor Staub geschützt auf, idealerweise mit aufgesetzten Objektivdeckeln.

Achte darauf, den Fokustrieb und den Dioptrienausgleich sauber zu halten und keine Gewalt anzuwenden. Bei Feuchtigkeit im Revier trocknest du das Glas nach der Jagd vorsichtig ab, bevor du es einpackst. Der Trageriemen oder das Bino-Harness sollte fest sitzen, damit das Glas nicht baumelt und bei Sturz oder Anschlag geschützt bleibt. Wer neben dem Fernglas auch die weitere Reviertechnik im Blick behalten will, findet in unseren Kategorien Wildkameras und Zielfernrohre passende Ergänzungen für die Revierarbeit und den Ansitz.

Wie stellst du dein Fernglas richtig ein?

Selbst das beste Glas liefert nur dann ein perfektes Bild, wenn du es einmal sauber auf deine Augen einstellst. Klappe zunächst die beiden Fernrohrhälften über die Mittelachse so weit auf oder zu, bis du beim Durchsehen ein einziges, rundes Bild ohne Schatten am Rand siehst – damit ist der Augenabstand an deinen Pupillenabstand angepasst. Brillenträger drehen oder schieben die Augenmuscheln ein, alle anderen ziehen sie heraus, damit der Augenabstand zum Okular stimmt und das volle Sehfeld sichtbar wird.

Anschließend stellst du den Dioptrienausgleich ein, der Unterschiede zwischen deinen beiden Augen ausgleicht. Schließe dazu das Auge über dem verstellbaren Okular (meist das rechte), stelle mit dem zentralen Fokustrieb ein Objekt gestochen scharf, schließe dann das andere Auge und stelle allein über den Dioptrienring nach, bis auch dieses Bild scharf ist. Merke dir den eingestellten Wert. Ab jetzt fokussierst du im Feld nur noch über den zentralen Trieb, und das Bild ist für beide Augen scharf. Diese einmalige Einstellung entscheidet über ermüdungsfreies Sehen und ist gerade bei langen Ansitzen Gold wert.

Fernglas, Wärmebild oder Nachtsicht – was brauchst du wann?

Diese drei Gerätearten ergänzen sich, sie ersetzen einander nicht. Das Fernglas ist dein Werkzeug für das Ansprechen bei Tag und in der Dämmerung, für die saubere Beurteilung von Geschlecht, Alter und Erlegbarkeit. Eine Wärmebildkamera hilft dir, Wild überhaupt zu entdecken – auch nachts, im hohen Bewuchs und über weite Flächen –, taugt aber wegen des fehlenden Details nur eingeschränkt zum Ansprechen. Nachtsichtgeräte wiederum verstärken das Restlicht und liefern ein detailreicheres Bild bei Dunkelheit, brauchen dafür aber ein Minimum an Licht.

In der Praxis heißt das: Für die Nachtjagd auf Schwarzwild entdeckst du das Wild mit der Wärmebildkamera, sprichst mit dem Nachtsichtgerät oder – wo erlaubt – mit einem Nachtzielgerät an und schießt. Am Tag und in der Dämmerung bleibt das klassische Fernglas unersetzlich. Welche gesetzlichen und praktischen Besonderheiten für thermische Technik gelten, erklären wir im Ratgeber Wärmebildkamera in der Jagd. Für die reine Dunkelheitsbeobachtung findest du geeignete Geräte in der Kategorie Nachtsichtgeräte.

Häufige Fragen zum Jagdfernglas (FAQ)

Welches Fernglas ist das beste für die Dämmerung?

Für die Dämmerung ist ein 8x56 die beste Wahl, weil es mit seiner 7-Millimeter-Austrittspupille am meisten Restlicht an dein Auge weitergibt. Entscheidend sind neben dem großen Objektiv aber auch hohe Transmission und gute Vergütung – ein billiges 8x56 wird von einem hochwertigen 8x42 in der Praxis oft geschlagen.

Ist 8x42 oder 10x42 besser für die Jagd?

Für die meisten Reviere ist 8x42 besser, weil es ein helleres Bild, ein weiteres Sehfeld und mehr Bildruhe bietet. 10x42 lohnt sich nur, wenn du regelmäßig auf sehr weite Distanz ansprichst und eine ruhige Hand oder Auflage hast.

Was bedeutet die Dämmerungszahl?

Die Dämmerungszahl ist die Wurzel aus dem Produkt von Vergrößerung und Objektivdurchmesser und beschreibt die theoretische Leistung bei schwachem Licht. Sie eignet sich nur zum groben Vergleich, weil sie hohe Vergrößerung überbewertet und Glasqualität sowie Transmission nicht berücksichtigt.

Brauche ich als Anfänger ein teures Fernglas?

Du brauchst kein Spitzenmodell, aber ein solides Glas der Mittelklasse zahlt sich aus. Gerade in der Dämmerung, wenn es aufs sichere Ansprechen ankommt, macht sich der Unterschied zu Billigware sofort bemerkbar – und ein gutes Glas hält Jahrzehnte.

Fernglas oder Spektiv – was zuerst kaufen?

Zuerst das Fernglas, denn es ist das universelle Werkzeug für Ansitz und Pirsch. Ein Spektiv ist eine sinnvolle Ergänzung für die Detailansprache auf große Distanz, ersetzt das Fernglas aber nie.

Fazit: So findest du dein Fernglas für die Jagd

Das richtige Jagdfernglas ergibt sich aus deiner Hauptjagdart, nicht aus der höchsten Kennzahl auf dem Datenblatt. Für den Dämmerungsansitz greifst du zum lichtstarken 8x56, für Pirsch, Bergjagd und Bewegungsjagd zum leichten, handlichen 8x42, und für die Weitansprache ergänzt du bei Bedarf ein Spektiv. Achte auf große Austrittspupille, hohe Transmission, sauberes Randbild und robuste, wasserdichte Bauweise – und teste das Glas vor dem Kauf immer in der Dämmerung, in der es tatsächlich arbeiten muss. Ein gutes Fernglas ist die beste Investition, die ein Jäger tätigen kann: Es begleitet dich über Jahrzehnte und entscheidet in jeder Dämmerung darüber, ob du sicher ansprechen und waidgerecht handeln kannst.

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