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Totenfall

Was ist Totenfall? – Als Totenfall bezeichnet man im Imkerdeutsch die Bienen, die im Lauf des Winters im Volk sterben und als tote Tiere im Stock oder auf dem Gitterboden liegen bleiben. Ein gewisser Totenfall ist völlig normal und unvermeidlich; Menge, Lage und Zustand der toten Bienen geben dir aber wertvolle Hinweise auf den Gesundheitszustand deines Bienenvolks.

Jedes Wintervolk verliert Tag für Tag einzelne Bienen – das gehört zum natürlichen Lauf der Dinge. Entscheidend ist nicht, ob tote Bienen anfallen, sondern wie viele es sind, wo sie liegen und in welchem Zustand sie sich befinden. Wer den Totenfall richtig deutet, erkennt Probleme oft Wochen früher, als wenn er auf den ersten Reinigungsflug im Frühjahr wartet.

Warum fallen im Winter überhaupt Bienen an?

Im Winter lebt das Bienenvolk von seiner Substanz. Die sogenannten Winterbienen sind zwar deutlich langlebiger als Sommerbienen und können mehrere Monate alt werden, doch auch sie sterben nach und nach. Da die Bienen im Winter nicht ausfliegen, um draußen zu sterben, bleiben die Toten im oder unter dem Stock liegen. Ein Teil wird von den lebenden Bienen aus der Traube nach unten befördert, ein Teil fällt beim Absterben direkt zu Boden. Deshalb sammeln sich tote Bienen am Beutenboden und – bei offenem Gitterboden – teilweise auf der untergeschobenen Einlage.

Die Menge des Totenfalls hängt von der Einwinterungsstärke, der Volksgesundheit, dem Milbenbefall und der Länge und Härte des Winters ab. Ein stark eingewintertes, gesundes Volk verträgt einen gewissen Verlust problemlos, weil es mit vielen tausend Bienen in den Winter geht. Ein schwaches Volk dagegen kann durch denselben absoluten Verlust in eine kritische Lage geraten.

Wie viel Totenfall ist normal?

Eine feste Zahl gibt es nicht, aber eine Größenordnung: Über den gesamten Winter verliert ein normales Volk mehrere hundert bis einige tausend Bienen. Auf der Einlage oder am Flugloch bedeutet das im Alltag nur wenige tote Bienen pro Tag. Findest du bei einer Kontrolle eine kleine Handvoll Toter, die sich über ein bis zwei Wochen angesammelt hat, ist das unbedenklich. Steigt die Zahl jedoch sprunghaft an oder liegt am Flugloch plötzlich ein dichter Teppich aus toten Bienen, solltest du der Ursache nachgehen.

Wichtig ist der zeitliche Bezug: Zehn tote Bienen in drei Wochen sind etwas völlig anderes als zehn tote Bienen an einem einzigen Tag. Deshalb lohnt es sich, den Totenfall immer im Zusammenhang mit einem Beobachtungszeitraum zu betrachten – genau wie bei der Gemülldiagnose, bei der du die Einlage über einen definierten Zeitraum auswertest.

Was verrät die Lage der toten Bienen?

Nicht nur die Menge, auch die Lage der Toten ist aussagekräftig. Liegen die toten Bienen locker verteilt am Boden, ist das der Normalfall. Findest du dagegen tote Bienen mit tief in leere Zellen gesteckten Hinterleibern, deutet das auf Verhungern hin: Die Bienen haben vergeblich nach dem letzten Futterrest gesucht. Das ist besonders tragisch, wenn im Stock eigentlich noch Futter vorhanden ist, die Wintertraube es bei strengem Frost aber nicht erreichen konnte, weil sie sich nicht von der wärmenden Traube lösen durfte.

Ein dichter Klumpen toter Bienen unter der ehemaligen Traubenposition ist ein Alarmzeichen: Oft ist hier ein ganzes Volk oder ein großer Teil davon zusammengebrochen – durch Verhungern, durch eine zu kleine, nicht mehr heizfähige Wintertraube oder durch eine hohe Krankheitslast. Tote Bienen, die über die Fläche verstreut und trocken sind, sind dagegen deutlich weniger besorgniserregend als feuchte, verklebte oder schimmelige Haufen.

Welche Ursachen stecken hinter erhöhtem Totenfall?

Die häufigste Ursache für hohe Winterverluste ist ein zu starker Befall mit der Varroamilbe. Milben schwächen die Winterbienen bereits im Herbst, übertragen Viren und verkürzen die Lebensdauer der Bienen drastisch. Ein Volk, das im Spätsommer nicht ausreichend behandelt wurde, geht mit geschädigten Winterbienen in die kalte Jahreszeit und bricht oft im Dezember oder Januar unvermittelt zusammen. Erhöhter Totenfall in dieser Phase ist deshalb fast immer ein Hinweis auf ein Varroaproblem im Vorjahr.

Weitere Ursachen sind Futtermangel beziehungsweise Verhungern bei langer Kälte, Nosema und andere Darmerkrankungen, Feuchtigkeit und Schimmel im Stock, eine zu schwach eingewinterte Volksstärke sowie Störungen durch Mäuse oder Spechte. Auch eine weisellose Lage – also ein Volk ohne Königin – führt dazu, dass das Volk nicht mehr zusammenhält und schneller abstirbt. Jede dieser Ursachen hinterlässt eigene Spuren, die du mit etwas Übung auseinanderhalten kannst.

Wie kontrollierst du den Totenfall, ohne das Volk zu stören?

Du musst den Stock nicht öffnen, um den Totenfall zu beurteilen. Ein Blick auf die Einlage unter dem Gitterboden und auf den Bereich vor dem Flugloch genügt meist. Tote Bienen, die vorne herausgetragen oder herausgeweht wurden, zeigen, dass das Volk noch aktiv ist und seine Toten entsorgt – ein gutes Zeichen. Ist das Flugloch dagegen von innen mit toten Bienen verstopft, kann das lebende Volk die Toten nicht mehr abtransportieren, was auf ein sehr schwaches oder bereits totes Volk hindeutet. Räume ein verstopftes Flugloch mit einem Draht oder dem passenden Imkerwerkzeug vorsichtig frei, damit die verbliebenen Bienen Luft bekommen und bei milderem Wetter zum Reinigungsflug ausfliegen können.

Die regelmäßige Kontrolle von Einlage und Flugloch ist damit fester Bestandteil einer guten Winterpflege. Sie kostet dich nur wenige Minuten, verrät aber frühzeitig, ob ein Volk in Schwierigkeiten steckt – und ob du eingreifen musst oder beruhigt weiter beobachten kannst.

Was kannst du bei auffälligem Totenfall tun?

Zunächst gilt: Ruhe bewahren und nicht vorschnell öffnen. Beobachte an mehreren Tagen, ob der Totenfall anhält oder ein einmaliges Ereignis war – etwa nach einer sehr kalten Nacht. Hält der erhöhte Totenfall an, versuche die Ursache einzugrenzen. Bei Verdacht auf Futtermangel kannst du an einem milden Tag vorsichtig prüfen, ob das Volk noch Futter in Reichweite hat, und notfalls Futterteig auflegen. Bei Verdacht auf Feuchtigkeit verbessere die Belüftung und prüfe den Stand. Bei Verdacht auf Varroa ziehst du Bilanz für die kommende Saison, denn im Hochwinter lässt sich ein bereits geschädigtes Volk kaum noch retten.

Die wichtigste Lehre aus hohem Totenfall liegt meist in der Vorbereitung: Eine konsequente Varroabehandlung im Spätsommer, eine ausreichende Einfütterung und eine starke Einwinterung sind die beste Versicherung gegen böse Überraschungen im Winter. Der Totenfall ist dann weniger ein Werkzeug zur akuten Rettung als vielmehr ein ehrliches Zeugnis darüber, wie gut die Vorbereitung im Vorjahr gelungen ist.

Wie unterscheidest du Totenfall von einem Reinigungsflug?

An milden Wintertagen mit Temperaturen über etwa zehn Grad verlassen die Bienen kurz den Stock, um ihre über Wochen angesammelte Kotblase zu entleeren – der sogenannte Reinigungsflug. Dabei kann es vorkommen, dass geschwächte Bienen draußen in der Kälte erstarren und vor der Beute liegen bleiben. Diese Toten vor dem Flugloch sind nicht mit dem eigentlichen Totenfall im Stock zu verwechseln: Ein Reinigungsflug ist ein gutes Zeichen, weil er zeigt, dass das Volk aktiv und flugfähig ist. Beobachte deshalb nicht nur die Zahl der Toten, sondern auch, ob überhaupt noch Flugbetrieb stattfindet. Ein Volk, das an einem milden Tag rege ausfliegt, ist trotz einzelner Verluste meist gesund, während ein Volk ohne jeden Flugbetrieb bei mildem Wetter Anlass zur Sorge gibt.

Totenfall und Gemülldiagnose – wie hängen sie zusammen?

Der Totenfall ist einer von mehreren Hinweisen, die du von der Einlage unter dem Gitterboden ablesen kannst. Zusammen mit der Lage der Wachskrümelspur, dem natürlichen Milbenfall und der Beschaffenheit des Gemülls ergibt sich ein vollständiges Bild vom Zustand des Volkes. Wie du dieses Bild Schritt für Schritt entschlüsselst, erfährst du im ausführlichen Ratgeber zur Gemülldiagnose. In Kombination betrachtet, wird aus einzelnen Beobachtungen eine verlässliche Einschätzung – und genau das macht den Unterschied zwischen einem Imker, der auf das Frühjahr hofft, und einem, der seine Völker sicher durch den Winter steuert.

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