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Blattzeit

Was ist die Blattzeit? – Die Blattzeit ist die Brunft (Paarungszeit) des Rehwilds, die in Deutschland je nach Region und Witterung etwa von Ende Juli bis Ende August dauert. In dieser Zeit lassen sich Rehböcke mit einem Reh­blatter (Lockinstrument) durch das Nachahmen der Fiep- und Klagelaute des Rehs gezielt heranrufen – daher der Name „Blatten".

Die Blattzeit ist für viele Jägerinnen und Jäger der aufregendste Abschnitt des Jagdjahres. Kaum eine andere Situation ist so aktiv und so unmittelbar: Statt nur passiv auf das Wild zu warten, trittst du über den Lockruf in einen echten „Dialog" mit dem Rehbock. Ein hitziger Bock, der auf den Blattruf zuspringt, gehört zu den intensivsten Erlebnissen überhaupt. Gleichzeitig verlangt das Blatten viel Fingerspitzengefühl, denn ein falscher Ton zur falschen Zeit vergrämt das Wild schneller, als du schauen kannst.

Warum brunftet das Rehwild ausgerechnet im Hochsommer?

Anders als beim Rot- oder Damwild, das erst im Herbst brunftet, fällt die Paarungszeit des Rehs in den Hochsommer. Der Grund liegt in einer biologischen Besonderheit: der sogenannten Keimruhe. Die im Juli/August befruchtete Eizelle entwickelt sich zunächst nicht weiter, sondern ruht mehrere Monate, bevor die eigentliche Entwicklung des Kitzes erst um die Jahreswende einsetzt. So kommen die Kitze im Mai/Juni zur Welt – also dann, wenn Nahrung und Witterung optimal sind. Die Blattzeit ist damit die Folge einer perfekten Anpassung an den Jahreslauf.

Innerhalb der Blattzeit gibt es einen Höhepunkt, den man traditionell auf die Tage um den 25. Juli bis Anfang August legt („Buchenblatt", ältere Faustregel). Verlässlicher als jedes Kalenderdatum ist jedoch die Beobachtung im eigenen Revier: Wenn die Böcke unruhig werden, Schmalrehe und Ricken treiben und du die typischen „Sprengplätze" (im Kreis niedergetretene Vegetation) findest, ist die heiße Phase erreicht.

Was bedeutet „Blatten" und wie funktioniert der Lockruf?

Der Begriff „Blatten" stammt daher, dass Jäger früher auf einem Blatt (Gras- oder Buchenblatt), das zwischen den Daumen gespannt wurde, die Lautäußerungen des Rehs nachahmten. Heute nutzt man dafür industriell gefertigte Reh­blatter aus Kunststoff oder Holz sowie verstellbare Lockgeräte, mit denen sich unterschiedliche Laute erzeugen lassen. Nachgeahmt werden im Wesentlichen drei Lautgruppen: der feine Fiep­laut des Kitzes und der Ricke, der etwas tiefere Sprengfiep und der aufgeregte Klagelaut („Geschrei"), der eine hochbeschlagene, flüchtende Ricke imitiert.

Die Idee dahinter: Der Bock verbindet mit diesen Lauten eine paarungsbereite Ricke. Er zieht heran, um sie zu suchen. Gerade zu Beginn und am Ende der Blattzeit reagieren Böcke oft vorsichtig und ziehen langsam an, während in der Hochbrunft auch dominante, „hitzige" Böcke regelrecht anspringen. Das richtige Maß ist entscheidend: leise anfangen, dem Bock Zeit lassen, und erst lauter werden, wenn nichts erscheint. Wer den passenden Ansitzplatz und die Windverhältnisse beherrscht, hat beim Blatten die halbe Miete – mehr dazu erklärt unser Beitrag zur Ansitzjagd als grundlegender Jagdart.

Welche Ausrüstung brauchst du für die Blattzeit?

Im Zentrum steht der Blatter. Empfehlenswert sind verstellbare Modelle, mit denen du sowohl den feinen Kitzfiep als auch den tiefen Klagelaut erzeugen kannst, ohne mehrere Instrumente wechseln zu müssen. Eine Auswahl an Lockinstrumenten findest du in der Kategorie Jagdausrüstung und Jagdtechnik. Weil die Blattzeit häufig als Pirsch oder als kurzer Ansitz am Boden gejagt wird, brauchst du außerdem leise, geräuscharme Jagdbekleidung in gedeckten Farben und ein zuverlässiges Fernglas, um den anziehenden Bock rechtzeitig anzusprechen. Für das anschließende Aufbrechen des erlegten Stücks gehört ein scharfes Jagdmesser zur Grundausstattung.

Wie sitzt oder pirschst du während der Blattzeit richtig?

Der Wind ist auch beim Blatten der wichtigste Faktor. Ein Bock, der Wind bekommt, verschwindet lautlos und lässt sich am selben Tag kaum noch heranrufen. Wähle deinen Platz deshalb so, dass der Wind vom vermuteten Einstand zu dir zieht, und blatte immer in Richtung Deckung, aus der du das Wild erwartest. Ideal sind Waldränder, Dickungsränder und Verbindungswege zwischen Einständen. Nach den ersten Lauten heißt es: absolute Ruhe. Ein anziehender Bock prüft die Umgebung sehr genau; jede Bewegung, jedes Blitzen von Optik oder Haut kann ihn abspringen lassen. Viele erfahrene Blattjäger sitzen bewusst tief und nutzen Deckung im Rücken, damit ihre Silhouette nicht auffällt. Bewährt hat sich eine feste Abfolge: erst leise fiepen, dann eine lange Pause von mehreren Minuten einlegen, in der du aufmerksam Deckung und Wechsel absuchst, und den Ruf erst steigern, wenn nach mehreren Versuchen nichts erscheint. Zieht ein Bock an, stellst du das Blatten sofort ein und lässt ihn die vermeintliche Ricke selbst suchen – oft macht er dabei den entscheidenden Schritt ins Freie.

Welche rechtlichen Regeln gelten in der Blattzeit?

Die Blattzeit fällt bereits in die Jagdzeit des Rehbocks, der in den meisten Bundesländern ab dem 1. Mai bejagt werden darf. Ricken und Kitze haben zu diesem Zeitpunkt hingegen noch Schonzeit – ein Punkt, der beim Blatten besonders wichtig ist, weil auf den Lockruf häufig zuerst neugierige Schmalrehe oder Ricken erscheinen. Sprich jedes Stück vor dem Schuss sicher an. Das Blatten selbst und der anschließende, sichere sowie tierschutzgerechte Umgang mit dem Wild sind Teil der waidgerechten Jagdausübung. Die genauen Jagd- und Schonzeiten regelt das Bundesjagdgesetz in Verbindung mit den Landesverordnungen.

Welche Fehler solltest du in der Blattzeit vermeiden?

Der häufigste Anfängerfehler ist zu lautes und zu häufiges Blatten. Wer pausenlos und viel zu laut ruft, wirkt unnatürlich und vergrämt vorsichtige Böcke. Besser ist es, sparsam zu blatten, lange Pausen einzulegen und dem Bock Zeit zum Anziehen zu geben. Der zweite große Fehler ist die Missachtung des Windes. Der dritte: zu früh aufzugeben. Manchmal zieht ein Bock erst nach zwanzig Minuten lautlos heran. Und schließlich: Vergiss nicht, dass du in der Hochbrunft manchmal genau dann Erfolg hast, wenn du gar nicht blattest – ein suchender Bock, der zufällig anwechselt, will oft nur noch bestätigt werden.

Woran erkennst du den Höhepunkt der Blattzeit?

Kalenderdaten sind nur eine grobe Orientierung – die eigentliche Hochbrunft verschiebt sich je nach Region, Höhenlage und Witterung um ein bis zwei Wochen. In wärmeren, tief gelegenen Lagen setzt sie früher ein als in kühlen Mittelgebirgs- oder Höhenlagen. Verlässliche Anzeichen liest du direkt im Revier ab: Die Böcke ziehen tagsüber unruhig umher und verlieren ihre sonstige Vorsicht, du findest im Kreis niedergetretene „Hexenringe" oder „Sprengplätze", auf denen ein Bock eine Ricke getrieben hat, und du beobachtest das typische Treiben, bei dem der Bock der Ricke dicht folgt. Sobald dieses Treiben einsetzt, ist der beste Zeitpunkt zum Blatten gekommen. Ein warmer, schwüler Tag mit aufziehendem Gewitter gilt vielen Blattjägern als besonders erfolgversprechend, weil die Böcke dann besonders aktiv sind.

Wie unterscheidet sich die Blattzeit von der Nachbrunft?

Als Nachbrunft bezeichnet man eine zweite, schwächere Brunftphase etwa vier Wochen nach der Hauptbrunft, meist im September. Sie entsteht, wenn Ricken in der Hauptbrunft nicht beschlagen wurden oder wenn Schmalrehe erst später brunftig werden. In der Nachbrunft lässt sich mitunter noch einmal erfolgreich blatten, allerdings sind die Böcke dann deutlich zurückhaltender als im Hochsommer. Für den Einsteiger ist die Hauptblattzeit im Juli und August die dankbarere Zeit, weil die Böcke hitziger reagieren und Fehler eher verzeihen. Wer die Zusammenhänge von Brunft, Keimruhe und Nachbrunft verstanden hat, kann sein Blatten über mehrere Wochen hinweg gezielt anpassen und so die Erfolgsaussichten deutlich steigern.

Blattzeit und Ansitzjagd – wie hängt das zusammen?

Das Blatten ist eine aktive Ergänzung zur klassischen Ansitzjagd. Viele Jäger kombinieren beides: Sie beziehen früh am Abend einen Ansitz an einem erfolgversprechenden Platz und setzen den Blatter gezielt ein, wenn sich zeigennützig kein Wild zeigt. So verbindest du die Ruhe und Übersicht des Ansitzes mit der Aktivität des Lockjagens. Wer die Blattzeit einmal erlebt hat, versteht, warum sie für viele der Höhepunkt des Jagdjahres ist – vorausgesetzt, man begegnet dem Wild mit dem nötigen Respekt und der nötigen Geduld.

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