Der Wels ist der größte Süßwasserfisch, den du in Deutschland an den Haken bekommen kannst, und genau das macht ihn für viele Einsteiger so verlockend und gleichzeitig so einschüchternd. Die gute Nachricht vorweg: Du brauchst kein halbes Vermögen und keine zwanzig Jahre Erfahrung, um deinen ersten Waller zu fangen. Was du brauchst, ist die richtige, wirklich robuste Ausrüstung, ein Grundverständnis davon, wo und wann die Fische fressen, und die Bereitschaft, geduldig am Wasser zu sitzen. Dieser Ratgeber nimmt dich Schritt für Schritt an die Hand, vom ersten Gedanken über die Montage bis zum sicheren, waidgerechten Zurücksetzen eines Fisches, der älter sein kann als du.
Was macht den Wels als Zielfisch für Einsteiger so besonders?
Der Wels frisst zu bestimmten Zeiten sehr berechenbar, und er zieht auf überschaubaren Bahnen durch sein Gewässer. Das klingt zunächst widersprüchlich zu seinem Ruf als geheimnisvoller Riese, ist aber der eigentliche Grund, warum auch Anfänger mit etwas Vorbereitung erfolgreich sind. Anders als beim hektischen Spinnfischen, bei dem du ständig aktiv bist, ist klassisches Welsangeln zu großen Teilen ein geduldiges Ansitzangeln: Du legst eine gut durchdachte Montage an einer erfolgversprechenden Stelle ab und wartest auf die Fressphase. Der europäische Wels, wissenschaftlich Silurus glanis, ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Räuber, der sich tagsüber gern in tiefen Löchern, unter Wurzelstöcken und in Krautfeldern versteckt und bei Einbruch der Dunkelheit auf Raubzug geht. Wenn du diese Grundrhythmen verstehst, hast du schon die halbe Miete.
Ein zweiter Punkt spricht für den Wels: Er verzeiht Einsteigern Fehler in der Köderpräsentation eher als etwa ein misstrauischer Karpfen im stark beangelten See. Ein Wels, der fressen will, packt einen Köderfisch oder ein dickes Tauwurmbündel entschlossen, weil er auf Masse und Vibration reagiert, nicht auf feinste Finesse. Deine Aufgabe ist es vor allem, den Köder überhaupt in seine Reichweite zu bringen und die Montage so stabil zu bauen, dass sie dem enormen Druck eines flüchtenden Großfisches standhält.
Wo hält sich der Wels im Gewässer auf?
Welse bevorzugen Strukturen, die ihnen Deckung und Beute bieten. Die klassischen Hotspots sind tiefe Kolke und Gumpen, Kanten von Fahrrinnen in Flüssen, Mündungsbereiche von Zuflüssen, umgestürzte Bäume und Wurzelstöcke, Brückenpfeiler, Buhnenfelder sowie tiefe Löcher direkt unterhalb von Wehren. In Seen und Baggerseen findest du sie an der tiefsten Stelle, an scharfen Unterwasserkanten und an ausgedehnten Krautfeldern, an deren Rand sie auf vorbeiziehende Beutefische lauern. Ein guter erster Schritt ist, das Gewässer bei Tageslicht mit einer einfachen Lotmontage oder einem Echolot abzusuchen und dir Tiefenunterschiede, Kanten und Hindernisse einzuprägen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Ruheplatz und Fressplatz. Tagsüber steht der Wels tief und inaktiv am Ruheplatz. In der Dämmerung und nachts wandert er auf flachere Plateaus, in Flachwasserbuchten und an Prallhänge, um dort zu jagen. Für den Ansitz heißt das: Am späten Abend legst du deine Köder nicht ins tiefste Loch, sondern an die Übergänge und Kanten, über die der Fisch aus dem Tiefen ins Flache zieht. Diese Laufwege zu erkennen, ist eine Fähigkeit, die mit jeder Nacht am Wasser wächst.
Wann ist die beste Zeit zum Welsangeln?
Die mit Abstand produktivste Zeit ist die warme Jahreshälfte von etwa Mai bis September, wenn die Wassertemperatur über rund 18 Grad liegt und der Stoffwechsel des Fisches auf Hochtouren läuft. In dieser Phase frisst der Wels regelmäßig und aggressiv. Innerhalb des Tages sind die goldenen Stunden die Dämmerung und die erste Nachthälfte. Viele erfahrene Wallerangler schwören außerdem auf warme, schwüle Sommernächte, auf die Zeit kurz vor einem Gewitter und auf leicht angetrübtes Wasser nach einem Regenschauer, weil der Wels dann besonders in Fresslaune ist.
Das bedeutet nicht, dass du im kühleren Wasser chancenlos bist, aber die Bisse werden seltener und die Fische träger. Als Einsteiger legst du dir die besten Karten, wenn du deine ersten ernsthaften Versuche in eine milde Sommernacht legst. Wer die Nachtstunden ohnehin liebt, findet in unserem Ratgeber zum Nachtangeln auf Aal viele übertragbare Hinweise zu Sicherheit, Ausleuchtung des Platzes und Rutenaufbau im Dunkeln, die sich fast eins zu eins auf die Welsnacht anwenden lassen.
Welche Ausrüstung brauchst du wirklich zum Welsangeln?
Beim Wels gilt kompromisslos: Deine Ausrüstung muss dem stärksten Süßwasserfisch Mitteleuropas gewachsen sein. Sparen an der falschen Stelle rächt sich hier mit verlorenen Fischen und im schlimmsten Fall mit einem tief geschluckten Haken an einem Fisch, der sich losreißt. Das zentrale Werkzeug ist eine kräftige Welsrute mit einem Wurfgewicht von rund 200 bis 600 Gramm, je nachdem, ob du am kleinen Vereinsgewässer oder am großen Strom fischst. Eine solche Rute hat Rückgrat, um den Fisch aus Hindernissen zu drücken, und trotzdem eine Spitzenaktion, die Fluchten abfedert.
Dazu gehört eine robuste, große Wallerrolle mit hoher Schnurfassung und einer kräftigen, sauber einstellbaren Bremse. Als Hauptschnur hat sich geflochtene Schnur mit einer Tragkraft von etwa 40 bis 60 Kilogramm durchgesetzt, weil sie kaum dehnt, den Biss direkt überträgt und beim Anhieb die Kraft verlustfrei zum weit entfernten Haken bringt. Am Ende der Montage steht ein absolut bissfestes Vorfach. Anders als beim Hecht, wo ein dünnes Stahlvorfach reicht, nimmst du beim Wels ein dickes, abriebfestes Hardmono- oder Dacron-Vorfach von 1,2 bis 1,5 Millimetern Stärke, das den Scheuerstellen an den Bartelspitzen und der rauen Maulpartie standhält. Warum ein hochwertiges Vorfach so entscheidend ist, erklärt der Glossareintrag im Detail.
Für die Haken greifst du zu speziellen, extrem stabilen Welshaken in den Größen 2/0 bis 8/0, die auch bei brachialem Druck nicht aufbiegen. Als Wurfgewicht und zum Verankern der Montage brauchst du passende Welsbleie, oft in Birnen- oder Sargform und in Gewichten von 100 bis 300 Gramm, damit die Montage auch in Strömung liegen bleibt. Vorgefertigte Welsmontagen nehmen dir als Einsteiger viel Knüpfarbeit ab und sind sauber auf die Belastung abgestimmt, was gerade am Anfang Fehlerquellen ausschließt.
Zur Grundausstattung am Ufer kommen ein stabiles Rutengestell, das dem seitlichen Zug eines abziehenden Welses standhält, sowie zuverlässige elektronische Bissanzeiger. Was ein Bissanzeiger leistet und worauf du achten solltest, findest du im entsprechenden Glossarbeitrag. Für mehrere Ruten ist ein solides Rod Pod praktisch, dessen Aufbau und Vorteile der Eintrag Rod Pod beschreibt. Unverzichtbar ist außerdem eine große, weiche Abhakmatte, denn ein Wels von über einem Meter darf zum Abhaken niemals auf hartem oder trockenem Boden liegen.
Welche Köder fangen Welse am besten?
Der Wels ist ein Allesfresser mit klarer Vorliebe für kräftige, tierische Kost. Der Klassiker schlechthin ist der Köderfisch, den du in Deutschland aus Tierschutzgründen ausschließlich als toten Köderfisch anbieten darfst. Rotaugen, Brassen, kleine Karauschen oder Weißfische in Handlänge sind erste Wahl. Wichtig: Der Köderfisch muss aus demselben oder einem angeschlossenen Gewässer stammen, um keine Krankheiten einzuschleppen, und rechtlich einwandfrei beschafft sein. Wie du legal an frische Köderfische kommst und sie fängst, zeigt der Umgang mit der Köderfischsenke.
Neben dem Köderfisch fangen große Tauwurmbündel hervorragend. Ein Dutzend dicker Tauwürmer, auf einen großen Haken gezogen, bildet einen wuseligen, stark riechenden Happen, der besonders auf kleinere und mittlere Welse unwiderstehlich wirkt. Auch Calamari, Muschelfleisch, gepresste Pellets oder ein Bündel Blutegel sind bewährte Alternativen, die je nach Gewässer und Vorliebe der Fische überraschend gut laufen. Einen Überblick über die Rolle solcher tierischen Köder im Angeln allgemein bietet der Eintrag Naturköder. Als Faustregel gilt: großer Köder für großen Fisch, aber übertreib es nicht, denn auch ein guter Meterwels frisst lieber einen handlichen als einen überdimensionierten Happen.
Welche Montagen solltest du als Anfänger beherrschen?
Für den Einstieg reichen zwei bis drei grundsolide Montagen, die du sicher aufbauen kannst. Die erste ist die klassische Grundmontage mit Sargblei am Ufer, bei der der Köderfisch dicht über Grund präsentiert wird. Sie ist simpel, robust und ideal, um erste Erfahrungen an Kanten und Löchern zu sammeln. Achte darauf, dass die Montage als Selbsthakmontage funktioniert oder dass du am Bissanzeiger sofort präsent bist, weil ein Wels den Köder tief nehmen kann.
Die zweite wichtige Montage ist die Unterwasserposen-Montage. Hier hält eine Unterwasserpose den Köderfisch in einer definierten Höhe über dem Grund frei im Wasser, sodass er verführerisch taumelt und auch über weichem oder verkrautetem Boden gut sichtbar bleibt. Diese Präsentation ist besonders fängig, wenn die Welse aktiv durchs Mittelwasser ziehen. Der dritte Baustein für Fortgeschrittene ist die U-Posen- oder Abrollmontage vom Boot aus, mit der du Köder präzise an schwer erreichbaren Plätzen mitten im Fluss ablegst. Für den Landgang als Einsteiger sind aber die ersten beiden Varianten völlig ausreichend, um regelmäßig Fische zu fangen.
Eine traditionsreiche, aktive Methode ist das Klopfen mit dem Wallerholz. Dabei erzeugst du mit einem speziell geformten Holz an der Wasseroberfläche einen dumpfen, blubbernden Laut, der den Wels neugierig macht und ans Boot lockt. Diese faszinierende Technik ist ein Kapitel für sich; was genau dahintersteckt und wie das Werkzeug funktioniert, liest du im neuen Glossareintrag zum Wallerholz.
Wie läuft ein typischer Welsansitz Schritt für Schritt ab?
Du kommst idealerweise am späten Nachmittag ans Wasser, damit dir bei Tageslicht genug Zeit bleibt, den Platz einzurichten und die Stellen auszuloten. Zuerst suchst du mit Lot oder Echolot die Struktur ab und markierst dir gedanklich Kante, Loch und Laufweg. Dann baust du deinen Sitzplatz auf: Rutengestell oder Rod Pod fest und standsicher aufstellen, Kescher oder besser eine große Wallerwanne bereitlegen, Abhakmatte griffbereit, Zange, Kopflampe und Maßband in Reichweite. Sicherheit geht vor: Am nächtlichen Wasser arbeitest du mit Licht, festem Schuhwerk und, falls du vom Boot aus fischst, mit Schwimmweste.
Anschließend präparierst du deine Köder und legst die Montagen aus. Eine Rute kann den toten Köderfisch an der Grundmontage im tiefen Loch anbieten, eine zweite den Köder an der Unterwasserpose über der Kante. Danach spannst du die Schnur, stellst die Bissanzeiger ein und öffnest den Bügel beziehungsweise stellst den Freilauf so ein, dass ein abziehender Wels zunächst ungehindert Schnur nehmen kann. Jetzt beginnt der geduldige Teil. Kommt der Biss, verwandelt sich die ruhige Nacht in Sekundenbruchteilen in pure Anspannung: Der Bissanzeiger heult auf, die Schnur läuft ab, du gehst zur Rute, schließt den Bügel, lässt die Schnur straff werden und setzt einen kräftigen, weiträumigen Anhieb, um den großen Haken im knochigen Maul zu verankern.
Wie drillst und landest du einen Wels sicher?
Der Drill eines Welses ist Krafttraining. Halte die Rute hoch und arbeite mit dem Rückgrat des Blanks, um den Fisch aus Hindernissen wegzuhalten. Ein Wels flüchtet in umgestürzte Bäume, unter Wurzeln und in Krautfelder, deshalb musst du von Anfang an konsequent Druck aufbauen und ihm keinen Meter in Richtung Deckung schenken. Nutze die eingestellte Bremse, um heftige Fluchten abzufedern, aber pumpe den Fisch beharrlich zu dir heran, indem du die Rute anhebst und beim Absenken Schnur einkurbelst.
Zur Landung führst du den ermüdeten Fisch über die bereitliegende Wallerwanne oder in ruhiges, flaches Wasser. Große Welse landet man am besten per Handlandung: Mit Handschuh greifst du beherzt ins Maul und hältst den Unterkiefer, während die andere Hand den Fisch am Schwanzstiel stützt. Niemals hebst du einen Meterwels senkrecht nur am Kiefer an, das schädigt seine Wirbelsäule. Lege ihn sofort auf die nasse, weiche Abhakmatte und arbeite zügig, um Foto, Vermessung und Abhaken so schonend wie möglich zu erledigen.
Wie gehst du waidgerecht mit dem Fisch um?
Der Wels ist ein langlebiger, langsam wachsender Fisch, und ein kapitaler Waller kann Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Umso wichtiger ist ein respektvoller, waidgerechter Umgang. Halte den Fisch nur so lange aus dem Wasser, wie unbedingt nötig, feuchte deine Hände und die Matte an und verzichte auf Hängewaagen, die den Fisch am Kiemendeckel oder Maul frei baumeln lassen. Löse den Haken mit einer langen Zange, und wenn du den Fisch zurücksetzen möchtest, halte ihn im Wasser aufrecht am Schwanzstiel, bis er von selbst kräftig abtaucht. Ein sauber gehakter Fisch am stabilen Vorfach lässt sich fast immer schnell und schonend versorgen, was den erneuten Grund liefert, warum du bei Haken, Vorfach und Landewerkzeug nicht sparen solltest.
Was musst du rechtlich beim Welsangeln beachten?
In Deutschland ist die Fischerei Ländersache, und die genauen Regelungen zu Schonzeiten, Mindestmaßen und erlaubten Methoden stehen in der jeweiligen Landesfischereiverordnung deines Bundeslandes. Für den Wels gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Vorgaben, in einigen Ländern kein eigenes Mindestmaß und keine Schonzeit, in anderen sehr wohl. Verlass dich niemals auf Hörensagen, sondern prüfe vor dem Ansitz die aktuell gültige Verordnung, wie beispielhaft die Landesfischereiverordnung Nordrhein-Westfalen, und die besonderen Bestimmungen deines Angelvereins oder Gewässerpächters. Grundvoraussetzung ist selbstverständlich ein gültiger Fischereischein samt Erlaubnisschein für das Gewässer.
Ebenso bindend ist das Tierschutzrecht. Der lebende Köderfisch ist in Deutschland verboten, es dürfen ausschließlich tote Köderfische verwendet werden. Über sinnvolle Rahmenbedingungen, Verbandspositionen und aktuelle Entwicklungen rund um das Angeln informiert der Deutsche Angelfischerverband als Dachverband. Wer sich an geltendes Recht und die Grundsätze der Waidgerechtigkeit hält, sorgt dafür, dass unser aller Hobby auch in Zukunft möglich bleibt.
Die häufigsten Anfängerfehler beim Welsangeln
Der erste und teuerste Fehler ist zu leichtes Gerät. Wer mit einer Karpfen- oder Hechtrute auf Wels geht, verliert früher oder später einen guten Fisch oder muss ihn völlig überfordert und viel zu lange drillen. Der zweite Fehler ist eine schlecht eingestellte Bremse, die entweder blockiert und zum Schnurbruch führt oder zu locker läuft und dem Fisch die Flucht in die Hindernisse erlaubt. Stelle die Bremse vor dem Ansitz mit einer Federwaage ein und teste sie.
Ein dritter Klassiker ist der zu späte oder zu zaghafte Anhieb. Beim Wels mit weit ausgelegter Montage und dehnungsarmer Geflechtschnur musst du kräftig und weiträumig anschlagen, damit der massive Haken greift. Der vierte Fehler betrifft den Platz: Viele Einsteiger legen ihre Köder wahllos aus, statt gezielt an Kanten, Löchern und Laufwegen zu fischen. Nimm dir die Zeit, das Gewässer zu lesen. Der fünfte, oft übersehene Fehler ist mangelnde Vorbereitung fürs Landen und Abhaken. Wenn der Meterfisch am Ufer liegt und du erst die Zange suchst, verlierst du wertvolle Zeit zu Lasten des Fisches. Ordne dir alles griffbereit an, bevor der erste Köder im Wasser liegt.
Worauf musst du bei der Sicherheit in der Welsnacht achten?
Welsangeln findet fast immer im Dunkeln und am tiefen, oft strömenden Wasser statt, deshalb gehört Sicherheit von Anfang an zum festen Plan. Leuchte deinen Sitzplatz und die Wege dahin gut aus, damit du im Drill nicht über Heringe, Schnüre oder Wurzeln stolperst, und trage festes, rutschsicheres Schuhwerk an rutschigen Uferkanten. Fischst du vom Boot, ist eine Schwimmweste Pflicht, ebenso ein zweiter Mensch, der weiß, wo du bist. Halte ein Messer griffbereit, um im Notfall eine sich um Hand oder Bein legende Schnur sofort kappen zu können, denn die enorme Kraft eines abziehenden Großwelses ist nicht zu unterschätzen. Ein Handy im wasserdichten Beutel, ein einfacher Erste-Hilfe-Beutel und eine Ersatzlampe runden die Grundausstattung ab. Wer die Nacht respektiert und vorbereitet ans Wasser geht, kann den Ansitz entspannt genießen und im entscheidenden Moment voll konzentriert am Fisch sein, statt mit vermeidbaren Problemen zu kämpfen.
Wie unterscheidet sich Welsangeln von anderen Raubfischmethoden?
Wenn du bereits auf andere Raubfische angelst, kannst du viel Wissen übertragen, musst aber die Dimensionen neu denken. Beim Spinnfischen auf Hecht bist du aktiv und wirfst Kunstköder, beim Wels dagegen dominiert der geduldige Ansitz mit Naturködern. Beim Zanderangeln arbeitest du feinfühlig mit leichten Gummiködern und dünnem Gerät, während der Wels genau das Gegenteil verlangt: maximale Robustheit in jeder Komponente. Das gemeinsame Fundament aller drei Methoden ist das Verständnis für Standplätze, Fresszeiten und das Verhalten von Raubfischen. Wer diese Grundlagen einmal verinnerlicht hat, wechselt später mühelos zwischen den Zielfischen und baut sich ein breites, sicheres Angelwissen auf.
Praxisbeispiel: dein erster Welsansitz am Fluss
Stell dir eine schwüle Julinacht an einem mittelgroßen Fluss vor. Du kommst um 18 Uhr an, lotest die Rinne aus und findest eine Kante, an der es von zwei auf sechs Meter abfällt, mit einem umgestürzten Baum flussab. Du baust dein Rod Pod stabil auf, richtest zwei Welsruten ein und legst Abhakmatte, Wallerwanne, Zange und Kopflampe bereit. An der ersten Rute bietest du ein handlanges Rotauge als Köderfisch an der Grundmontage direkt an der Unterkante des Lochs an, die zweite Rute präsentiert einen zweiten Köderfisch etwa einen Meter über Grund an der Unterwasserpose über dem flacheren Plateau, über das die Fische nachts ziehen.
Gegen 22:30 Uhr, es ist längst dunkel, reißt der Bissanzeiger der zweiten Rute in einen Dauerton, die Schnur läuft gleichmäßig ab. Du gehst ruhig, aber zügig zur Rute, schließt den Bügel, lässt die Schnur straff werden und setzt einen kräftigen Anhieb. Sofort spürst du das schiere Gewicht, der Fisch flüchtet Richtung Baum. Du hältst dagegen, drückst ihn mit dem Rückgrat der Rute in die freie Strömung und beginnst zu pumpen. Nach einigen Minuten intensiven Drills führst du einen wunderschönen Wels von knapp einem Meter zwanzig über die geflutete Wanne, versorgst ihn auf der nassen Matte, machst ein schnelles Foto und setzt ihn behutsam zurück. Genau dieses Erlebnis, das Zusammenspiel aus Vorbereitung, Geduld und einem kurzen, kräftigen Moment der Wahrheit, macht die Faszination Welsangeln aus.
Häufige Fragen zum Welsangeln (FAQ)
Wie groß werden Welse in Deutschland?
Welse von 1,50 bis 2 Meter sind in guten Gewässern keine Seltenheit, und einzelne Exemplare erreichen über 2,50 Meter und weit über 100 Kilogramm. Für den Einstieg ist aber jeder Wels ein Erfolg, und die häufiger gefangenen Fische zwischen 80 Zentimetern und 1,50 Metern bieten bereits einen unvergesslichen Drill.
Kann ich vom Ufer aus auf Wels angeln oder brauche ich ein Boot?
Vom Ufer aus fängst du sehr gut, gerade an Flüssen mit erreichbaren Kanten und Löchern. Ein Boot erweitert deine Möglichkeiten, etwa zum präzisen Ablegen der Köder oder zum Klopfen mit dem Wallerholz, ist für den Einstieg aber keineswegs Pflicht.
Welche Rutenlänge und welches Wurfgewicht sind für Anfänger ideal?
Eine Welsrute um 2,70 bis 3,00 Meter mit rund 200 bis 400 Gramm Wurfgewicht ist ein sehr guter Allrounder für die meisten Gewässer. Am großen Strom oder bei starker Strömung darf es kräftiger sein, am kleineren Vereinssee reicht auch das untere Ende dieser Spanne.
Ist der lebende Köderfisch erlaubt?
Nein. In Deutschland ist der lebende Köderfisch aus Tierschutzgründen verboten. Verwende ausschließlich tote Köderfische, die legal beschafft und idealerweise aus demselben Gewässersystem stammen.
Wann beißen Welse am besten?
In warmen Sommernächten bei Wassertemperaturen über etwa 18 Grad, bevorzugt in der Dämmerung und der ersten Nachthälfte. Schwüle Bedingungen vor einem Gewitter und leicht angetrübtes Wasser gelten als besonders fängig.
Brauche ich unbedingt geflochtene Schnur?
Geflochtene Hauptschnur mit 40 bis 60 Kilogramm Tragkraft ist beim Welsangeln Standard, weil sie kaum dehnt und den Anhieb über große Distanz zuverlässig überträgt. Für den kraftvollen, sicheren Anschlag an dehnungsarmer Schnur führt praktisch kein Weg an einem Geflecht vorbei.
Fazit: So gelingt dir der Einstieg ins Welsangeln
Welsangeln ist einfacher zu beginnen, als sein Ruf vermuten lässt, solange du drei Dinge ernst nimmst: kompromisslos stabiles Gerät, ein gutes Gespür für Standplätze und Fresszeiten sowie einen waidgerechten, gut vorbereiteten Umgang mit dem Fisch. Fang mit einer soliden Welskombo, ein paar bewährten Montagen und einer milden Sommernacht an einer vielversprechenden Kante an, dann stehen deine Chancen auf den Fisch deines Lebens gut. Rüste dich sorgfältig aus, halte dich an die Regeln deines Bundeslandes und genieße die besondere Ruhe der Welsnacht, denn genau in dieser Mischung aus Geduld und geballter Kraft liegt der Reiz des größten heimischen Süßwasserräubers.