Was ist die Brunft? – Die Brunft ist die Paarungszeit des Schalenwildes, insbesondere des Rotwildes. In dieser Zeit sammeln die Hirsche die weiblichen Stücke zu Brunftrudeln, verteidigen sie gegen Rivalen und geben mit dem charakteristischen Röhren ihre Präsenz zu erkennen.
Der Begriff Brunft bezeichnet bei Rot-, Dam- und Sikawild sowie beim Elch die Zeit der Fortpflanzung. Beim Rehwild spricht man dagegen nicht von Brunft, sondern von der Blattzeit, die bereits im Hochsommer stattfindet. Die Brunft des Rothirsches ist ein Herbstgeschehen und gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen unserer Wälder. Für Jägerinnen und Jäger ist sie eine der intensivsten und zugleich anspruchsvollsten Zeiten des Jahres.
Wann findet die Brunft statt?
Die Hirschbrunft läuft in weiten Teilen Mitteleuropas von Mitte September bis Anfang Oktober, mit einem deutlichen Höhepunkt um den Monatswechsel. Der genaue Zeitpunkt schwankt jährlich um ein bis zwei Wochen. Kühle, klare Nächte mit starkem Temperaturabfall bringen die Brunft in Fahrt, während anhaltend warmes Wetter sie verzögern kann. In höheren Lagen beginnt die Brunft tendenziell etwas früher als im wärmeren Flachland.
Was bedeutet das Röhren zur Brunft?
Das Röhren ist der Brunftschrei des Hirsches und erfüllt mehrere Funktionen: Es signalisiert Rivalen die Präsenz und Stärke des Platzhirsches, hält das Brunftrudel zusammen und stimuliert die weiblichen Stücke. Jäger unterscheiden verschiedene Laute – das ruhige Mahnen zu Beginn der Brunft, das kräftige, tiefe Röhren des Platzhirsches und das aggressive Orgeln oder Trenzen, wenn zwei starke Hirsche unmittelbar aufeinandertreffen. Aus diesen Lauten lässt sich viel über das Geschehen im Revier ablesen.
Was ist ein Platzhirsch?
Als Platzhirsch bezeichnet man den Hirsch, der sich auf einem Brunftplatz gegen seine Konkurrenten durchgesetzt hat und das Kahlwildrudel führt und beschlägt. Er verteidigt seine Position energisch, treibt das Kahlwild zusammen und verjagt jüngere Beihirsche. Weil ein Platzhirsch rund um die Uhr unter Anspannung steht und kaum zur Nahrungsaufnahme kommt, verliert er während der Brunft spürbar an Gewicht. Zur Brunft ist der Hals des Platzhirsches mächtig aufgeschwollen und die Brunftmähne ausgeprägt.
Woher kommt das Wort Brunft?
Das Wort Brunft ist sprachlich mit dem Begriff Brunst und dem Verb brennen verwandt und beschreibt bildhaft das innere Feuer der Paarungszeit. In der Jägersprache hat sich Brunft als eigener Fachbegriff für die Fortpflanzungszeit des Schalenwildes etabliert, während Brunst allgemeiner gebraucht wird. Die Jägersprache kennt für das Brunftgeschehen zahlreiche eigene Ausdrücke wie Röhren, Orgeln, Mahnen, Trenzen und Beschlagen, die das Verhalten des Wildes präzise beschreiben und Teil der jagdlichen Tradition sind.
Wie ist ein Brunftrudel aufgebaut?
Ein Brunftrudel besteht aus dem führenden Platzhirsch und den weiblichen Stücken, dem sogenannten Kahlwild, samt deren Kälbern. Rund um dieses Rudel halten sich häufig jüngere und schwächere Beihirsche auf, die auf eine Gelegenheit warten, aber vom Platzhirsch immer wieder verjagt werden. Das Kahlwild wird in der Regel von einem erfahrenen weiblichen Leittier geführt, das über Wechsel und Fluchtverhalten des Rudels entscheidet. Der Platzhirsch treibt und sichert das Rudel unermüdlich und beschlägt die brunftigen weiblichen Stücke.
Was passiert bei einem Brunftkampf?
Treffen zwei etwa gleich starke Hirsche aufeinander, kommt es zunächst zu einem akustischen Imponierverhalten: Beide röhren und orgeln, um den Gegner einzuschätzen. Weicht keiner zurück, schreiten sie zum Kampf und schlagen ihre Geweihe ineinander, um den Rivalen durch Kraft und Ausdauer zu verdrängen. Solche Kämpfe sind meist Ritualkämpfe, die selten tödlich enden – der unterlegene Hirsch zieht sich in der Regel zurück. Dennoch kommt es gelegentlich zu Verletzungen, wenn sich Geweihe verkeilen oder ein Hirsch ungünstig getroffen wird. Der Sieger übernimmt oder behält das Brunftrudel.
Welche Rolle spielt die Suhle zur Brunft?
Brunftige Hirsche suhlen sich intensiv in schlammigen Bodenvertiefungen, den Suhlen. Das Suhlen dient der Fellpflege und der Abkühlung, vor allem aber der Verbreitung des strengen Brunftgeruchs, mit dem der Hirsch seine Präsenz markiert. Ein zur Brunft von der Suhle her dunkel verfärbtes und streng riechendes Stück ist ein deutliches Zeichen für einen aktiven Platzhirsch. Frische Suhlen, aufgeschlagene Bäume und niedergetretene Brunftplätze gehören zu den sicheren Anzeichen, an denen der Jäger das Brunftgeschehen in seinem Revier ablesen kann.
Welche Bedeutung hat die Brunft für die Jagd?
Die Brunft ist eine zentrale Zeit für die Bejagung des Rotwildes, weil die sonst heimlichen Hirsche nun aktiver und über das Röhren auch akustisch ortbar sind. Bejagt wird meist über den ruhigen Ansitz am Brunftplatz, über die anspruchsvolle Pirsch zum röhrenden Hirsch oder über das aktive Locken. Beim Locken imitiert der Jäger mit einem Hirschruf das Röhren eines Rivalen, um den Platzhirsch zu provozieren. Die passenden Hirschrufe und Brunftrufe gehören zur klassischen Ausrüstung der Brunftjagd. Unverzichtbar ist außerdem ein lichtstarkes Fernglas zum sauberen Ansprechen in der Dämmerung, in der sich ein Großteil des Brunftgeschehens abspielt.
Worauf ist bei der Brunftjagd besonders zu achten?
Rotwild reagiert extrem empfindlich auf Störung und menschliche Witterung. Der Wind steht deshalb bei jeder Brunftjagd an erster Stelle: Er darf niemals von dir zum Wild ziehen. Brunftplätze sollten geschont und nicht durch zu häufiges oder unvorsichtiges Betreten verbrannt werden, da das Wild sonst in die Nacht abgedrängt oder ganz vertrieben wird. Ebenso wichtig sind saubere jagdliche Grundsätze: sicheres Ansprechen, ein Schuss nur auf freigegebene Stücke und auf jagdlich vertretbare Distanz sowie die Einhaltung der geltenden Jagd- und Schonzeiten. Wer die Brunft ruhig und verantwortungsvoll bejagt, sichert das Naturschauspiel für die kommenden Jahre.
Was bedeutet Beschlagen in der Jägersprache?
Beschlagen ist der jagdsprachliche Ausdruck für den Deckakt, also die Paarung des Hirsches mit einem brunftigen weiblichen Stück. Der Platzhirsch beschlägt die aufnahmebereiten Stücke seines Brunftrudels, während er zugleich Rivalen fernhält. Nach erfolgreicher Paarung beträgt die Tragzeit beim Rotwild rund achteinhalb Monate, sodass die Kälber im folgenden Frühsommer gesetzt werden. Dieses Zusammenspiel aus Brunft im Herbst und Setzzeit im Frühjahr ist fest im Jahreslauf des Rotwildes verankert und prägt auch den jagdlichen Kalender.
Was versteht man unter Kahlwild?
Als Kahlwild bezeichnet man beim Rotwild die weiblichen Stücke, also die Alttiere und Schmaltiere, sowie die Kälber – im Gegensatz zu den geweihtragenden Hirschen. Der Begriff leitet sich davon ab, dass diese Stücke kein Geweih tragen, also kahl sind. Zur Brunft bildet das Kahlwild den Kern des Brunftrudels, das der Platzhirsch sammelt, treibt und verteidigt. Für die Bewirtschaftung eines Rotwildbestandes ist der Abschuss von Kahlwild mindestens ebenso wichtig wie der von Hirschen, weil sich über ihn die Reproduktion und damit die Bestandshöhe steuern lässt.
Welche typischen Fehler macht man bei der Brunftjagd?
Der größte Fehler ist die Missachtung des Windes, gefolgt von Ungeduld und zu häufigem Betreten der Brunftplätze. Wer das Wild durch Unruhe oder seine Witterung stört, drängt es in die Nacht ab oder vertreibt es ganz. Auch das voreilige oder unsauber gesetzte Locken macht einen Platzhirsch eher misstrauisch als neugierig. Ebenso problematisch sind mangelhaftes Ansprechen und ein Schuss auf unsichere Distanz oder in den Verband. Wer diese Fehler vermeidet, ruhig bleibt und im Zweifel das Stück ziehen lässt, jagt waidgerecht und langfristig erfolgreich.
Wie unterscheidet sich die Brunft von der Blattzeit?
Der wichtigste Unterschied liegt in Wildart und Zeitpunkt. Die Brunft betrifft Rotwild und ähnliches Schalenwild und findet im Herbst statt. Die Blattzeit ist dagegen die Paarungszeit des Rehwildes und liegt bereits im Hochsommer, meist im Juli und August. Auch die Jagdmethoden unterscheiden sich: Während zur Rehbrunft mit der Rehblatter das Fiepen eines Rehs nachgeahmt wird, imitiert man zur Hirschbrunft mit dem Hirschruf das Röhren eines Konkurrenten. Beide Zeiten verbindet, dass sich das sonst heimliche Wild kurzzeitig stärker zeigt und dadurch besser bejagbar ist.