Wenn im Herbst die Wassertemperaturen fallen und die Forellen im See träger, aber auch wählerischer werden, gibt es eine Technik, die verlässlich fängt, wo Blinker und schnell geführte Köder ins Leere laufen: das Tremarella-Angeln. Der Name kommt vom italienischen „tremare", zittern, und das beschreibt die Methode fast vollständig. Du führst einen leichten Köder in Bodennähe oder im Mittelwasser mit einem feinen, zitternden Spiel der Rutenspitze so langsam, dass eine kalte, satte Forelle den Reiz kaum ausschlagen kann.
Die Kernaussage vorweg, damit du weißt, worauf es hinausläuft: Tremarella ist die fängigste Technik für schwierige, kalte und klare Tage am Forellensee, weil sie extrem langsam, extrem fein und extrem reizarm arbeitet. Genau das brauchst du, wenn die Fische bei vier bis acht Grad Wassertemperatur nur noch wenige Zentimeter für einen Köder schwimmen. Wer die Technik beherrscht, fängt im November und Dezember oft besser als im Hochsommer.
In diesem Beitrag gehe ich das Thema so durch, wie ich es einem Angelkollegen am Wasser erklären würde: Rute, Rolle, Schnur, Montage, Köder, Führung, Suchraster, Bisserkennung, Drill und die jahreszeitliche Anpassung. Dazu ein kompletter Angeltag Schritt für Schritt und die Fehler, die ich Anfänger am See immer wieder machen sehe. Am Ende weißt du nicht nur, was Tremarella ist, sondern wie du es an deinem See tatsächlich umsetzt.
Was ist Tremarella-Angeln und woher kommt die Technik?
Tremarella ist eine ursprünglich aus Norditalien stammende Fließ- und Stillwassertechnik, bei der ein leichter Köder mit einer langen, weichen Rute in einem feinen Zittern geführt wird. Statt aktiv einzukurbeln erzeugst du das Köderspiel fast ausschließlich über die vibrierende Rutenspitze und einen sehr langsamen Kurbelrhythmus. Der Köder taumelt und zittert dabei quasi auf der Stelle.
Entwickelt wurde die Methode an den Forellenseen und -bächen Oberitaliens, wo stark beangelte, oft ausgesetzte Fische mit klassischen Ködern kaum noch zu überlisten waren. Die Italiener merkten, dass eine minimale, nervöse Bewegung mehr auslöst als jede laufstarke Vorführung. Von dort ist Tremarella über die Alpen an die deutschen und österreichischen „Puffs", also die kommerziellen Forellenseen, gewandert und hat sich dort als eine der wichtigsten Kaltwassertechniken etabliert.
Der Unterschied zum normalen Spinnfischen ist grundlegend. Beim Spinnfischen bewegst du den Köder durch das Wasser, die Forelle jagt und packt zu. Bei Tremalla bringst du den Köder vor die Forelle und lässt ihn dort zappeln, bis der Fisch nicht anders kann. Das Tempo ist so langsam, dass viele Einsteiger anfangs glauben, sie machten etwas falsch, weil sich gefühlt nichts bewegt. Genau dieses „fast nichts" ist der Trick.
Welche Rute brauchst du für Tremarella?
Du brauchst eine lange, weiche Forellenrute mit parabolischer Aktion, typischerweise zwischen 3,90 m und 4,50 m Länge und einem Wurfgewicht von etwa 3 bis 15 Gramm. Die Länge gibt dir Kontrolle über die weite, feine Führung, die weiche Aktion überträgt das Zittern sauber auf den Köder und federt gleichzeitig Bisse und Fluchten ab.
Die parabolische Aktion ist hier nicht optional, sondern das Herzstück der Technik. Eine Rute mit harter Spitzenaktion überträgt dein Handgelenkzittern zu ruckartig und verhärtet im Biss, sodass du an der dünnen Schnur Fische verlierst. Eine durchgehend weiche, „vollparabolische" Rute dagegen nimmt die Schläge der Forelle auf und lässt die feine Spitze frei vibrieren. Ideal ist eine sehr feine, oft in Vollglas oder mit weichem Karbon aufgebaute Spitze, die schon bei kleinsten Bewegungen mitschwingt.
Wenn du gezielt kleine Blinker führen willst, überschneidet sich das Thema mit den klassischen Spoonruten, die noch feiner und kürzer ausfallen. Für reines Tremarella mit Sbirolino oder Bombarde ist die lange Variante aber im Vorteil, weil du damit den Köder weiter draußen kontrollieren und die Schnur besser vom Wasser fernhalten kannst. Eine gute Auswahl passender Forellenruten deckt beide Einsatzbereiche ab, und für den Einstieg reicht ein Modell um 4,20 m mit weicher Aktion vollkommen aus.
Reine Spoonrute-Modelle unter drei Metern nutzt du dagegen eher, wenn du sehr nah am Ufer und ausschließlich mit Micro-Spoons ohne Wurfgewichtshilfe fischst. Für die klassische zitternde Führung über größere Distanz bleibt die lange, parabolische Forellenrute das Werkzeug der Wahl.
Welche Rolle und welche Schnur passen dazu?
Nimm eine leichte Stationärrolle in Größe 2000 bis 2500 mit einer feinfühligen, sauber einstellbaren Frontbremse. Bespult wird sie mit einer dünnen, weichen Monofilen von 0,16 bis 0,20 mm Durchmesser, die dir Dehnung als zusätzlichen Puffer gibt und den Köder beim Absinken natürlicher taumeln lässt.
Warum Mono und nicht geflochtene Schnur? Geflecht ist zwar sensibler, aber es hat keine Dehnung. An der weichen Rute und der feinen Bremse würdest du im Biss und im Drill zu viele Fische verlieren, weil der harte Direktkontakt den Haken aus dem weichen Forellenmaul reißt. Die Dehnung der Mono ist bei dieser Technik ein Feature, kein Nachteil. Für sehr klares Wasser und scheue Fische kannst du auf 0,16 mm heruntergehen, bei kapitalen Besatzforellen oder viel Kraut lieber 0,20 mm wählen.
Wichtig ist eine gleichmäßig gefüllte Spule, damit die Schnur ohne Bremsstöße abläuft. Fette die Frontbremse gedanklich auf „gerade so noch fest": Sie soll bei einem harten Kopfstoß der Forelle bereits leicht Schnur geben. Ein sauber laufender Schnurfangbügel und ein kleiner, gut gängiger Wirbel in der Montage verhindern den gefürchteten Schnurdrall, der beim langsamen Führen sonst schnell entsteht.
Wie sieht die Montage mit Tremarellablei und Sbirolino aus?
Die klassische Tremarella-Montage besteht aus einem Wurfgewicht auf der Hauptschnur, einem Wirbel als Verbindung, einem langen Vorfach und dem Köder am Ende. Als Wurfgewicht dient entweder ein spezielles Tremarellablei, das direkt auf der Schnur läuft, oder ein Sbirolino beziehungsweise eine Bombarde, die zusätzlich Wurfweite bringen.
Das eigentliche Tremarellablei ist ein kleines, meist tropfen- oder olivenförmiges Gewicht von etwa 3 bis 8 Gramm mit einem durchgehenden Loch oder Röhrchen. Es läuft frei auf der Hauptschnur und wird von einem Gummistopper und dem Wirbel begrenzt. Der Sinn: Zieht die Forelle am Köder, spürt sie nicht sofort den vollen Widerstand des Bleis, sondern die Schnur läuft frei durch. Das ergibt bei vorsichtig beißenden Kaltwasserfischen deutlich mehr verwertbare Bisse. Kleinere Gewichte um 3 bis 4 Gramm nimmst du bei ruhigem Wasser und flachen Zonen, schwerere um 6 bis 8 Gramm bei Wind, Distanz und tieferen Bereichen.
Willst du weiter werfen oder in einer bestimmten Wasserschicht führen, kommen schwimmende, langsam sinkende oder schnell sinkende Bombarden und Sbirolinos ins Spiel. Ein schwimmendes Modell hält den Köder oben, ein sinkendes bringt ihn kontrolliert in die Tiefe. Das Vorfach hinter dem Wurfgewicht ist bei Tremarella bewusst lang, oft 1,50 m bis über 2,50 m, damit der leichte Köder frei und verzögert taumeln kann. Als Vorfachmaterial reicht eine Fluorocarbon- oder Monofile von 0,14 bis 0,18 mm.
Wenn du mit Auftriebsteig oder Naturköder am Grund fischst, ergänzt du die Montage um einen kleinen Auftriebskörper oder eine Forellenpose, die dir zusätzlich als optische Bissanzeige dient. Die Pose ist dabei kein Muss, aber gerade für Einsteiger eine große Hilfe, weil sie den feinen Biss sichtbar macht. Als Begriff verdient die Forellenpose übrigens eine Erklärung: Es handelt sich um besonders schlanke, empfindliche Posen, die schon auf minimalen Zug reagieren.
Welche Köder sind beim Tremarella-Angeln fängig?
Am fängigsten sind kleine, leichte Blinker, sogenannte Spoons, dazu Forellenteig in verschiedenen Farben und Auftriebsstufen sowie Naturköder wie Bienenmade, Wurmstück oder Mehlwurm. Welcher Köder führt, hängt von Wasserfarbe, Temperatur und Besatzzeitpunkt ab, deshalb lohnt es sich, mit mehreren Varianten zu starten.
Die kleinen Spoons sind die eleganteste Tremarella-Variante. Schon 0,5 bis 2,5 Gramm schwere Löffelchen erzeugen durch dein Zittern ein flimmerndes Spiel, das kalte Forellen reizt, ohne sie zu überfordern. Eine breite Auswahl kleiner Spoons in unterschiedlichen Farben gehört deshalb in jede Forellensee-Box: dunkle, matte Töne bei klarem Wasser und Sonne, grelle Signalfarben bei trübem Wasser oder bedecktem Himmel.
Der klassische Forellenteig ist der zweite große Baustein. Er wird als kleine Kugel oder als Streifen auf einen feindrähtigen Haken geknetet und über seinen Auftrieb so eingestellt, dass er knapp über Grund schwebt. Beim Tremalla-Zittern vibriert der Teig verführerisch, gibt Duft ab und hält die Forelle länger am Köder als ein harter Kunstköder. Fluoreszierende Teige mit Knoblauch- oder Käsearoma sind an vielen Seen der Renner, vor allem direkt nach dem Besatz.
Naturköder schließlich sind die unauffälligste, oft aber tödlichste Option an sehr schwierigen Tagen. Eine einzelne Bienenmade oder ein kleines Wurmstück an einem gebundene Forellenhaken in Größe 8 bis 12 wirkt, wenn Fische alles Künstliche verweigern. Gerade in klarem Winterwasser, in dem die Forellen extrem genau hinschauen, kann Naturköder den Unterschied zwischen Schneidertag und vollem Setzkescher ausmachen.
Wie funktioniert das typische zitternde Führen?
Beim Führen hältst du die Rute leicht erhöht und versetzt die Spitze mit dem Handgelenk in ein feines, gleichmäßiges Zittern, während du gleichzeitig ganz langsam einkurbelst. Das Zittern erzeugt das Köderspiel, das langsame Kurbeln bringt den Köder Zentimeter für Zentimeter zu dir. Tempo und Rhythmus entscheiden über Erfolg oder Misserfolg.
Konkret sieht das so aus: Nach dem Wurf lässt du den Köder in die gewünschte Tiefe absinken und zählst dabei innerlich mit, um die Schicht später wiederzufinden. Dann beginnst du das Zittern. Die Amplitude ist minimal, nur wenige Millimeter Spitzenbewegung, dafür hochfrequent. Der Kurbelrhythmus liegt oft bei einer halben bis einer Umdrehung alle zwei bis drei Sekunden. Es soll sich anfühlen, als würdest du den Köder eher „halten und zittern" als „einholen".
Die Absinkphase ist mindestens so wichtig wie die aktive Führung. Sehr viele Bisse kommen, wenn der Köder nach einem kurzen Anheben wieder taumelnd nach unten segelt. Deshalb baust du bewusst Pausen ein: kurz anheben, zittern, absinken lassen, wieder aufnehmen. In dieser Absinkphase muss die Schnur leicht kontrolliert bleiben, denn genau hier saugt die Forelle den Köder oft nur an, ohne dass du einen harten Ruck spürst.
Ein häufiger Anfängerfehler ist, das Zittern mit dem ganzen Arm statt aus dem Handgelenk zu erzeugen. Das wird zu grob, zu langsam und ermüdet dich innerhalb weniger Minuten. Übe das feine Handgelenkzittern zu Hause im Trockenen, bis es locker und gleichmäßig läuft. Ein zweiter Klassiker ist zu schnelles Kurbeln, weil man dem „Nichtstun" nicht traut. Zwing dich bewusst zur Langsamkeit, gerade bei kaltem Wasser.
Wie findest du die richtige Wassertiefe und suchst den See ab?
Weil Forellen im See ständig die Wasserschicht wechseln, arbeitest du dich systematisch durch die Tiefen, statt blind eine Zone zu befischen. Du variierst die Absinkzeit nach dem Wurf und fächerst gleichzeitig verschiedene Wurfwinkel auf, bis du Kontakt hast. Diese Suche ist beim Tremalla-Angeln der halbe Erfolg.
Praktisch heißt das: Beginne mit einer kurzen Absinkzeit und führe den Köder knapp unter der Oberfläche. Bleibt der Biss aus, erhöhst du die Zählzeit beim nächsten Wurf um jeweils zwei bis drei Sekunden und tastest dich so Schicht für Schicht nach unten. Notierst du dir die erfolgreiche Zählzahl, kannst du die fängige Tiefe gezielt wieder anwerfen. In kaltem Wasser stehen die Fische häufig tief und dicht über Grund, an milden, sonnigen Wintertagen ziehen sie manchmal überraschend hoch.
Beim Abfächern teilst du deinen erreichbaren Bereich gedanklich in mehrere Sektoren links, geradeaus und rechts. Du wirfst jeden Sektor mehrfach an, bevor du weiterziehst. Kanten, Einläufe, Belüfter und Übergänge von flach zu tief sind Hotspots, weil sich dort Sauerstoff und Nahrung sammeln. An kleinen Seen lohnt es sich fast immer, mobil zu bleiben und mehrere Standplätze zu testen, statt stundenlang die gleiche Stelle zu bearbeiten.
Wie erkennst du den Biss beim Tremarella-Angeln?
Bisse zeigen sich beim Tremalla oft nicht als harter Ruck, sondern als plötzliches Ausbleiben des vertrauten Widerstands, als leichtes Zupfen oder als ein „Schwerwerden" der Schnur. Weil die Fische bei Kälte extrem vorsichtig nehmen, musst du Auge und Gefühl gleichzeitig einsetzen. Jede Unregelmäßigkeit ist ein potenzieller Anhieb.
Achte besonders auf die Schnur im Bereich zwischen Rutenspitze und Wasseroberfläche. Springt der leichte Schnurbogen plötzlich zur Seite, strafft er sich unerwartet oder fällt er im Absinken auffällig locker durch, hast du meist einen Biss. Genau hier hilft die zusätzliche Forellenpose: Sie zittert leicht mit, taucht ab oder legt sich flach, wenn ein Fisch den Köder nimmt, und übersetzt den feinen Biss in ein klares optisches Signal.
Der Anhieb selbst ist bei der weichen Rute und dünnen Schnur gefühlvoll, nicht brutal. Ein zügiges Anheben der Rute mit gestrafftem Handgelenk reicht völlig. Ein harter Schlag mit der ganzen Kraft würde die feine Montage oder den kleinen Haken im weichen Forellenmaul überlasten. Im Zweifel lieber einen Tick früher und sanfter anschlagen, als lange abzuwarten.
Wie drillst du die Forelle an der weichen Rute?
Der Drill an der langen, parabolischen Rute ist gefühlvoll und geduldig. Du lässt die weiche Rute und die eingestellte Bremse die Arbeit machen, hältst konstanten Kontakt und pumpst den Fisch mit ruhigen Bewegungen heran, statt ihn stur an der Kurbel heranzuzwingen.
Die Bremse gibt bei jeder harten Flucht Schnur, die Rutenaktion federt die Kopfstöße ab. Genau dafür ist das weiche Gerät gebaut. Halte die Rute im Drill hoch, damit ihre volle Länge als Puffer arbeitet, und kurbele nur, wenn der Fisch nachgibt. Zieht er ab, kurbelst du nicht gegen die Bremse, sondern wartest die Flucht ab. Gerade kapitale Besatzforellen legen kurze, kräftige Spurts ein, die du einfach aussitzt.
Zum Landen nimmst du einen gummierten Kescher, der den Schleim und die Flossen schont. Führe den Fisch über den Rand des Keschers, statt ihm hinterherzustochern. Willst du den Fisch zurücksetzen, geht das nur mit nassen Händen, kurzer Luftzeit und einem widerhakenlosen oder angedrückten Haken. Wer den Fang mitnimmt, tötet ihn sofort und fachgerecht mit Betäubungsschlag und Kehlschnitt. Ein verantwortungsvoller, waidgerechter Umgang mit dem Fisch ist Pflicht, und Verbände wie der Deutsche Angelfischerverband stellen dazu klare Grundsätze bereit.
Wie passt du Tremarella an Herbst und Winter an?
Im kalten, klaren Wasser des Spätherbstes und Winters führst du noch langsamer, noch feiner und noch tiefer als im Herbst. Sinkende Wassertemperaturen drosseln den Stoffwechsel der Forellen, deshalb müssen Tempo und Reizstärke des Köders weiter zurückgenommen werden. Genau in dieser Phase spielt Tremalla seine größte Stärke aus.
Bei Wassertemperaturen um vier bis acht Grad stehen die Fische meist tief und bewegen sich kaum. Du verlängerst die Absinkzeiten, wählst schwerere sinkende Sbirolinos oder ein etwas größeres Tremarellablei und reduzierst das Kurbeltempo auf ein Minimum. Das Zittern bleibt fein, wird aber oft mit längeren Halte- und Absinkpausen kombiniert. In klarem Winterwasser sehen die Forellen jeden Fehler, deshalb sind dünne Vorfächer, natürliche Farben und Naturköder jetzt besonders gefragt.
Die wichtigsten Besatzfische am typischen Forellensee sind die Regenbogenforelle, gefolgt von der heimischen Bachforelle und dem Bachsaibling. Die Regenbogenforelle ist der robusteste und am häufigsten eingesetzte Fisch, sie beißt auch bei Kälte noch verlässlich. Bachforelle und Saibling gelten als scheuer und stellen dein feines Tremalla-Spiel im Winter besonders auf die Probe. Wer versteht, wie unterschiedlich diese Arten reagieren, stellt Köderfarbe und Tiefe gezielter ein.
Wenn dich das Thema Kaltwasser generell interessiert, findest du weiterführende Tipps im Beitrag zum Winterangeln auf Forelle, der die saisonalen Besonderheiten noch tiefer beleuchtet. Tremarella ist dort eine der Schlüsseltechniken, gerade weil sie mit dem trägen Bissverhalten der Fische so gut harmoniert.
Ein typischer Tremarella-Tag am Forellensee, Schritt für Schritt
Damit die Theorie greifbar wird, nehme ich dich einmal durch einen kompletten Angeltag mit, so wie er an einem klaren Novembermorgen wirklich abläuft. Du kommst kurz vor Sonnenaufgang an, wenn das Wasser spiegelglatt ist und die ersten Fische an der Oberfläche stehen.
Zuerst baust du in Ruhe auf: 4,20-m-Rute mit weicher Aktion, 2500er Rolle mit 0,18 mm Mono, ein langsam sinkendes Sbirolino oder ein 4-Gramm-Tremarellablei, langes Vorfach und zum Start ein kleiner Spoon in dezenter Farbe. Die Bremse stellst du weich ein und ziehst probeweise von Hand Schnur ab, bis sie gleichmäßig läuft. Den ersten Wurf setzt du nicht ans andere Ufer, sondern beobachtest, wo Fische zeigen.
Dann beginnt die Suche. Erster Wurf, fünf Sekunden absinken lassen, zittern, langsam führen. Kein Biss. Nächster Wurf, acht Sekunden, dann zehn, dann zwölf. Bei etwa zwölf Sekunden Absinkzeit bleibt die Schnur beim Aufnehmen plötzlich hängen, du hebst an, und die erste Regenbogenforelle sitzt. Jetzt weißt du: Die Fische stehen heute in der mittleren Schicht. Du merkst dir die Zählzahl und arbeitest sie systematisch weiter an.
Nach zwei, drei Fischen lässt der Biss nach, weil der Schwarm weitergezogen ist oder misstrauisch wurde. Du wechselst die Köderfarbe, wechselst von Spoon auf einen schwebend eingestellten Forellenteig und tastest die nächste Zone ab. So arbeitest du dich über den Vormittag durch verschiedene Tiefen, Farben und Stellen. Gegen Mittag, wenn die Sonne höher steht und das Wasser sich minimal erwärmt, ziehen die Fische oft etwas höher, und du verkürzt die Absinkzeiten wieder.
Am Nachmittag, wenn das Licht flacher wird, kann eine erneute Beißphase einsetzen. Du bleibst geduldig, führst konsequent langsam und traust dich auch an lange Absinkpausen. Wichtig: Du dokumentierst im Kopf oder auf dem Handy, was funktioniert hat, denn diese Muster wiederholen sich an ähnlichen Tagen. So wird aus einem Zufallsfang eine wiederholbare Strategie.
Welche Anfängerfehler kosten am meisten Fisch?
Die drei häufigsten Fehler sind zu schnelles Führen, zu grobes Gerät und mangelnde Geduld bei der Tiefensuche. Jeder einzelne davon kann einen ansonsten guten Tag in einen Schneidertag verwandeln, obwohl die Fische da sind. Wer diese Punkte abstellt, fängt sofort besser.
Zu schnelles Führen ist der Klassiker schlechthin. Weil sich langsames Zittern anfühlt, als passiere nichts, kurbeln viele Einsteiger unbewusst zu zügig und reißen den Köder an den kalten Fischen vorbei. Die Lösung ist bewusste Selbstkontrolle: Zähle innerlich mit, mach lange Pausen, und trau dem „Nichtstun".
Der zweite Fehler ist zu grobes Gerät. Eine harte Rute, dicke Schnur oder eine zu fest eingestellte Bremse führen dazu, dass du feine Bisse nicht spürst und im Drill Fische verlierst. Investiere lieber in eine wirklich weiche Rute und dünne Mono, statt an der falschen Stelle zu sparen. Der dritte Fehler ist, stur eine Tiefe und eine Stelle zu befischen. Forellen wechseln ständig die Schicht, und wer nicht aktiv sucht, angelt an den Fischen vorbei. Sei mobil, variiere Zählzeiten und Wurfwinkel, und du findest die Beißphasen deutlich zuverlässiger.
Ein vierter, oft übersehener Punkt ist die Hakenpflege. Kleine Forellenhaken werden schnell stumpf, gerade nach Fischkontakt oder Grundberührung. Prüfe die Spitze regelmäßig mit dem Fingernagel und tausche stumpfe Haken sofort. Ein scharfer Haken hakt die weich beißende Forelle sicher, ein stumpfer lässt sie beim vorsichtigen Zupfen wieder ausspucken.
Häufige Fragen zum Tremarella-Angeln
Ist Tremarella auch etwas für Anfänger?
Ja, Tremarella eignet sich sogar sehr gut für Einsteiger, weil die Technik keine perfekten Würfe verlangt, sondern Gefühl und Geduld belohnt. Das feine Handgelenkzittern lernst du in wenigen Stunden am Wasser, und mit einer Forellenpose als Bissanzeiger kommst du auch als Neuling schnell zu Fischen. Wichtig ist nur, dass du dich an das langsame Tempo gewöhnst.
Worin unterscheidet sich Tremarella vom Sbirolino- und Spoon-Angeln?
Alle drei Techniken überschneiden sich, setzen aber andere Schwerpunkte. Beim Sbirolino-Angeln auf Forellen steht das Wurfgewicht für Weite und Wurfschicht im Vordergrund, beim Spoon-Angeln auf Forellen das aktive Führen kleiner Blinker. Tremarella ist die feinste, langsamste Variante und nutzt Sbirolino oder Bombarde oft nur als Transportmittel für das zitternde Köderspiel.
Welche Wetterbedingungen sind am besten?
Bedeckte, windstille Tage mit stabilem Luftdruck sind ideal, weil die Forellen dann aktiver und weniger scheu sind. Klares Wasser und Sonne machen die Fische vorsichtig, dann helfen dünnere Vorfächer und natürliche Köderfarben. Ein leichter Temperaturanstieg nach einer kalten Phase löst häufig regelrechte Beißschübe aus.
Wie tief muss ich fischen?
Es gibt keine feste Tiefe, du musst sie dir jeden Tag neu ersuchen. In kaltem Wasser stehen die Fische meist tief über Grund, an milden Tagen oder nach dem Besatz oft überraschend hoch. Deshalb variierst du die Absinkzeit nach jedem Wurf, bis du die fängige Schicht gefunden hast.
Welche Farbe soll der Köder haben?
Als Faustregel gilt: dezente, dunkle Farben bei klarem Wasser und Sonne, grelle Signalfarben bei trübem Wasser oder wenig Licht. Direkt nach dem Besatz laufen oft fluoreszierende Teige und Spoons, weil die frisch eingesetzten Fische auf auffällige Reize reagieren. Probiere im Zweifel mehrere Farben durch, bis du die Tagesfarbe gefunden hast.
Brauche ich unbedingt spezielles Tremarellablei?
Nein, du kannst auch mit einem sinkenden Sbirolino oder einer Bombarde starten, aber das laufende Tremarellablei bringt bei vorsichtigen Bissen einen echten Vorteil. Weil die Schnur frei durchläuft, spürt die Forelle weniger Widerstand und lässt den Köder seltener fallen. Für den ernsthaften Kaltwassereinsatz lohnt sich die Anschaffung.
Wo finde ich mehr Grundlagen zum Forellensee?
Wenn du beim Thema Forellensee noch ganz am Anfang stehst, lohnt sich ein Blick in den Überblicksbeitrag zum Forellenangeln am Forellensee. Dort findest du die Basics zu Ausrüstung, Regeln und Grundtechniken, auf denen Tremarella als Spezialtechnik aufbaut. So bekommst du ein rundes Bild vom ersten bis zum letzten Wurf.
Fazit
Tremarella ist keine Zaubertechnik, sondern konsequent zu Ende gedachte Feinheit: lange weiche Rute, dünne Mono, laufendes Blei oder Sbirolino, langer Vorfach, kleiner Köder und ein geduldiges, zitterndes Führen, das kalte Forellen kaum ausschlagen können. Wer die drei großen Fehler, zu schnell, zu grob, zu unbeweglich, abstellt und sich die fängige Schicht jeden Tag neu ersucht, fängt gerade im Herbst und Winter besser als mit fast jeder anderen Methode. Nimm dir Zeit, übe das feine Handgelenkzittern und trau dich an die langsame Führung, dann wirst du am Forellensee schnell merken, warum diese italienische Technik so einen legendären Ruf hat.